Die Kritiker aus den Qualitätsmedien haben am Sonntag einen anderen Film gesehen als ich. Ich hatte einen Sarrazin beobachtet, der einen mürrisch drein blickenden Peer Steinbrück mit trocken vorgetragenen Fakten ins Schwimmen bringt, bis der eigentlich nicht mehr widersprechen kann und sich genau auf die Sarrazinsche Hypothese festlegte: Die deutsche Geschichte rechtfertigt die Transferunion.

Die Qualität der deutschen politischen Diskussion lässt nicht nur zu wünschen übrig. Sie ist vom Reflex getrieben und nicht von der Überlegung. Gleiches gilt für Entscheidungen der politischen Akteure. Merkels Energiewende war nicht langfristig angelegt sondern diente dem Versuch, eine Wahlniederlage für die CDU in Baden-Württemberg  zu verhindern. Nicht mal das gelang. Die Folgen für diesen Populismus sind nicht abzusehen.

Und nun Sarrazin. Der Mann rüttelt schon wieder an einem Tabu: Dem Euro. Und Merkels bescheidener Satz “Scheitert der Euro, scheitert Europa” ist ad absurdum geführt. Zu dumm.

Sarrazin bedient dieses Klavier der Schlüsselreize geschickt und bringt in seinem Buch auch noch das Wort “Holocaust” unter. Aufmerksamkeit und Aufregung garantiert. Der Mann dreht den Spieß um und führt die Reflexion ad absurdum, in der er diejenigen, die über ihn herfallen, bloß stellt.

Das sollte uns zu denken geben.

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