Nun heißt es, der durch eine Immobilie besicherte Kredit des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Wulff durch die öffentlich-rechtliche LBBW-Tochter, die seinerzeit von seinem Parteifreund Oettinger kontrolliert worden ist, sei zustande gekommen, weil Wulff bei der Porsche-Rettung mitgeholfen habe. Der Verdacht ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Und falsch ist er auch. Wulff und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech waren es, die Porsche in die Bredouille brachten. Und das wäre ein Rücktrittsgrund. 

Die Geschichte in Kurzform: Der VW-Konzern verdankt seine Existenz dem “Kraft durch Freude Wagen”, den die NSDAP einst beim genialen Konstrukteur Ferdinand Porsche in Auftrag gab und der seine Entwicklung zum unverwüstlichen VW-Käfer bei der deutschen Reichswehr als Kübelwagen auf den Steppen Russlands und den Wüsten Afrikas erfuhr. 

Weil das Städtchen Fallersleben ein wenig zu weit westlich von der Demarkationslinie zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone lag, wurde die Fabrik nicht demontiert und gen Russland geschickt und der Käfer wurde zum Inbegriff des deutschen Wirtschaftswunders. Und Fallersleben wurde zum Vorort der Retortenstadt Wolfsburg.

Der Staatskonzern Volkswagen wurde an die Börse gebracht nur 10% behielt das Land Niedersachsen. Das extra dafür erlassene VW-Gesetz sicherte dem Land allerdings eine Sperrminorität von 25%, was dem Landesvater gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat eine Mehrheit sichert. Die erhalten dafür auch in Krisenzeiten einen höheren Tariflohn als ihre Kollegen beim Tochterunternehmen Audi, das dafür viel profitabler arbeitet und die in den Neunziger Jahren anfallenden Verluste des Wolfsburger Konzerns mit den hohen Audi-Gewinnen subventionierten. Von den Konzernmitarbeitern in Spanien und der Slowakei wollen wir hier auch gar nicht erst reden.

Würde das Land die Unternehmensbeteiligung verkaufen, wäre Niedersachsen wohl saniert und hätte keine Schulden mehr. Umgekehrt reichen die Gewinne nicht aus, um die Zinsen für den Landeshaushalt zu finanzieren.

Irgendwann kam die EU-Kommission auf die Idee, das VW-Gesetz zu kassieren. Und die Firma Porsche, die ein gewisser Wendelin Wiedeking nicht nur aus der Pleite geführt sondern zum profitablsten Autohersteller der Welt gemacht hatte, kam auf die Idee, den VW-Konzern zu kaufen.

Die Geschichte beider Unternehmen ist eng verwoben. Die Familie Porsche baute  mit dem 356 und 911 nicht nur den schnelleren Käfer (gleiches Konstruktionsprinzip) sondern war und ist auch der größte VW-Händler auf der Welt: Sie sind exklusiver Importeur auf dem Balkan und in Österreich.

VW bekam die weitsichtige Kontrolle durch das Land Niedersachsen weniger gut. Ende der Sechziger war man das erste mal pleite, weil der Käfer nicht mehr konkurrenzfähig war.  Anfang der Neunziger ein zweites Mal. Der Konzern war zu schwerfällig und wenig innovativ. Während man sich mit dem Bau von Kompaktlimousinen beschäftigte, erfand die Konkurrenz Minivans und SUVs. Als Ferdinand Piech, der aus der spießigen DKW-Nachfolgemarke Audi “Fortschritt durch Technik” gemacht hatte, in Wolfsburg antrat, war nach seinen Angaben die Zahlungsunfähigkeit nur Wochen entfernt. Ein gewisser Peter Hartz wurde engagiert und weil aufgrund SPD-Regierung und Mitbestimmung Entlassungen nicht möglich waren, erfand der Mann gleich zwei Innovationen. Die Bestechung des Betriebsrates und die Kostenübernahme für deren sexuellen Bedürfnisse. Und die Verteilung der wenigen vorhandenen Arbeit auf die vorhandenen Köpfe bei gleichzeitiger Einkommenskürzung. Und Piech sorgte dafür, dass irgendwann auch ein Coupe, ein Geländewagen und sogar ein eigener Mini-Van gebaut wurde.

Piechs Mutter war eine geborene Porsche und so schien die Idee, VW zu kaufen, auch in seinem Interesse zu liegen. Bis er merkte, dass er dann nicht mehr Aufsichtsratschef sein würde sondern mit seinen Vettern vom Porsche-Clan die Macht teilen müsste. Und denen war er aus gemeinsamen Zeiten beim Stuttgarter Unternehmen so in Abneigung zugetan, dass man Anfang der Siebziger beschloss, dass kein Familienmitglied mehr im operativen Geschäft tätig sein dürfe.

Piech blieb als einziger in der Industrie und  schuf bei AUDI den Fünfzylinder-Motor und den Allrad-Antrieb für Limousinen. VW sanierte er mit Hilfe des Spaniers Lopez, der Logistik und Einkauf mit Brachialgewalt auf Branchenstandard brachte. Und der Ingenieur Piech kaufte sich mit Lamborgini, Bugatti und Bentley allerlei Marken zusammen, die so recht nicht in das Portfolio des Konzerns passten.

Wiedekings Plan war ganz einfach: Auf Kredit mehr als 75% der VW-Aktien kaufen und im Anschluss mit der mittlerweile gefüllten Unternehmenskasse finanzieren. Im Anschluss wäre auch in Wolfsburg kein Stein auf dem anderen geblieben und alleine die Drohung des Einstiegs und der zwischenzeitliche Wegfall des VW-Gesetzes führten zu einem Rationalisierungs- und Innovationsexzess.

Neben Piech gab es plötzlich einen zweiten Verlierer. Und der hieß Christian Wulff. Der konnte nicht mehr damit protzen, dass er Arbeitsplätze in Wolfsburg, Kassel (liegt an der Landesgrenze), Hannover und Emden garantierte. Und tat sich mit den Betriebsräten und Piech zusammen. Die Übernahme war gescheitert und Porsche hatte ein Problem. Und mit Porsche auch die Landesbank Baden-Württemberg, die den Deal mit finanziert hatte. Und schuld daran war Wulff, der die Schwaben in die Knie gezwungen hatte.

Zuguterletzt übernahm VW Porsche und die LBBW dürfte mit einem blauen Auge davon gekommen sein. Dass sie dem Landesvater im Anschluss für die großzügige Behandlung einen handelsüblichen Geldmarktkredit mit Besicherung einer spießigen Immobilie gewährte, dürfte eine SPON-Vermutung aus dem Reich des Absurden sein.

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