Hannelore Kraft hat gar nicht mitgekriegt, dass sie die NRW-Wahl schon gewonnen hat. Und kümmert sich. Erstmal um die Kameras vor den Opel-Werkstoren in Bochum, wo sie bezeichnenderweise aus einem Audi steigt. Und dann  wohl in der Betriebsversammlung, in der der derzeitige Statthalter Detroits keine Garantie für das Werk ab 2014 gibt. Dass die Premium-Marken Audi, BMW,Mercedes und Porsche derweil von Absatzrekord zu Absatzrekord eilen und sich auf der Nordschleife des Nürburgrings ein packendes Rennen geliefert haben, kann man nur auf dem Nischensender Sport1 betrachten. Dabei zeigt gerade der Vergleich zwischen Opel und Audi, was in Rüsselsheim schief gelaufen ist. Und das seit Jahrzehnten. 

Opel gehört zu den erfolgreichsten Marken der Nachkriegszeit. Die Marke der Aufsteiger, direkt nach Mercedes. Wer etwas auf sich hielt fuhr Opel Kapitän. Und die heckgetriebenen und wassergekühlten Kadetten fuhren Kreise um dem VW Käfer. Wie der Ford Granada war der Opel Rekord das Auto des stolzen Facharbeiters und parkte oft vor dem mit eigener Hände erarbeiteten Reihenhaus im Neubaugebiet.

Zu jener Zeit hieß Audi noch DKW. Und baute Zweitakter wie sie bis zur Wende noch Trabant und Wartburg im Osten antrieben. Eigentümer Daimler-Benz war mit der Hinterlassenschaft der Auto Union nicht sehr glücklich. In Neckarsulm und Ingolstadt liefen Autos vom Band, die das heute anders besetzte Kürzel NSU trugen. Der Prinz als krawalliger Kleinwagen und der RO 80 als futuristisches Flaggschiff mit innovativen Wankelmotor. Der Kreiskolben erwies sich nur leider nicht als besonders haltbar, weshalb RO 80-Fahrer sich gegenseitig mit der offenen Hand grüßten: Die Zahl der Finger deutete dabei auf die Menge der verbrauchten Aggregate.

Ende der Sechziger wechselte der Konzern, dessen einst von Ferdinand Porsche konstruierten Rennwagen sich in der Vorkriegszeiten packende Rennen mit den Daimler-Silberpfeilen lieferten, den Eigentümer. VW kaufte zu und konnte sich so retten. Denn bereits unter der Daimler-Ägide waren kompakte wassergekühlte Vierzylinder entwickelt worden die man in frontgetriebenen Limousinen verbaute, wie man sie nur von Fiat oder Renault kannte.

Für Volkswagen, wo man bis in die Pleite auf das Käfer-Prinzip setzte (luftgekühlter Heckmotor mit Heckantrieb) war diese Organspende die Rettung. Polo, Golf, Scirocco und Passat waren im Grunde von Audi 50 und 80 geklont. Aber die nun in Ingolstadt ansässige Firma mit den vier Auto-Union-Ringen hatte kein Image und war allenfalls bei Beamten der mittleren Laufbahn eine gesetzte Bank. Mobile Hosenträger eben.

Die Markenpflege beider Unternehmen ging konträre Wege. Ferdinand Piech schuf mit dem Fünf-Zylinder-Motor und dem Allradantrieb ein Alleinstellungsmerkmal und der Slogan “Vorsprung durch Technik” markierte den ingeniösen Anspruch, der mit den diversen Quattro erst die Rallye-Weltmeisterschaft gewann und dann bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft den Wettkampf mit den Mercedes und BMW aufnahm.

Die General-Motors Tochter Opel ging den entgegen gesetzten Weg. War man in den Siebzigern noch mit Walter Röhrl Sieger auf der Rallye Monte Carlo, so scheiterte man mit seinem DTM-Engagement in den Neunzigern kläglich. Aus Kadett wurde Astra, aus Ascona Vectra, aus dem Rekord Omega und dem Manta, über den es jahrelang nur Witze gab, “Calibra”. An den Erfolg der frühen Jahre konnte das Unternehmen trotzdem nicht anknüpfen. Mit der Einstellung des Omega gab man schließlich die Mittelklasse kampflos auf. Der Rekord war in den Siebzigern noch mit einem dicken V8 als “Commodore” selbst im fernen Australien als Holden vom Band gelaufen.

Bei GM entschied man sich damals aber für die falsche Strategie: Billig statt Premium. Statt sich nach oben auszurichten, versuchte sich der Konzern in der Japaner-Abwehr. Und scheiterte damit brachial. Opel aus den frühen Neunzigern waren kaputt gespart. Sie rosteten einem unter dem Hintern weg und untermenierten den einstigen Ruf. So blieb ein Spießerauto von schlechter Qualität, das allenfalls noch von der hessischen und nordrhein-westfälischen Polizei gekauft wurde. Keine Regel ohne Ausnahme. Der Mini-Van Zafira war eine echte Innovation.  Aber ein Vogel macht noch keinen Frühling.

Die 24 Stunden vom Nürburgring sind das härteste und eines der gefährlichsten Rennen überhaupt. Die so genannte Nordschleife ist mit über acht Kilometern ellenlang und materialmordend. Das Rennen ist so berüchtigt, dass die Werke lieber nicht selber antreten, sondern “Kundenteams” unterstützen. In der Spitzengruppe fand man hochkarätige Sportwagen von Audi, BMW, Mercedes, Porsche, McLaren und diverse Exoten. Ständige Führungswechsel, Unfälle, Ausfälle, Reparturpausen machten deutlich, dass man auf einem gleich hohen Niveau miteinander kämpfte. Und auch die Ausfälle, teils eine halbe Stunde vor der Zielflagge machten deutlich, warum Deutschlands Auto-Industrie weltweit an erster Stelle notiert.

Eine Fußnote der Geschichte war deshalb der wahre Exot: Ex-Opel-Sportchef Strycek drehte seine Runden in einer ehemaligen Stilikone: Einem Opel Manta, nur echt mit dem Fuchsschwanz, der nicht nur ins Ziel kam, sondern auch als Sieger der Herzen durch die “grüne Hölle” fuhr. Ironie des Schicksals.

Opel ist wohl auf Dauer nicht zu retten. Die Autos haben kein Image und dafür sind sie zu teuer. Vom gleichen Mutterkonzern kommt vergleichbares aus Korea viel billiger. Selbst Hannelore Kraft fährt ja Audi.

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