Vor 25 Jahren trat der Rundfunkstaatsvertrag in Kraft, der in den Zeiten des kalten Krieges das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den aufstrebenden Tittensendern RTL und SAT1 und den seriösen, die Grundversorgung sichernden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sichern sollte. Und heute gibt die ARD das Ende von “Gottschalk Live” in der Vorabend-Todeszone bekannt. Zwei Ereignisse, die nur scheinbar nichts mit einander nichts zu tun haben. 

Zwischen 16.00 und 20.00 Uhr tobt der wahre Wettbewerb zwischen den vermeintlich staatsfernen und den Privatsendern. Denn nur in dieser Zeit besteht wahre Konkurrenz. ARD und ZDF können in ihren “Hauptprogrammen” Werbeeinnahmen generieren.

Die Frage, ob Plasberg und Konsorten schlechte Quoten generieren, Der Sonntagsfilm unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet oder der Bericht aus Berlin einst am späten Freitagabend unter magelndem Zuspruch litt, führt nicht zu geringeren Einnahmen. Die Werbeindustrie aber wird nicht per Zwangsgebühren zur Finanzierung des ö./r. Rundfunks heran gezogen. Die Quote bestimmt den Preis der Werbung. Und deshalb musste Gottschalk wieder weg. Vor allem schnell. Weil seine sinkende Akzeptanz die Werbeeinnahmen halbiert.

Dass die Zeigefingerprogramme der öffentlich-rechtlichen vor allem gegen die schnöde Soap-Kultur unterliegen, stößt denen schon länger auf. Nachdem wenigstens das ZDF mit der SOKO-Schiene stabilisiert wurde, wollte die ARD mit den teils am eigenen Anspruch scheiternden bemüht-komödiantischen “Heiter bis Tödlich” die Quote nach oben treiben. Und Gottschalk schien dabei als zusätzliches Highlight.

Als der zu Sendungsbeginn seine Premiere beim öffentlich-rechtlichen Radio-Sender Bayern Drei einspielte, stellte sich schnell heraus, dass “Gottschalk Live” nichts anderes ist als das abgefilmte Radio-Programm von damals. Da hört die Jugend lieber Energy.

Das alles wäre ein schönes Thema für das Feuilleton. Wenn es nicht darum ginge, dass die Verantwortlichen des größten Medienkonzerns Europas wie ihr Protagonist in den Achtziger Jahren stecken geblieben sind. Sie verstehen ihre Entwicklungsgarantie des Bundesverfassungsgerichtes aus einem Urteil von 1985 als Genehmigung des intellektuellen Stillstands und erproben scheinbar innovative Programme mit aufgehübschten spätpubertären Altstars der im Internetzeitalter überflüssigen Video-Abspielkanälen wie Charlotte Roche (46), die dabei immer noch eine bessere Figur machen wie Illner, Schausten, Beckmann und Konsorten, die eben in der Medienwelt des dual-analogen Systems der Achtziger verdrahtet sind und sich als innovativ begreifen, wenn sie am Ende der Sendung ausgedruckte emails vorlesen.

Im Netzzeitalter verändern sich die Ansprüche des Nutzers an das Massenmedium radikal. Der Fernseher mit fest gelegtem Programm entwickelt sich zu einem weiteren Display, der zum Abspielen diverser Medien und Quellen dient. Nur aktuelle Events von der Spiel-Show bis zum Sportereignis ziehen den Zuschauer in Zukunft live in´s Fernsehprogramm. Serien und Spielfilme selbst Talk-Shows kann man über die Mediatheken abrufen, wenn man nicht ohnehin den Festplattenrekorder oder irgendwelche obskuren Abspielmedien sucht.

Die Haushaltsabgabe ist deshalb mehr als ein ordnungspolitisches Hindernis. Sie entzieht dem Markt wertvolle Gelder, die die Kunden sonst in andere Angebote stecken könnten. So wird Fortschritt durch Subvention verhindert und die gefährdet die Chance, dass die Kunden die 7 Mrd. € Kaufkraft, die ihnen entzogen werden, in innovative “Bezahlmodelle” im  Netz stecken.

Das Urteil des Bundesverfassungsgericht hat sich erledigt. Die technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sind heute andere. Vor diesem Hintergrund muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf die Aufgaben konzentrieren, die privat nicht zu finanzieren sind.

Der Rückbau kann ja in 10 Jahren erfolgen, in denen jeweils 10% der Mittel gekürzt werden und am Ende übrig bleibt, was andere nicht machen wollen. Das wird dann steuerfinanziert  und gut ist.

Solange kann man sich aber am Vorabend immerhin die München 7 Krimis von Franz Xaver Bogner anschauen. Die zeigen, wie der Rest hätte werden können.

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