Alle Jahre wieder kommen die Faschisten nach Dresden, ziehen grölend durch die Stadt, bedrohen Journalisten und Andersdenkende, greifen Polizisten an und hinterlassen braune Propaganda. So auch diesen Samstag, selbst wenn die Nachrichten melden, dass der Naziaufmarsch diesmal ausgeblieben ist. 

Die Rede ist hier freilich nicht von den klassischen Nazis sondern von ihren roten Spiegelbildern, den Autonomen. Denn auch wenn am Samstag ein Großteil der ca. 6.000 Demonstranten friedlich von ihrem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch machte, so liefen trotzdem ganze Blöcke von schätzungsweise 300-500 gewaltbereiten Linksradikalen mit – alle vermummt und manchmal sogar mit Latten oder Schlagstöcken bewaffnet. Die über tausend Polizisten, die den Demonstrationszug sicherten, schien das nicht sonderlich zu interessieren.

Autonome in Dresden, 18. Februar 2012

Diese Schlägerbanden geben sich gerne als „Antifa“ aus. Tatsächlich unterscheiden sie sich weder optisch noch im Auftreten von ihren rechten Feinden – genauso wenig wie in Sachen Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus. Ein Flugblatt der Revolutionären Kommunisten BRD, das am vergangenen Samstag im Umfeld der Demonstration gegen die Naziaufmärsche verteilt wurde, bezeichnet den Staat Israel als „nach dem Holocaust das Schlimmste, was den jüdischen Menschen passiert ist“.  So etwas käme bei den Kameraden von der NPD sicher auch gut an.

Unter anderem bedrohten die selbsternannten „Antifaschisten“ anwesende Fotografen massiv, so dass viele ihre Arbeit nur im Schutz der Polizeikolonnen ausüben konnten. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Demo eine Umwidmung erfuhr, nachdem klar wurde, dass die Nazis am 18. Februar zu Hause bleiben würden. Jetzt richtete sich der Umzug unter anderem gegen „Repression“ – auch vor diesem Hintergrund war das Auftreten der Autonomen ein Schlag ins Gesicht jedes demokratischen Demonstrationsteilnehmers.

Von der Polizei war allerdings keine Kritik zu hören: Sie lobte das Bündnis „Dresden nazifrei“ sogar ausdrücklich dafür, dass die Demo friedlich blieb, was  als großzügige Interpretation des eigenen Polizeiberichts gelten kann. Das ist allerdings nicht verwunderlich, denn die Beamten zeigten sich bei der Verfolgung von Gewalttaten im Umfeld der Demo ausnehmend unmotiviert. Ruhe ist angesichts der Diskussionen um das Versagen ostdeutscher Sicherheitsbehörden hinsichtlich der NSU-Morde und des Skandals um die Speicherung der Handydaten von Demonstranten letztes Jahr offenbar die erste Polizistenpflicht. Deswegen wurde am Samstag gezielt in die andere Richtung geschaut, wenn Chaoten Berichterstatter bedrohten oder Cafes stürmten. Deeskalation war augenscheinlich wichtiger als der Schutz friedlicher Bürger.

Aber nicht nur die Polizei schaute weg, sondern auch die SPD, die Grünen, die Gewerkschaften und all die anderen seriösen Gruppierungen und Organisationen, die den Aufzug dominierten und denen es zum wiederholten Mal nicht gelungen ist, gewaltbereite Mitläufer auszuschließen. Es wird aber auch gar nicht versucht. Bereits vor einem Jahr wurde die Schreiberin dieser Zeilen Zeuge, wie in einem Dresdner Vorort von Autonomen Gärten verwüstet und sogar ein Auto angezündet wurde. Aber weder Wolfgang Thierse und Christian Ströbele noch führende Gewerkschaftsfunktionäre und Kirchenvertreter, die lautstark Solidarität mit den Blockierern übten und sich publikumswirksam im Glanz des vermeintlichen antifaschistischen Widerstandes sonnten, haben sich meines Wissens nach von diesen Vorfällen distanziert.

So schön es ist, dass der “Trauermarsch” durch Dresden 2012 ausblieb, so problematisch ist das Bündnis friedlicher Aktivisten mit gewaltbereiten Linksradikalen. Demokratische  Antifaschisten sollten sich jetzt darum kümmern, die eigenen Reihen nazifrei zu machen. No Pasarán! gilt auch für die Gewalttäter vom schwarzen Block.

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