Denis Yücel hält in der Taz erstaunliche Erkenntnisse zum Mord an Arzu Özmen fest:
“Der Fall widerlegt die verbreitete Annahme, Bildung sei der „Schlüssel zur Integration“, er widerspricht sogar der Annahme, dass es um „Integration“ – mehr „Integration“ als Freiwillige Feuerwehr in Detmold geht nicht. Der Fall widerspricht dem vulgärmarxistischen Lehrsatz, dass allein das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimme. Er überführt die reflexhaft vorgetragene – und zynische – Behauptung, dass Ehrenmorde und Zwangsehen nichts mit Religionen zu tun hätten, sondern Ausdruck patriarchaler Verhältnisse seien, die im Übrigen auch in anderen Gesellschaften herrschten.”
Vor nicht allzu langer Zeit wäre Yücel mit dieser simplen Feststellung ein rechtspopulistischer Stammtischler gewesen. Dass ich in meinem Kommentar zu dem Fall die “taz-Eliten” als typische Wegkucker ausgemacht habe, tut mir nach diesem Text fast schon leid, aber immerhin weist Yücel selber darauf hin, dass die Taz den Mord an Arzu bisher eher stiefmütterlich behandelt hat.






2 comments
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22. May 2012 at 15:45
Martin
Man glaubt es kaum. Natürlich wird dem aber wieder keinerlei kritische Selbstbetrachtung bei der taz folgen. Da sind schon die reflex- und zwangsapologetischen Urgesteine, wie Daniel Bax davor.
22. May 2012 at 15:56
Martin
Und noch:
Im Prinzip ist Yücels Artikel ein guter Artikel, das untenstehende ist aber wieder die übliche Beschönigung/Relativierung; das zwanghafte “die tun das aber auch”, ohne das es nicht zu gehen scheint.
Es wäre vielleicht doch mal eine soziologische/psychologische Untersuchung wert, was hinter dieser Unfähigkeit etwas Schlechtes zuzugeben, ohne Andere desselben Verhaltens zu beschuldigen, steckt.
Vor allem, wenn es, wie in diesem Fall, falsch ist:
“Sicher gibt es auch andernorts patriarchale Verhältnisse. Und sicher dürften sich die Tatmotive bei einem Mord an der eigenen Ehefrau meist ähneln, selbst wenn hierzulande eine solche Tat nur dann als Ehrenmord gilt, wenn der Täter Mustafa oder Mohammed heißt, aber unter „Familiendrama“ firmiert, sofern der Mörder auf den Namen Willi oder Stefan hört. ”
Das heißt dann auch bei Mustafa und Mohammed Familiendrama. Was Yücel natürlich auch genau weiß und was sich in Dutzenden Zeitungsberichten zu derlei Fällen nachlesen läßt.
Eine Gleichsetzung bzw. “Aufrechnung” von Ehrenmord und den “üblichen” Morden an Ehegatten, wegen Eifersucht und sonstigen Motiven, wäre nur statthaft, wenn es die bei “Mustafa und Mohammed” nicht gäbe.So ist es aber nicht. Sondern bei Ehrenmorden handelt es sich um Taten mit bestimmter Struktur und Motivlage, die bei “Willi und Helmut” eben NICHT vorkommen.
Sonst nennen Sie doch mal ein paar Fälle, bei denen die Tat ähnlich lag? Wo die Familie übereinkam ein Familienmitglied zu töten, weil das nicht mehr so leben möchte, wie sie und sie ihre Ehre dadurch verletzt sahen?
Kämen die bei “Willi und Helmut” genauso vor, es müsste ja vor Beispielen nur so wimmeln…