Der Altkanzler singt in der Bild-Zeitung das hohe Lied auf ein einiges Europa. Mehr Europa sei nötig schreibt er und die Visionäre hätten schon immer über die Skeptiker gesiegt. Dabei erliegt er einer Illusion.

Das Europa, das Kohl noch bauen will, ist längst Realität. Es ist das Europa der offenen Grenzen, des freien Handels. der Niederlassungsfreiheit. Es ist ein Europa, in dem wir selbstverständlich umherreisen und gar nicht darüber nachdenken, ob wir beim Skifahren nach Südtirol nach Italien oder Österreich fahren.

Europa ist wirtschaftlicher Alltag. Die Wirtschaft des Kontinents ist so eng (auch mit dem Rest der Welt) verflochten, dass kriegerische Auseinandersetzungen gar nicht mehr denkbar sind, auch wenn der Boulevard die altbewährten Ressentiments rauspackt.

Europa und der Euro sind keine Schicksalsgemeinschaft. Merkels Angstmacherei “Scheitert der EURO, scheitert Europa” meint nur ein bürokratisches Monster, dessen Existenz sich selbst ad absurdum geführt hat und nicht das Europa der Menschen und Bürger.

Und dieses Europa ist dringend reformbedürftig. Es geht nicht um mehr Delegation auf die “europäische Ebene” sondern um die Werte des Kontinents: Um Vielfalt, die uns wohltuend von anderen Kontinenten unterscheidet, von unterschiedlichen Kulturen, die das Reisen aufregend machen. Und die lassen sich nur mit zwei Prinzipien durchsetzen: Mit Wettbewerb und Subsidarität. Wettbewerb ist das beste Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens und Subsidarität maximiert die Entscheidungsfreiheit des Bürgers bei der Gestaltung des staatlichen EURO-Rahmens. So entsteht ein dynamisches Europa und keines, das auf der Suche nach vermeintlicher Stabilität erstarrt und die Ungleichheiten zementiert, die es nivellieren will.

Dem Altkanzler kann man verzeihen, dass er so spricht. Er ist geprägt von der Erfahrung des zweiten Weltkriegs und dem kalten, der ihm folgte. Die Europäische Einigung nach dem Fall des eisernen Vorhangs ist ihm ein wirkliches Anliegen und Leitmotiv seines politischen Handelns. Seine Lebensleistung nötigt einem Respekt an.

Bei Merkel und ihresgleichen ist das anders. Ihr Mut, Europa von den Fesseln der Bürokratie zu befreien, ist nicht vorhanden. Ihr ökonomischer Sachverstand ist offensichtlich nicht mal begrenzt. Die politische Klasse ist getrieben von der Angst, die eigenen Pfründe zu verlieren. Wie auf der Landstrasse in´s Schleudern geraten, starren sie auf den Baum und lenken deshalb automatisch darauf zu,. statt die rettende Lücke zu entdecken. Der Aufprall ist so gewiss.

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