Es gehört bei Liberalen mitunter zum guten Ton, sich über die Dummheit von Politikern und ihre Ignoranz gegenüber Marktgesetzen zu beklagen. Doch Elmar Brok, Mitglied der CDU und des europäischen Parlaments, hat gerade in der Welt eindrucksvoll klargestellt, daß er das kleine Einmaleins der Marktwirtschaft sehr wohl beherrscht.

„Die [Ratingagenturen] bekommen ihr Geld von der Finanzwirtschaft. Von den Staaten bekommen sie nichts. Sie sind also von der Finanzwirtschaft abhängig. Folglich bewerten sie die Bonität der Staaten nach den Interessenlagen der Finanzindustrie.“

Potzblitz! Dienstleister der Finanzwirtschaft erfüllen mitunter deren Informationsbedürfnisse, indem sie die Zahlungsfähigkeit potentieller Schuldner abschätzen. Burgerbratereien würzen ihre Produkte so, daß sie Anklang bei der Kundschaft finden und kürzlich hat ein Maler meinen Flur nach meinen Wünschen gestrichen! (Daß das letztgenannte Beispiel leider nicht das allertypischste ist, steht auf einem anderen Blatt und soll hier nicht weiter beachtet werden.)

Seltsam nur, daß dieser einfache und wunderbare Zusammenhang sich bei Brok eher wie ein Bedrohungsszenario ausnimmt. In düsteren Farben und mit mehr als dezenten verschwörungstheoretischen Anklängen malt er einen Währungskrieg an die Wand, der ganz besonders grausam ist, weil Investoren so viel Geld wie möglich verdienen wollen.

Abgesehen davon, daß hier anstelle des Wortes „Krieg“ vielleicht eher „Wettbewerb“ oder „Konkurrenz“ angebracht sind, gehört zum kleinen Einmaleins der Marktwirtschaft doch auch das Ideal, daß der Bessere gewinnen möge. Diese Einsicht sucht man allerdings bei Brok vergeblich.

Lieber Herr Brok, es steht niemandem zu, Ihnen in Ihre persönlichen Lebensentscheidungen hereinzureden. Wenn Sie gern mittelmäßig bis schlecht Essen gehen – bitteschön. Und daß Sie auch bei Ihren Mitarbeitern Wert auf die Abwesenheit von Spitzenqualität legen, wollen wir Ihnen einfach glauben. Aber seien Sie bitte im Gegenzug so fair und nörgeln Sie nicht rum, wenn andere Menschen im Austausch für eigene gute Arbeit Wert auf eine entsprechende Gegenleistung legen. Oder ist eine solche Haltung für Sie zu vernünftig?


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