Fitch hat gerade die Griechen von CCC auf C herabgestuft. Gleichzeitig wurde Island von BB+ auf BBB- heraufgestuft. Was sagt uns dass: Wären die Griechen schon vor zwei Jahren pleite gegangen, hätten sie das Schlimmste schon hinter sich. So haben wir es vor uns.
Die Isländer haben alles anders gemacht. Banken wurden nicht gerettet. Auslandsschulden nicht beglichen. Der Standard zeigt aber auch die Unterschiede auf, die uns und vor allem den Griechen die Augen öffnen sollte:
Mit anderen Worten: Eine Katastrophe griechischen Ausmaßes. Die allerdings, wie Beobachter jetzt anmerken, von den Isländern ganz anders gelöst wurde als dies die Eurogruppe in Griechenland versucht. Allerdings sind die beiden Staatsschuldenkrisen nur bedingt vergleichbar. Denn Island hatte eine eigene Währung, deren drastische Abwertung das Land sofort wieder konkurrenzfähig machte. Und die Probleme waren ausschließlich durch die abenteuerliche Geschäftspolitik der drei großen Banken des mit 300.000 Einwohnern relativ kleinen Landes entstanden.
Die Konsequenz ist einfach: Kredite an die Griechen nur gegen Austritt aus dem Euro. So werden sie wettbewerbsfähig und wir haben kein Loch mehr im Fass.






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22. February 2012 at 16:42
Kleine Presseschau vom 22. Februar 2012 | Die Börsenblogger
[...] FdoG: Der Segen der Pleite [...]
23. February 2012 at 00:38
Karsten
Der Hauptunterschied besteht darin, dass Island keine selbstzerstörerische Sparpolitik betrieben hat. Hätten sie versucht zu zahlen wie die Griechen es tun müssen, dann wären sie heute auch am Ende.
Das Loch im Fass hätten wir übrigens auch im Falle des Austritts. Die erschreckende Politik Angela Merkels hat ja darauf hingewirkt, dass private Schulden zu öffentlichen Schulden wurden. Würde Griechenland morgen aus dem Euro austreten, dann könnte es seine Schulden, die nun zu einem erheblichen Teil von EZB und Euroländern gehalten werden, nicht mehr bedienen. Die Abwertung würde die Euroschuld noch unrückzahlbarer machen als sie es ohnehin schon ist. Deutschland hätte so mindestens 30 Milliarden EURO verloren.
23. February 2012 at 08:29
robert
hat. du glaubst doch selbst nicht, dass diese deutschen steuergelder ihren weg jemals zurückfinden werden
26. February 2012 at 03:24
Adrian
“Der Hauptunterschied besteht darin, dass Island keine selbstzerstörerische Sparpolitik betrieben hat.”
Das hört man immer wieder, leuchtet mir aber nicht ein. Seit wann sind der Staat und seine Ausgaben denn unabdingbar für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand?
Muss der Staat Steuern einnehmen und ausgeben, damit Menschen arbeiten und Wertschöpfung betreiben?
“Hätten sie versucht zu zahlen wie die Griechen es tun müssen, dann wären sie heute auch am Ende.”
Und was hat Schulden abzahlen mit Sparen zu tun?
26. February 2012 at 14:35
Rayson
Der Staat an sich ist als Institution eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand. Allerdings nicht *jeder* Staat…
Und seine Ausgaben beeinflussen, zumal wenn sie schuldenfinanziert sind, den kurzfristigen Wohlstand vieler Menschen in bedeutender Weise. Oder besser: Sie wirken als Droge, die den Menschen Wohlstand vorgaukelt, und deren radikaler Entzug alles andere als angenehme Reaktionen auslöst.
23. February 2012 at 11:14
moshe teitelbaum
Man helfe mir falls ich hier falsch liege, aber die privaten Gläubigerbanken verzichten NUR auf 53 % ???
Mit den Krediten läuft es doch so: Die Bank leiht sich bei der Zentralbank (FED/EZB) Geld. Es gelten die Gesetze des Fractional Reserve Banking, das heißt die Bank muss sich je nach nationaler rechtlicher Vorschrift nur 10% oder weniger des als Kredit zu vergebenden Betrages tatsächlich als Asset leihen. Die restlichen 90% oder mehr die die Bank als Kredit ausgibt werden aus dem Nichts geschöpft.
D.h. wenn die Banken auf 53 % verzichten, haben sie immer noch so um die 40% der fraglichen Summe aus dem Nichts geschöpft und bekommen dafür Zins und Tilgung von uns Steuerzahlern, immer noch ein glänzendes Geschäft.
Das darf man sich gar nicht erst überlegen, wie verbrecherisch und absurd dieses Konstrukt ist. Verfassungswidrig ist es allemal. Deshalb haben wir ja jetzt Gauck statt Wulff, damit das Gesetz nicht zum Verfassungsgericht geleitet wird.
Die privaten Gläubiger müssen selbstverständlich das volle Risiko für ihre Gewinnchancen tragen. Das wäre Kapitalismus.
Aber hier haben wir Sozialismus für die Banken, und Sklaverei für das Melkvieh der Steuerzahler. Die Definition der Verschmelzung von Kapital und Staatsgewalt heißt m.W. Faschismus…
Griechenland muss raus aus dem Euro und nach Konkurs neu anfangen.
23. February 2012 at 13:00
Rayson
Das “Schöpfen aus dem Nichts” ist für die Bank kein Geschäft. Sie verdient (in der Regel) immer nur am Zins. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, erfolgt das durch eine Buchung “Forderungen an Verbindlichkeiten”. Wenn sie diesen Kredit (zum Teil) abschreiben muss, geht das aber nur über das Eigenkapital (bzw. die Gewinn- und Verlustrechung). Die o.g. 53% wären also, wenn sie sich auf den Buchwert beziehen, für die Bank effektiver Verlust – ganz gleich, wie hoch die Mindestreserve ist.
Wäre es anders, würden wir über Finanz- und Schuldenkrisen erst gar nicht diskutieren.
Aber immer wieder schön,wie verbale Radikalität mit Ahnungslosigkeit in der Sache harmoniert.
23. February 2012 at 13:34
moshe teitelbaum
Die Bank leiht sich 1 Mio bei der EZB und verleiht per Computerbuchung 100 Mio als Kredit. 99 Mio. werden aus dem Nichts geschöpft. Soweit das Prinzip, richtig?
Jetzt werden nicht 100 Mio. plus Zinsen an die Bank zurückgezahlt, sondern nur 53 Mio, plus Zinsen.
Wo ist jetzt DE FACTO der Verlust bitte?
Ob Buchhaltungsregeln eine virtuelle Ausweisung als Verlust vorsehen ist dabei doch nebensächlich. Faktisch als Einlage existieren 1 Mio. zur Erinnerung…
Wo ist VOLKSwirtschafltich der Verlust entstanden, den das VOLK jetzt auszugleichen hat? Die Inflation durch Erhöhung der Geldmenge jedenfalls steht ja nicht im Verhältnis 1:1 zur geschöpften Geldmenge.
Wenn die Bank riskant operiert und Pech hat, dann halt Pech gehabt. Welcome to capitalism.
23. February 2012 at 13:44
Rayson
Was heißt “virtuell”? Die Buchhaltungsregeln bestimmen halt, ob du Gewinn machst, Geld an die Aktionäre verteilen kannst oder Pleite gehst.
Ich weiß auch nicht, was “volkswirtschaftlicher Verlust” sein soll. In dem oben skizzierten Spiel gibt es Gewinner – das sind die, die den Kredit bekommen haben (und die, deren Leistungen von dem Kredit bezahlt wurden). Und es gibt einen Verlierer: die Bank.
Ich gebe dir einen wirklich ernst gemeinten Rat: Fülle deine Wissenslücken, ob mit einem guten Lehrbuch oder auch auf seriösen Seiten im Netz, und dann diskutiere weiter.
23. February 2012 at 14:00
moshe teitelbaum
Nicht lavieren. Es wurde eine Million riskiert. Es werden statt 100 Mio. plus Zinsen “nur” 53 Mio. plus Zinsen eingenommen. Wo ist der Verlust für die Volkswirtschaft? (außer geringeren Steuereinnahmen auf die Kapitalgewinne)
Die Bank ist nicht der Verlierer. Sie macht nur weniger Gewinn (aus dem Nichts) als erwartet. Die finanziellen Luftballons werden etwas kleiner aufgeblasen.
Warum glauben Sie können es sich die Banken überhaupt leisten, auf 47% zu verzichten. Wenn das reale Verluste wären, dann sicher nicht.
23. February 2012 at 14:17
Rayson
Was soll das sein, und warum soll es einen geben? Es ist ein Verlust für die Bank. Punkt. Aus.
Warum nicht? Immer noch besser, als alles abzuschreiben (wobei ich mich an der genauen Prozentzahl nicht festklammern würde – kommt immer drauf an, worauf sie sich bezieht). Sowas kommt immer wieder mal vor.
23. February 2012 at 14:33
moshe teitelbaum
Nee, es ist eben kein Verlust für die Bank. Jedenfalls bei weitem nicht in der nominellen Höhe. Das ist das was viele nicht wissen, und deshalb ist es auch so friedlich hier in dieser Hinsicht. Wenn die Bürger wüssten wie es läuft, sähe das anders aus.
23. February 2012 at 15:05
Rayson
Na klar. Keine Ahnung zu haben, hilft bei der Aufdeckung von Verschwörungen ungemein. Was auch sonst.
23. February 2012 at 15:12
moshe teitelbaum
niedlich. was ist denn an dem was ich sage falsch?
23. February 2012 at 15:25
Rayson
Stimmt, du hast Recht. Wenn etwas falsch wäre, hätte ich dich ja darauf hingewiesen.
Und bevor es vollends surreal wird, wünsche ich dir noch alles Gute. Du brauchst es auch.
23. February 2012 at 16:38
moshe teitelbaum
Wir brauchen es alle. Surreal ist, wenn die Kälber ihre Schlächter lieben, mein Freund. Frohes Schlachtfest.
24. February 2012 at 01:30
Karsten
Rayson hat recht. Die Bank ist angearscht, weil sie ihre Verbindlichkeit bei der Zentralbank nicht begleichen kann. Effektiv hat sie – sofern sie nach amerikanischen Bilanzierungsregeln vorgeht – diesen Verlust aber schon einkalkuliert, da griechische Staatsanleihen auf den Märkten natürlich nicht mehr zu den Ausgabepreisen gehandelt werden. Der Verlust ist zwar effektiv entstanden, ist so aber bereits in den Büchern der Bank aufgetaucht, bevor der Haircut beschlossen wurde. Wenn die Bank aufgrund des Handelswerts die Anleihen nun niedriger notiert hat als mit ‘nur’ 53% Abschlag, dann könnte sie nun sogar Gewinn machen (gegenüber ihrer Verlustposition zum Ausgabewert) – zumindest, wenn auf den Märkten das Vertrauen steigt, dass Griechenland tatsächlich in der Lage ist, die 47% des Ausgabewerts zurückzuzahlen. Ich gehe allerdings davon aus, dass der Haircut keinesfalls ausreicht. D.h. bei langfristigen Anleihen kommt es am Ende nicht mal zur Rückzahlung jener 47%.
24. February 2012 at 09:34
moshe teitelbaum
Welche Verbindlichkeit hat die Bank denn genau bei der Zentralbank?
Wieviel Prozent eines auszugebenden Kredites muss sich die Bank bei der Zentralbank leihen, wenn sie mal angenommen keinen cent eigenes Kapital einsetzen will? Wissen Sie’s?
26. February 2012 at 21:37
moshe teitelbaum
Und schon war Ruhe im Karton. LOL. Das wusste der selbsternannte Experte Karsten nicht…
23. February 2012 at 12:16
moshe teitelbaum
http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestreserve
Es ist noch schlimmer als ich dachte, die EZB fordert nur 1% Mindestreserve von den Geschäftsbanken.
Hammer, das Zitat “Was ist der Überfall einer Bank gegen die Gründung einer Bank” bekommt da leider dringende Aktualität.
Dieses 1% würde ich als Steuerzahler den Gläubigerbanken Griechenlands zugestehen, keinen cent mehr, das wäre staatlich subventionierte Enteignung des Steuerzahlers.
24. February 2012 at 01:34
Karsten
Die Banken machen Wahnsinnsgewinne. Klar. Jedenfalls solange sie ihr Geld für die Staatsanleihen zurückbekommen. Allerdings gilt das nicht nur für jetzt, sondern für die gesamte Zeit extrem niedriger Zentralbankzinssätze. Diese werden ja gerade so niedrig gehalten, um die Wirtschaft durch Kreditvergabe anzukurbeln. Ohne diese Niedrigzinssätze und die Möglichkeit die Risiken in lustige Derivate zu verpacken und weiterzuverticken, hätte s die Subprimekrise nicht gegeben.
Im Augenblick stehen wir allerdings vor dem Dilemma, dass ein Anziehen der Zinssätze einen noch stärken Einbruch der Wirtschaft zur Folge hätte. Draghi hat mit seiner Geldschwemme eine akute Kreditklemme vermieden. Mittelfristig sollte allerdings zu höheren Zinssätzen zurückgegangen werden – eben um Blasenbildung durch Billigkredite zu verhindern.
15. March 2012 at 17:42
Was macht eine Ratingagentur? – Eine bloginterne Antwort | INSM Blog
[...] Etwas ausführlicher beschreibt ein anderer Blogger, euckenserbe, dieses Thema unter dem Titel „Rating kommt übrigens nicht von Raten“. Und er hat auch erhebliche Zweifel daran, ob die beschriebene Politik wirklich zu Griechenlands Bestem ist. Stattdessen spricht er vom „Segen der Pleite“. [...]