Ich schaue Ihre Talk-Show nicht, so lange auch Sie der Augsteinpresse ein Forum bieten. Hatte das ZDF sich auf Franziska festgelegt, haben Sie nun mehr den Antisemiten Jakob eingeladen, der wie seine Halbschwester seine revisionistische und absurde These verbreiten durfte, Israel bedrohe den Iran mit Nuklearsprengköpfen und nicht umgekehrt.
Ursprünglich hatte ich mir von Ihnen, Herr Jauch mehr versprochen. Doch Sie haben die einstige Studio-Kugel von Christiane Sabinsen auf Gasometer-Niveau aufgeblasen und den Vorspann auf Stern-TV-Format umgemodelt.
Als Moderator sind Sie ein nicht begabterer Kärtchenhalter als ihr Freund Thommy Gottschalk in der Todeszone des Vorabends und sie laufen wie ihre Freunde vom ARD- und ZDF-Talk jedem noch so banalen Impuls der Erregungsdiktatur der veröffentlichten Meinung auf der Suche nach der Quote hinterher. Mit Grausen denke ich an die Christian-Wulff-Festwochen, die sie unlängst veranstalteten, bis es wirklich niemand mehr hören könnte.
Auch bei Ihren Gästen haben Sie wenig Fortüne. Erinnern Sie sich noch, als Sie der Kanzlerin in einer “One-Woman”-Show staatstragend die Stichworte zu ihrer fulminanten EURO-Rettung lieferten, statt sie darauf festzunageln, dass sie jedes Versprechen und jedes Prinzip, das sie vorher lauthals verkündet hatte, gebrochen hat.
Nun haben Sie auch noch das Grass-Thema aufgegriffen doch ihr Namensvetter kam nicht und auch dem greisen Reich-Ranicki war die Reise in Ihr Millionen teures Studio nach Schöneberg zu weit.
Augsteins kommen immer. Und haben auch zu allem was zu sagen. Die Spannweite reicht von der hohen Literatur über die neue Armut bis hin zum nahen Osten. Und man kann Gott sei dank ja abwechselnd Bruder und Schwester einladen. Sagen tun beide das gleiche. Und das nur aus der Kraft des klangvollen Namens.
Dank der Kritikflut Ihrer Sendung kann man sich ein Bild machen, ohne sie sich anzutun. Und Jakob assistiert von “Michael Lüders”, den uns Fascinating Fränzi schon bei Illner zur Lektüre anempfohlen hatte, verstieg sich glatt zu der Behauptung, Israel sei es, das den Weltfrieden gefährde.
Die Bedrohung einer iranischen Atombombe reicht weit über die Gefährdung Israels hinaus. Das habe ich ja schon beschrieben. Aber die zweifellos vorhandenen Atomwaffen Israels sind bisher dessen Lebensversicherung. Niemand kann sich letztendlich sicher sein, dass der Versuch der Vernichtung Israels, zu dem sich von Assad bis Ägypten einige hingezogen dürften, für ihn selbst böse ausgehen. Und das hat Israel bisher vor wirklichen Vernichtungsfeldzügen geschützt. Ob die Mullahs so realistisch sind, sei dahin gestellt.






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16. April 2012 at 14:36
Rayson
Also zumindest gestern hat er das nicht gesagt, sondern betont, er rede von einem Angriff mit konventionellen Waffen.
Die eigentliche Frage ist hier wieder mal, welcher Zweck mit dem freigiebigen Verteilen des Antisemitismus-Etiketts erreicht werden soll. Andere Meinungen, so falsch sie auch sein mögen, von der Diskussion auszuschließen? Das Muster, dem Augstein, Lüders und zumindest in Ansätzen wohl auch Simonis gestern folgten, ist ja kein neues, sondern uns aus den Debatten um die Nachrüstung Anfang der 80er Jahre wohlvertrautes, nämlich dass wenn der Westen sich gegen eine Bedrohung von außen zur Wehr setzt, die noch nicht in die Tat umgesetzt wurde, damit den Frieden gefährdet. Damals waren es die Pershings und Cruise Missiles, die angeblich die Kriegsgefahr erhöhten, heute sind es die nach Israel gelieferten U-Boote und die Möglichkeit eines israelischen Präventivschlags gegen die iranische Atombombe.
Diese Haltung/Meinung kann man mit einigem Recht für völlig falsch halten, aber sie taugt nicht dazu, wieder mal Antisemiten zu entlarven. Oder der Begriff wird zukünftig nur noch inflationär für alles gebraucht, was der eigenen Meinung widerspricht, was ihn dann de facto komplett entwerten würde.
Und dass in einer Diskussionssendung tatsächlich mal konträre Meinungen vertreten werden (Augstein & Co. saßen ja nicht alleine da, sondern hatten in Wofffsohn und Niebel eloquente und engagierte Gegenredner, z.T unterstützt von Degen), sollte man doch eher erwarten statt verdammen. Auch wenn man die Augen verdreht und mit den Zähnen knirscht, wenn die “anderen” mal wieder ihren Unsinn verzapfen.
Das einzig wirklich Ärgerliche an der Sendung war, dass Lüders als exklusiver “Experte” vorgestellt wurde. Was für ein Depp muss man eigentlich sein, um zu behaupten, es spräche überhaupt nichts dafür, dass der Iran die Atombombe anstrebe? Und vielleicht noch die Claque im Publikum.
16. April 2012 at 15:20
euckenserbe
1. Auch wenn der Anlass des Posts weniger in Augsteins Antisemitismus liegt. Für mich ist ein Antisemit jemand, der an Juden (oder auch Israel) einen anderen Maßstab anlegt als etwa den Iran. Wer eine Diktatur, die weltöffentlichkeitswirksam ihr eigenes Volk brandschatzt, verprügelt und ermordert. als friedfertig darstellt und den demokratischen Rechtsstaat Israel, der mit seinem nuklearen Arsenal seit Jahrzehnten verantwortungsvoll umgeht, misst mit zweierlei Maß.
2. Es mag sein, dass Augstein in der Diskussion von der Gefahr eines konventionellen Anschlags sprach, bei SPON hat er anders geschrieben:
“Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. ”
3. Natürlich ist eine Talk-Show kein politischer Diskurs sondern ein Unterhaltungsformat. Aber die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist einfach zu groß. Und Jauch ist als Moderator und die Sendung als ganzes einfach ein Flop.
16. April 2012 at 16:31
Rayson
ad 1. Das Messen mit zweierlei Maß soll ja des öfteren vorkommen, gerade in der Politik. Mir erschließt sich nicht, dass man automatisch dadurch zum Antisemiten wird, wenn man das auch mit Israel macht. Wie gesagt: Die Logik der Nachrüstungsgegner war auch schon so angelegt, und wenn wir genau hinhören, begegnet es uns in anderen Politikfeldern auch.
Es ist eben ein Kennzeichen linker Argumentation, Kritik vor allem nur am Westen zu üben (zu dem man Israel wohl zählen darf). Ich verspreche dir: Sobald Israel den USA abschwört, sich als Verbündeter Chavez anschließt (natürlich eine absurde Vorstellung) und sozialistische Experimente in den Weg leitet, würde das aufhören und der Judenstaat wäre der Liebling des linken Feuiletons. Die Empörung über die schlechte Behandlung der Palästinenser richtete sich dann gegen die, die sie selbst immer als Mittel eingesetzt hatten, also Länder wie Ägypten oder Jordanien.
Ich fand es richtig, dass Wolffsohn die persönlichen Antisemitismus-Vorwürfe gestern sehr früh aus der Debatte genommen hat (wie MRR in seinem Einspieler auch), wiewohl er anhand eigener Erfahrungen darauf hinwies, dass sich Antisemiten durch solche Aussagen ermutigt und bestätigt fühlen. Es ist ja nicht so, dass die Kritiker des Grass-Textes keine schlagenden Argumente hätten. In meinen Augen wirkt es viel überzeugender, diese klar und deutlich auszusprechen, als “Antisemit” zu rufen und eine Diskussion zum Thema damit zu torpedieren. Mit letzterem vermag man vielleicht die eigenen Reihen zu schließen, dürfte aber eher nichts zur Meinungsbildung beitragen.
ad 2. Ja, mit dem Wort “Atommacht” suggeriert er natürlich einen potenziellen Nuklearangriff. Und ebenso natürlich eiert er herum, wenn er praktisch alle deutlichen Worte aus dem Grass-Text für unpassend erklärt, aber dennoch darin eine richtige Generalaussage erkennen will. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Augstein bei SPON so eine Art linken Gegenkaspar zu Fleischhauer spielt. Ich habe in den letzten Wochen nicht eine Kolumne von ihm gelesen, die nicht von abseitigen Behauptungen und wirren Schlussfolgerungen gewimmelt hätte. Der Text zu Grass war also eher eine Fortsetzung dieses Desasters als eine singuläre Tat.
ad 3. Das kann man wohl von allen diesen Formaten behaupten. Quoten bekommen ihnen nicht.
16. April 2012 at 16:48
euckenserbe
1. Das ist meine “persönliche Antisemitismus-Definition”. Linkssein schützt davor nicht. Und wenn Jakob die schweigende Mehrheit instrumentalisiert und Fränzi von der “Israel”-Lobby spricht, kann man sich vorstellen, wie es bei Augsteins daheim zuging, wenn der Beischläfer Walser am Tisch den Schlussstrich forderte.
Ich halte Antisemitismus für eine in Deutschland weitverbreitetemeiGeisteshaltung, die hierzulande nur hinter vorgehaltener Hand praktiziert wird und wegen ihrer fehlenden öffentlichen zu Schaustellung nicht nur im Verborgenen grassiert. Wenn ich jemanden als Antisemiten bezeichne, befreit mich das nicht davon, seinen Irrtum nachzuweisen.
2.Grass und die Geschwister Augstein fabulieren gemeinschaftlich, Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden, weil das Land über Atomwaffen verfüge. Das ist das zentrale Argument, das von Grass zur Absurdität eines israelischen Erstschlags gesteigert wird. Distanzierung sieht anders aus. Was das Augsteinsche Schriftkammertum angeht, stellt sich die Frage, ob Fränzi und Jakob publizieren dürften oder gar auch noch im TV auftreten würden.
3. Das ist des Pudels (Posts) Kern. Aber Quoten sind nicht das Problem, wie man an den humorvollen Krimis aus Münster sehen kann, die am Samstag- und Sonntagabend abräumen. Das Volk ist nicht so bescheuert, wie Programmdirektoren und Redaktionen glauben.
16. April 2012 at 17:40
Rayson
ad 1.
Das mag ja sein, aber mein Problem mit deiner “persönlichen Antisemitismus-Definition” ist, dass sie ein generelles Phänomen in einer ganz bestimmten Ausprägung zu einem speziellen anderen erklärt. Das zudem, öffentlich ausgesprochen, so eine Art “Godwin” darstellt, denn wer hierzulande “Antisemitismus” sagt, weiß, dass damit unweigerlich “Auschwitz” verbunden wird. Ich halte übrigens generell auch nichts davon, in Diskussionen Aussagen über die andere Seite statt über deren Argumente zu treffen. Wir beide wissen, wo das besonders häufig praktiziert wird.
ad 3. Der Münster-Tatort hat Quoten-Erfolg, weil er das bietet, was die meisten Menschen beim Fernsehen suchen: Unterhaltung. Das versuchen die “Politik-Talkshows” auch, und da wirkt es dann leider dem Anspruch entgegen, denn für Unterhaltung braucht man KI(“kommt immer”)-Promis mit möglichst provokativen Thesen und am besten auch noch einen daraus folgenden schlagzeilenträchtigen Krawall. Und wenn, so wie gestern, das Thema nach einer halben Stunde eigentlich durch ist, versucht man, es künstlich am Leben zu erhalten. Konzentrierte Sachdebatten aber sind für die meisten Menschen ungefähr so prickelnd wie Live-Schach.
Ich fand zwei Formate davon mal gut: Maischberger bei n-tv und Plasberg im Dritten. Ersteres, weil dort zwar politische Prominenz hinging, die Szene aber durch den Verzicht auf Publikum und die Beschränkung auf maximal zwei Gäste etwas Entspannt-Intimes hatte, das den Politikern auch mal anderes als die üblichen Sprechblasen entlockte. Und letzteres, weil damals “nur” die zweite politische Garde bei ihm zu Gast war, also genau die, die – gerade unter Fast-Ausschluss der Öffentlichkeit – noch eigene Formulierungen verwenden dürfen, ohne dass eine davon am nächsten Tag zur Schlagzeile wird (und womöglich auch, weil Plasberg da noch weniger den großen Zampano gab). Das alles ging, weil n-tv und weil Drittes. Im Ersten hingegen gelten die o.g. Regeln, und man versäumt nichts, wenn man nicht zuschaut.
16. April 2012 at 18:05
euckenserbe
1. Wer “Antisemitismus” sagt, mus auch “B” sagen und seine Definition darstellen und den “Vorwurf” begründen. NIcht jeder Judenhasser ist deshalb gleich kleiner Eichmann. Es ist aber schon symptomatisch, dass sich die aufgeklärten Demokraten Augsteinscher Prominenz sich auf Machmuts Seite schlagen und voller Vorurteile sind (dass das nur für Israel und die Juden gilt, habe ich nicht behauptet.
2. Plasberg/Maischberger einverstanden. Aber auch der frühe Böhme war nicht ohne – “Rechts – Links” mit Tiedje und Schumacher hatte seinen Unternhaltungswert. Politisch ist derzeit Stuckrad Barre Late Night zu empfehlen, auch wenn er manchmal überzieht (ZDF-Mediathek) und auch Roche und Böhmermann sind nicht schlecht. Generell stellt sich bei mir eine gewisse Talk-Show-Müdigkeit ein, weil nicht nur die Talk-Master immer schlechter werden sondern auch die Gäste immer niveauloser.
17. April 2012 at 09:38
Sophist X
Nebenbei: Mir ist neu, dass Israel die Palästinenser schlecht behandelt. Ok, die Juden sperren palästinensische Attentäter und Bombenbauer ein, und die Juden schießen zurück, wenn man auf sie schießt. Sogar, wenn das auf der anderen Seite Palästinenser sind. So gesehen, sie behandeln Palästinenser tatsächlich schlecht.
Was passiert, wenn sich Israel von den USA lossagt? Da könnte man sicher viel spekulieren. Vielleicht würden sie zum Liebling der Salonkommunisten und des linken Feuilletons. Aber die Araber hätten dann auch keinen Hinderungsgrund mehr, ihre seit Jahrzehnten offen und eigentlich für jeden hörbar verkündete Agenda bezüglich Israels umzusetzen.
17. April 2012 at 13:17
Rayson
Damit, dass irgendwann ein 150%er sich auf die Formulierung “schlechte Behandlung” stürzt (was gar nicht mein Thema war und ist), habe ich ja gerechnet. Aber dass jemand mein fiktives und absurdes Szenario als Politikempfehlung missverstehen könnte, dazu fehlte es mir dann doch an Fantasie…
27. April 2012 at 20:59
Reinhardt, Michael
Alles Ansichtssache.
“Israel sich von den USA lossagen” was für ein großer, absurder Gedanke.
“Nackt unter Wölfen” wären sie dann. Sie würden sich nie von den USA lossagen, eher wohl umgedreht. Leider ist mir unbekannt, wie man auf solch einem vernünftigen Menschen wie Herrn Jauch nur so dermaßen losgehen kann. Er hat auch das Recht auf eine eigene Meinung und wird sich diese von niemandem verbieten lassen. Er ist eine der größten und angesehensten Persönlichkeiten in Deutschland und das Verhältnis zu Gottschalk soll nach Klatschpresse auch nicht mehr so sein, wie es einmal war. Wem interessiert es auch, wer welche Freunde hat. Meine Meinung ist, war und bleibt, dass Israel ein agressiver Staat ist und ZUERST MIT NUKLEAREN SPRENGKÖPFEN den Iran bedrohte. Dieses käme aber einem Suizid nahe, da der Nahe Osten sich bereits im Aufwind befindet und irgendwann doch, aus welchen Gründen auch immer, ( genügend gibt es ja leider ), sich dem Staat Israel entledigen werden. Dann haben wir da noch Russland und Putin. Ohne ihn hätte es im Iran und anderen Staaten längst gebrannt. Was er jedoch wieder in Russland veranstaltet, ist seine alleinige Sache. Auch eine Frau Merkel hat sich nicht dem Wahlkampf von Frankreich zu stecken und somit auch dort Politik machen möchte. Aber klar, der Hollande wird nicht nach ihrer Pfeife tanzen. Sarkozy und Merkel können doch nach den Bundestagswahlen heiraten. Dieses wird mit Sicherheit jedoch nicht mehr als Staatsoberhäupter geschehen. Die Menschen scheinen endlich aufgewacht zu sein und werden handeln. Alles andere wäre reiner Wahlbetrug, wie es ihn bereits gegeben hat. Nun noch einmal zu Israel. Grass hatte Recht und jeder hat das Recht auf Meinungsäußerung ohne ihn dafür zu diskriminieren. Es laufen noch Bilder vor meinen Augen, als Israelische Soldaten eine Vater, welcher sich über seinen kleinen Sohn schützend legte und beide unbeteiligten einfach so beim vorbeigehen erschossen wurden. Schindler würde sich im Grab umdrehen. Viel gelernt haben die Simitisten vom 3. Reich und sollten danach eigentlich eine völlig andere Politik verfolgen. Letztendlich haben sie ihr Land zur falschen Zeit am falschen Ort erhalten, wofür sie jedoch nichts können. Aber es war mit 3facher Bedachtheit. Neben Deutschland wären sie am besten aufgehoben gewesen und hätten auch diese unter “Kontrolle” und nicht mit Waffen bis an die Zähne bestückt, denn ein Drittel hat man Deutschland eh gestohlen und sogar verschenkt. ( Grothewohl )
Guten Abend.
M. Reinhardt aus dem Norden von der schönen Ostsee :O)