Elmar Brok wähnt hinter dem Downgrading einzelner EU-Staaten und des “EFSF” eine amerikanischen Währungskriegserklärung. Und Guido Westerwelle möchte eine europäische Rating-Agentur im Stile der Stiftung Warentest, die vermeintlich staatsfern ist, sich aber tatsächlich aus dessen Haushaltsmitteln finanziert. Was nur soll die aber anderes feststellen, als S&P, Fitch und Konsorten? Dass es sich bei den Griechen in Wahrheit um ein properes Völkchen mit ausgeglichenem Haushalt handelt und die Italiener über ein Staatswesen erster Güte verfügen mit einer Steuerverwaltung, die vollständig auf Zack ist und jeden Sünder konsequent ahndet? Dass die französichen Banken kerngesund sind und Mindestlohn und 35-Stunden Woche bei unseren Nachbarn ein zweistelliges Wachstum ausgelöst haben? Wohl kaum. 

Wenn überhaupt Rating etwas mit Raten zu tun hat, dann mit denen, die entsprechenden schlecht bewerteten Staaten genau aus dem Grunde, der zur Bewertung geführt hat,  selbige nicht mehr bezahlen können. Denn genaugenommen sind Rating-Agenturen nichts anderes als Scoring-Unternehmen, die Creditreform oder die Schufa.

Und die wenden natürlich die gleichen statistischen Methoden an, um die Bonität von Banken, Großunternehmen und ganzen Staaten zu überprüfen. Auch wenn sie von den Unternehmen dafür bezahlt werden, ist ihr Urteil doch so unerbittlich wie das des Technischen Überwachungsvereins, denn der Autobesitzer für die alle zwei Jahre fällige Hauptuntersuchung auch bezahlen muss.

Rating-Agenturen sind auch nicht interessengeleitet von Wall-Street oder der Londoner City. Denn sie haben genauso viele zahlende Kunden in Tokyo, Frankfurt, Singapur, Sydney oder Shanghai.

Eine “Stiftung Staatentest” kann gar nicht zu einem anderen Ergebnis kommen als S&P, Fitch und Moodys. Und das ist ganz einfach zu erklären: Wären die EURO-Staaten Kapitalgesellschaften, der Weg zum Konkursrichter wäre schon lange fällig. Es ist nicht ganz klar, ob die Staaten der EURO-Zone sechs oder acht Billionen Euro Schulden haben. Wenn jeder für alles haftet, und soweit sind wir letztlich schon, muss jeder für sich in der Lage sein, sechs oder acht Billionen (auf eine mehr oder weniger kommts gar nicht an) Euro Schulden zurück zu zahlen. Alleine. Wenn die Rating-Agenturen mal einpreisen, dass Deutschland  das alleine können muss, ist es mit dem Tripple-A auch schon vorbei.

Das Ausfallrisiko ist nichts anderes als ein Durchschnittswert: Durch die Garantie sinkt das Risiko des geretteten Staates aber das des Retters steigt. Wenn alle gemeinsam im sinkenden Boot sitzen, bleibt die Menge des Wassers halt einfach gleich.

Deshalb ist das Rating auch nicht, wie Clemens Wergin glaubt, Ausdruck des Scheiterns der deutschen Forderung nach Konsolidierung, sondern Abbild eines Status quo, der die Lage der Retter verschlechtert und nicht der Ertrinkenden, die einen in die Tiefe reißen, weil man nicht die richtigen Griffe kennt, um die Solidarität auszuleben.

Was noch mehr verwundert sind die allseits zu hörenden Verschwörungstheorien und Forderungen nach europäischen Ratingagenturen. Nicht der Bote ist schuld an der Botschaft, nicht das Fieberthermometer an der Temperatur.

In der jetzigen Situation hilft dem Kontinent keine Schmerztherapie, kein Zeitkaufen und kein Herumdoktern an den Symptomen. Es geht um eine Operation, die hart und schmerzhaft ist. Um tiefe Schnitte und eine Totaloperation. Wir müssen die überzählige Geldmenge stilllegen. Das geht nur mit höheren Zinsen. Die Banken und Unternehmen dürfen nur Gewinne ausweisen, die sie auch real gemacht haben: Das Fair Value Prinzip muss durch die vorsichtige Buchhaltung und das Mindestwertprinzip ersetzt werden. Der EURO müsste um 20% abgewertet werden, das erleichtert nicht nur den Export von französischem Wein und griechischen Oliven ausserhalb des EURO-Raums. Sondern macht auch noch für alle nicht EURO-Bürger den Urlaub in Italien und Spanien wieder attraktiver. Und zuguterletzt brauchen wir endlich ein einfaches Steuersystem mit niedrigen und gerechten Sätzen und ohne Ausnahmebereiche.

About these ads