Wer hätte das gedacht: Die Schlecker-Frauen finden auch ganz ohne Hilfestellung von Kurt Beck neue Jobs.  Das SPD-Schwergewicht war vor einigen Wochen noch bei Maybritt Illner mit einem Pöbelauftritt aufgefallen, bei dem er unter anderem behauptete, es hätte einer Auffanggesellschaft für die Schlecker-Mitarbeiter bedurft, um „diese Leute vorzubereiten, damit sie am Markt wieder eine Chance haben“. Die kühne These, dass es staatliche Hilfe braucht, um Menschen darauf vorzubereiten auch weiterhin in dem Beruf tätig zu sein, mit dem sie bereits seit Jahren ihr Geld verdienen, dürfte damit wohl als widerlegt gelten.

Dabei hatte sich Kurt Beck bei Illner noch „zu tiefst“ für die FDP geschämt, die mit ihrem Veto gegen den Schlecker-Rettungsschirm verhindert hatte „dass Menschen eine Chance“ gegeben wird. Herr Beck weiß wovon er spricht, denn er kümmert sich nach eigener Aussage in Rheinland-Pfalz um sämtliche Unternehmen, die von der Pleite bedroht sind, „auch solche mit drei Leuten“. Oder um es mit seine Worten zu sagen: „Die Kleinen kriegen genauso geholfen“.  So ist das eben mit dem Etatismus: Da kriegen Sie geholfen! Und zwar mit Ihren Steuergeldern. Und alle anderen auch. Damit dürfte jetzt auch klar sein, woher die massive Schuldenlast des Landes Rheinland-Pfalz kommt. Zentralistische Planwirtschaft ist auf Dauer eben ein teurer Spaß.

Nur die armen „Schlägger-Frauen“, die kriegten vom Kurt nicht geholfen, und sitzen jetzt „weinend zu Hause“. Diese Sichtweise Becks erstaunt etwas angesichts der Kampagnen, die von den Gewerkschaften seit Jahr und Tag gegen die Arbeitsbedingungen bei Schlecker gefahren wurden. Wenn ich mich recht entsinne, dann hatte ein solidarischer Drogerie-Shopper dieses Unternehmen unbedingt zu meiden. Doch DGB-Chef Sommer schlägt jetzt plötzlich ganz andere Töne an. “Man lässt die Schlecker-Frauen über die Klinge springen“ barmt der oberste Gewerkschaftsfunktionär und klagt über „grausigen Kälte“ mit der sich „die Hölle einfrieren” ließe. Meine Fresse. Die apokalyptischen Reiter hatten wohl gerade frei, sonst hätte Sommer sie auch noch aus dem Ärmel gezaubert.

Auch wenn Rheinland-Pfalz leider keine Auffanggesellschaft gründen durfte, so haben Beck und seine Genossen doch noch einen Weg gefunden, Mehrkosten für den Steuerzahler zu verursachen: Die Sozialministerin Malu Dreyer schnürte ein behördliches „Hilfspaket“ aus einem Runden Tisch, einer Task Force und speziell für die Schlecker-Frauen designierten „Kümmerern“ der Arbeitsagentur.

Es scheint fast so, als halte man die gemeine Schlecker-Frau staatlicherseits für ein bisschen doof. Eigentlich ist die Arbeitsmarktlage für Verkäuferinnen momentan ganz gut. Wieso glaubt man also, diese Frauen  bräuchten eine Sonderbetreuung? Oder handelt es sich gar nur um eine populistische Voodoo-Maßnahme, um später so zu tun, als wäre die erfolgreiche Arbeitssuche der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen die Leistung der Arbeitsagentur und des Ober-Kümmerers Beck?

Dieser lesenswerter Artikel auf SPON bringt es hervorragend auf den Punkt:

Für die selbsternannten Retter der Schlecker-Frauen aber ist es offenbar unzumutbar, dass die Frauen sich selbst über ihre berufliche Zukunft Gedanken machen. Man gibt ihnen einen Anschlussverwendung als Opfer – weil man ihnen offensichtlich keine eigenen Entscheidungen zutraut. Daraus spricht Verachtung für diese Frauen.

Auch das ist eben Etatismus – die Erniedrigung mündiger Bürgern zu Opfern, die in jeder Lebenslage vom Staat geholfen kriegen müssen. Und zwar von solchen Gestalten wie Kurt Beck und mit dem Geld, das ihnen das Finanzamt vorher abgeknöpft hat. Kein Wunder, dass dieser Art von Politik mittlerweile die Schulden bis zum Hals stehen, in Rheinland-Pfalz und anderswo.

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