Das jedenfalls findet Ulrike Reinhardt vom WDR3 “Resonanzen”-Musikteam. Da wird nicht etwa die neue Platte der Künstlerin feulletionistisch rezensiert, ohne auch nur einen Ton davon zu spielen:

“Und was sich jetzt zeigt, ist, dass Madonna durch und durch ein Produkt des Neoliberalismus ist. Also streng Dich an, dann schaffst Du es. Und nun befindet sich aber auch der Neoliberalismus in der Krise oder viel mehr er wird kritisch hinterfragt. Insofern ist Madonna das Paradigma einer überholten Ökonomie.”

Ich hatte gerade einen Platz im nur 38 Minuten verspäteten Zug erklommen und mich darüber gefreut, ein noch nicht renoviertes Exemplar des ICE2 erwischt zu haben. Da gibt es noch Radio-Anschlüsse am Sitz und unter den angebotenen Programmen erschien mir das WDR-Kulturmagazin am erträglichsten.

Während ich meinen Subway-Salat aß, begann Reinhardt mit ihrer Rezension, die in Form eines lockeren Gesprächs mit dem Moderator stattfand, dem man seine Gestelltheit förmlich ansehen konnte. Da blieb mir der Thunfisch im Halse stecken.

“Streng Dich an, dann schaffst Du es” als alleingültige Formel einer neoliberalen Konzeption. Aha. Und die ist gescheitert. Soso. Und das kann man an der neuen CD einer amerikanischen Künstlerin erkennen.

Angestrengt hat Reinhardt sich nicht. Und nicht das einfache Strickmuster ihrer Gedankenwelt verborgen, in der ohne Anstrengung wohl Milch und Honig fließen.  Eine schöne Gelegenheit, auch noch das Hasswort “Neoliberalismus” unter zu bringen und für das nicht ausgesprochene Übel dieser Welt verantwortlich zu machen.

Dieses Statement ist Beweis für die Geisteshaltung des öffentlich-rechtlichen Journalismus, dessen zwangsgebührenfinanzierte Existenzgarantie ihn bedenkenlos selbst bei der Besprechung einer Pop-CD seine sozialistische Gedankenhaltung absondern lässt.

Dieser vermeintliche Journalismus setzt auf Penetration per Penetranz. Es ist unglaublich, mit welcher Arroganz sich dieser vermeintlich politische Mainstream der veröffentlichten Meinung breitmacht. Das zeigt sich nicht nur im Großen, etwa dem Tagesschau-Kommentar sondern auch in einer popeligen Plattenbesprechung.

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