Im Politikbetrieb gibt es Dienstleister, die eigentlich keiner braucht. Sie stellen Kontakt zwischen Prominenten her, die sich ohnehin kennen. Und veranstalten Parties, die auch ohne sie stattfänden. Dafür bleiben sie, denen, die ihnen ihre Insignien der Macht verleihen, keinen Gefallen schuldig. Moritz Hunzinger war so einer. Und auch Manfred Schmidt, der jetzt wegen eines “Nord-Süd-Dialogs” ins Gerede kommt.

Dass nicht nur der ehemalige Wulff-Sprecher auf Schmidts Kosten in dessen “Finca” kostenlos Urlaub machte, ist allseits bekannt. Und Wulff war nicht der einzige Ministerpräsident, der die Dienste des Medienmanagers in Anspruch nahm. Viele staatsnahe Unternehmen erhielten Anrufe aus den Staatskanzleien dieser Welt mit der Bitte, dieses oder jene Event mit einer Sponsoring-Leistung zu unterstützen oder gar gleich ganz zu bezahlen.

Das Asset solcher Geschäftemacher liegt aber bestenfalls in einer gut geführten Adress-Datenbank, die nachzubauen die Sekretärinnen einer Staatskanzlei ein paar Tage gekostet hätte. Die Ausstattung eines Flughafenhangars und die Organisation des Caterings sind Alltagsgeschäft für die Protokollabteilung. Und wenn die Ministerpräsidenten Wulff und Oettinger oder Seehofer und Rüttgers einladen, kommt die Prominenz auch ohne den Lettershop von Manfred Schmidt. Wenn allerdings Ulla – Sixt – Schmidts sechzigster anfällt oder die Wahl des Bundespräsidenten gefeiert werden muss, stellt Schmidt sein für diese Zwecke vorgehaltene “Residenz” am Brandenburger Tor gerne zur Verfügung. So wie der weniger bekannte ex-IG-Metall-Manager Detlef Prinz in seinem für diese Zwecke vorgehaltenen Salon am Gendarmenmarkt einst für die Party des frisch inthronisierten rot-grünen Kabinetts zur Verfügung stellte und im Anschluss das ein oder andere Geschäft über Frank-Walter Steinmeier abwickelte, zu dessen ständiger Begleitung er bei zahlreichen Auslandsreisen gehörte.

Leute wie Prinz, Schmidt und Moritz Hunzinger gehören zum Inventar der Berliner Republik, obwohl man sie abseits der für den Politiker kostenlosen Dienstleistungen und Urlaubseinladungen gar nicht braucht. Hunzinger allerdings trieb es zu doll. Er kaufte für ein Redesign des heutigen Präsidenten des Bundes der deutschen Radfahrer nicht nur die Anzüge sondern auch noch die Socken, machte ihn mit einer angeheirateten Gräfin bekannt, die ihn dann auch noch ehelicht. Hunzinger borgte auch dem wegen einer Steuerschuld klammen Cem Özdemir kurzerhand ein paar tausend Euro, die dem kurzzeitig den Aufstieg an die Parteispitze verstellte. Als das auffiel, war der PR-Experte in eigener Sache  zu ungeschickt und präsentierte Selbstbewusstsein, wo ihm ein wenig Demut den Job gerettet hätte.

Schmidt und Prinz wissen wahrscheinlich zu viel über die vielen Gefallen, die sie sich jedenfalls nicht vom politischen Establishment bezahlen ließen, so dass ihr Geschäftsmodell vielleicht nach einer kleiner Anstandspause weiter funktionieren wird. Schließlich sind nicht nur Politiker, Unternehmer und A-  und B-Promis unter ihren Gästen.  Sondern auch jede Menge einflussreiche Journalisten, was die aktuelle Beißhemmung erklärt. Den gemeinsamen Konsens verlässt auch der Redakteur recht selten und wer weiß, wer alles etwa auf Ullas oder Wulffs Gästeliste stand.

Putin war übrigens auch mal Resident in Dresden. Für den KGB. Denn ein Resident ist der für einen im Ausland tätigen leitenden Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes.

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