Das Epizentrum des wissenschaftlich geprägten Liberalismus lag am 21./22. Juni 2012 in Bayreuth: Wer Rang und Namen hatte, folgte dem Ruf der Hayek-Gesellschaft. Zwei Tage intellektuelle Herausforderung bestärkten den Chorgeist der in der deutschen Wissenschaftslandschaft in die qualifizierte Minderheit geratenen Anhänger der qualitativen Ökonomie. Als Zaungast durfte der Autor der Veranstaltung folgen und stellt hier in loser Reihe seine Eindrücke der einzelnen Beiträge vor. 

Mit Erich Weede und Richard Sulik erhielten zwei hervorragende Persönlichkeiten die F.A. v. Hayek-Medaille. Weede als herausragender liberaler Wissenschaftler, der sich dem Mainstream gewitzt widersetzt. Das stellte er gleich unter Beweis, als er in seiner “Antrittsvorlesung” den IPCC und die Klimahysterie grundsätzlich und wissenschaftstheoretisch zerlegte.  Dem A-Team IPCC will er ein gleich gut ausgestattetes B-Team entgegensetzen, das deren Hypothesen in Zweifel zieht. So erinnert er an das alte Hayek-Wort vom Wettbewerb als bestes Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens. Und erweitert Poppers Falsifikationskriterium leichtfüßig: Jede Theorie ist falsifiziert. Früher oder später. So verkommt (richtigerweise) jede Erkenntnis zum “Vor”-Urteil.

Sulik erhielt den Preis nicht nur, weil er als Parlamentspräsident und Parteivorsitzender den Verlust der Regierungsbeteiligung in Kauf genommen hatte, um sich gegen die fortwährende EURO-Rettung in Form eines aufgestockten ESFS zu entscheiden. Ein bedeutendes Zeichen: Dass die Slowakei gar nicht in eine Lage wie Griechenland geraten könnte, daran hat Sulik ein gerüttelt Maß Anteil. Er war der Architekt einer großen Steuerreform, mit der alle Ausnahmen gestrichen und eine Flat-Tax in Höhe von 19% bei Verdoppelung der zu versteuernden Einkommen eingeführt wurde, an der wegen des großen Erfolges nicht einmal die später regierten Sozen etwas änderten.

Auch Suliks Verriss der Euro-Retter und der Weg in die Knechtschaft einer EURO-Diktatur ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Die Grausamkeit des definierten Souveränitätsverlustes verpackt er so humorvoll, dass ein Zuhörer sich an Dürrematts komische Tragödien erinnert fühlt. Sulik beschrieb nicht nur den Weg der Slowakei in die Knechtschaft. Sondern den der ganzen Union.

Auch bei der Podiumsdiskussion war trotz aller Dramatik gelegentliche Kurzweil angesagt. Wahre Liberale behalten auch eingedenk des EURO-Dramas Haltung und Humor. In Erinnerung bleiben wird das Acht-Minuten-Statement des Brüsseler FAZ-Korrespondenten Dr. Werner Mussler, in dem vor allem die fortgesetzte Ratlosigkeit angesichts der Inteventionsspirale in den Abgrund deutlich wurde. Wie der Karren aus dem tiefsten Dreck zu ziehen sei, mochte angesichts der realpolitischen Lage niemand sagen.  Auf die Schlussfrage, wie lange es den EURO in dieser Form mit vielleicht 15 Mitgliedern geben würde, wollten manche nicht einmal mehr eine Prognose abgeben. Maximal vier Jahre waren das höchste der Gefühle. Die einzige Vision brachte Frank Schäffler auf den Punkt: Es braucht ein Europa des Rechts und nicht des Rechtsbruchs. Nicht mehr und nicht weniger.

Am ersten Tag präsentierte der “Junioren-Workshop” den akademischen Nachwuchs und nährte die Hoffnung, dass der Liberalismus in Deutschland nicht kampflos untergeht. Und die neue Vorsitzende Karen Horn verpflichtete die vielleicht schon etwas bequeme Gemeinde darauf, sich auch mit internationalen und neuen Impulsen auseinander zu setzen. Mark Pennington vom Londoner Kings College stellte als bekennender Hayekianer den Begriff der sozialen Gerechtigkeit von Rawls auf den Prüfstand. Beeindruckend war dabei die Klarheit der Sprache und die Stringenz des Vortrags. Die Inhalte werden auch noch kommentiert.

Die Hayek-Gesellschaft sei bedankt für ihre Existenz. Sie bietet mit den alljährlichen Hayek-Tagen ein Podium für die Minderheit der Vernunft, die sich in diesem Land immer seltener und schwerer Gehör verschaffen kann. Diesmal zündete sie in Bayreuth ein intellektuelles Feuerwerk der Freiheit.

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