“Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar” lautete einst ein Textbaustein eines New-Wave Songs. Und die Bank war jahrzehntelang das Synonym für den rheinischen Kapitalismus. Und dann kam Ackermann. 

Die Deutschland AG war eine verschworene Gemeinschaft. DeFacto gehörten die meisten Großunternehmen nach dem zweiten Weltkrieg entweder der Allianz oder der Deutschen Bank. Und wer ihr nicht gehörte, bekam von ihr Kredit.  Und sass in ihrem Beirat, einem noblen Gremium zur Kundenpflege, das bundesweit einmal jährlich auf Schloss Gymnich, dem Gästehaus der Bundesregierung, zusammentrat. Wer da nicht hindurfte, gehörte nicht dazu. Bevor man über diesen Klüngel die Nase rümpft, sollte man konstatieren, dass die “Deutschland AG” extrem erfolgreich war. Und die für die Größe des Landes vollständig überdimensionierte Industrie war im wahrsten Sinne des Wortes ein “Exportschlager” und das galt nicht nur für Automobile, sondern insbesondere für Spezialmaschinen und Anlagen und Spezialitäten aller Art.

Was für Deutschland Adenauer war, war Hermann Josef Abs für das deutsche Bankenwesen. Allerdings ist der Nationalsozialismus an seiner Biographie – wie bei den meisten “Wirtschaftsführern” – nicht spurlos vorüber gegangen. Denn als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank seit 1937 hat er dafür gesorgt, dass sein Unternehmen von der Herrschaft der Nationalsozialisten profitierte. Auf wessen Kosten wollte er wohl lieber nicht genau gewusst haben.

Nach der Kapitulation war Abs eine Schlüsselfigur für das deutsche Wirtschaftwunder. Er verhandelte das Londoner Schuldenabkommen, dass den Wiederaufstieg erst möglich machte und war Gründungsdirektor der KfW, die das Marshal-Plan-Vermögen verwaltete. Denn da wurde nichts verschenkt sonder nur verliehen.

Als die Deutsche Bank 1957 entstand, war er deren geborener Sprecher. Weil die heimische Industrie an ihre Grenzen stieß, war der Weltmann Abs gefragt, der schon vor dem Krieg eine internationale Karriere gemacht hatte und fließend in den unterschiedlichen Sprache parlieren konnte. Abs war der Vorbote der Globalisierung, die damals noch keiner kannte. Und die Deutsche Bank wurde geborener Partner der erfolgreichen deutschen Exportindustrie. Dass Abs ausgerechnet im Wendejahr 1967 in den Aufsichtsrat übertrat, als die große Koalition mit dem keynesianisisch legitimierten Schuldenmachen anfing, spricht Bände.

In der Folge hatte die Bank stets meist nur zwei Sprecher, die sich als Primus Interpares verstanden. Karl Klasen wurde später Bundesbankpräsident, Ulrich, Guth und Christians führten die Bank, zu deren bedeutendesten Beteiligungen die Daimler-Benz AG weiter und festigten die Verbindungen der Deutschland AG.

Und dann kam Alfred Herrhausen. Der Mann, der bereits seit Beginn der Siebziger im Vorstand saß, erfand den Allfinanzkonzern, der den Kunden vom Bausparvertrag bis zur Lebensversicherung mit allen Produkten austauschen wollte. Und er kaufte Morgan Grenfell, eine Londoner Investmentbank und erweiterte so das Spektrum der deutschen Universalbank. Herrhausen war ein Kulturschock für die deutschen Bank-Beamten. Er war eloquent, wortgewaltig und konsequent. Und forderte einen Schuldenerlass für die Länder der dritten Welt. Nicht aus Gutmenschentum. Sondern weil, wie er meinte, ein Solvenzproblem nicht durch eine Erhöhung der Schulden gelöst werden könne. Griechenland, ick hör Dir trapsen. Herrhausens Leben endete an einem kalten Novembermorgen auf der Straße nicht unweit von seinem Wohnhaus. Eine Bombe traf den gepanzerten Mercedes und ein Splitter bohrte sich in sein Bein. Hätten die Personenschützer ihrer Berufsbezeichnung Ehre gemacht und das Bein abgebunden, wäre der Mann wohl nicht elendig verblutet.

Hätte Herrhausen, ein enger Ratgeber Helmut Kohls, weiter gelebt, wäre uns vielleicht manches erspart geblieben (Währungsreform und EURO?).

Unter Hilmar Kopper und Rolf Breuer fand die Auflösung der Deutschland AG statt. In einer offenen, verflochtenen Weltwirtschaft hatte der “closed Shop” keine Chance mehr. Schröders Regierung stellte die Veräußerungsgewinne aus der Auflösung der Aktienpakete steuerfrei und bescherte nicht nur dieser Bank schöne Gewinne. Das Ende des tadellosen Images der Bank leitete Kopper mit dem Begriff “Peanuts” ein, der von der Öffentlichkeit völlig falsch verstanden worden war: Die freiwillige Bereitschaft, offene Handwerkerrechnungen aus der Schneiderpleite auszugleichen kosteten die Bank zwar nicht nur ein müdes Lächeln, waren aber ohne Schwierigkeiten aufzubringen.

Und dann kam Ackermann. Der erste Ausländer an der Spitze der Bank, der sein Handwerk bei Credit Suisse erlernt hatte. Dem war die etwas behäbige Deutsche Bank nicht profitabel genug und ihr Aktienkurs zu niedrig.

Er ruinierte seinen Ruf mit einem guten Geschäft. Im Abwehrkampf gegen Vodafone verdiente er mit dem damaligen Mannesmann-Chef Milliarden für die Aktionäre. Als man sich geschlagen sah, waren die Taschen der Eigentümer voll. Da schien es legitim, sich auf Kosten des neuen Eigentümers ordentliche Prämien im zweistelligen Millionen-Bereich zu genehmigen. Das verstand die deutsche Neidgesellschaft nicht und Ackermann fand sich wegen Untreue vor Gericht wieder. Wohl gemerkt, weil er den Preis des Unternehmens bei einer feindlichen Übernahme in die Höhe getrieben hatte und diejenigen, die maßgeblich mitgewirkt hatten, dafür mit einer Provision im Promille-Bereich abgefunden wurden, wie es bei Investment-Bankern üblich ist.

Für die Bank war Ackermann ein Segen. Er modernisierte weiter, stärkte das Investment-Banking und verdiente viel Geld. Weil er dabei vorsichtig agierte, geriet die Bank auch durch die Krise nicht in die Schieflage. Nur der Gewinn sank. Wie der Kurs, was aber auch dem allgemeinen Einbruch der Aktienkurse zu verdanken sein dürfte.

Für seine Branche war Ackermann ausgesprochen hilfreich. Er ließ Merkel und Steinbrück seinerzeit in einen Abgrund blicken, den es gar nicht gab. Und schon war der erste Rettungssschirm gefunden. Und die Banken taten das, was sie auch gut können. Sie wälzen das Risiko ab, wenn es ihnen zu groß erscheint. In diesem Fall auf die Allgemeinheit.

Dabei war der Mann sich selbst zu schade, vom Staat Geld zu nehmen. Die Deutsche Bank unter Ackermann ist und bleibt ein grundsolides Unternehmen. Wenn er geht, wird es spannend. Bleibt das so?

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