Als ich studierte, war die Verbreitung von Bauhaus und Ikea bereits weitgehend fortgeschritten. Doch der Baumarkt-Boom explodierte erst in den Neunzigern, als auf der grüne Wiese vor den Städten insbesondere im Osten riesige Shopping-Center entstanden. Der Baumarkt ist nicht nur die erste Bezugsquelle für den redlichen Handwerker. Sondern auch für die Nachbarschaftshilfe und den polnischen Wanderarbeiter, der seither richtend, schaufelnd und bauend durch die Wohnviertel zieht.

Das Malerhandwerk kann eigentlich nur noch von kommerziellen Auftraggebern leben, der Geselle macht es am Wochenende im Privathaushalt für die Hälfte. Der selbstständige Fliesenlegermeister ist verhandlungsbereit, wenn er keine Rechnung stellen muss. Da spart der Kunde nicht nur die Mehrwertsteuer. Wenn die Sozialversicherungsbeiträge geteilt werden, macht der Meister immer noch einen guten Schnitt und der Auftragnehmer muss nicht weiter dillettieren. Der ökonomische Zwang zur Schwarzarbeit ist das Kavaliersdelikt des kleinen Mannes, der damit gut und gerne 40-50% der Personalkosten spart. Und weil es jeder macht, kommt auch niemand auf die Idee, den Nachbarn zu denunzieren.

Mit den Mitteln des Polizeistaates ist der Sache nicht beizukommen. Dazu tritt das Phänomen zu massenhaft auf. Wo Baucontainer und Gerüste auftauchen, sind die immer wertvoller erscheinenden Mittelklasseautos mit polnischen Kennzeichnen nicht weit.

Verändern ließe sich das Ganze nur mit zwei sehr einfachen Maßnahmen: Die Steuen und Abgaben müssen radikal gesenkt werden, so dass sie nicht länger inklusive der Mehrwertsteuer 60% der Arbeitskosten für den Endverbraucher ausmachen. Das ist prohibitiv.

Und der Bürger muss jede sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von der Putzfrau bis zum Handwerker vollständig von der Steuer absetzen können.

So kommt eine Wertschöpfungskette in Gang, die durch den massiven Umsatz die Ausfälle mehr als kompensiert. 30% von allem sind mehr als 60% von Nichts.

Davon war wohl bei Plasbergs Baumarkt – Talk nicht die Rede. Hab´ ich mir auch nicht angeschaut, nachdem ich die Kritiken der Qualitätspresse überflogen hatte.

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