Es gab Zeiten, da gab es nicht nur im Osten Europas Diktaturen. Sondern auch in Spanien, Portugal und Griechenland. Und das war noch in den siebzigern so.  Franco war noch mit Hilfe der nationalsozialistischen Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg in den Dreißigern an die Macht gekommen und hatte in den Siebzigern den spanischen Kronprinzen Juan Carlos zu seinem Nachfolger aufgebaut. Der verriet den toten Diktator und stellte sich in den Dienst von Freiheit und Demokratie. Als der Rechtstaat auf des Messers Scheide stand und Obristen das Parlament gestürmt hatten, zog der Mann sich die Uniform an und befahl die Truppen zurück in die Kasernen. Zum Dank fristet er nun sein Dasein in den Gazetten der Yellow Press und muss sich mit einem betrügerischen Schwiegersohn herumschlagen. Noch eine Schande für Europa. 

Ich bin kein Anhänger der Monarchie. Ihre Wirkung als Wirtschaftsfaktor erkenne ich allerdings  vorbehaltlos an. Und wer im Palast wohnt, muss nicht ein spießiges 150 qm Vier-Zimmer-PseudoBacksteinhaus in Großburgwedel (nomen est omen) von Freunden der Familien oder öffentlich-rechtlichen Banken finanzieren lassen, die gerade von den Landesparlamenten gerettet worden sind, in denen die eigenen Parteifreunde die Mehrheit haben.

Die Engländer haben eine Königin, die seit mehr als sechzig Jahren zu wöchentlichen Gesprächen den Premierminister empfängt. Der erste hieß Churchill. Was für ein Leben.

Zugegeben, ihr Sohn soll mit Pflanzen sprechen. Die Ex-Schwiegetochter kam unter merkwürdigen Umständen in einem Pariser Tunnel ums Leben. Und der Enkel küsst als Nachfolger des Thronfolgers die Braut mit 0,7 Sekunden viel zu kurz.

Das alles stärkt das Brutto-Sozialprodukt. Selbst die Operettenmonarchie der Monegassen spült mit jeder popeligen Fürstenhochzeit Geld in die Kassen von Satellitenbetreibern und TV-Firmen. Und selbst Sebastian Vettel führt sich geehrt, wenn der amtierende Regent ihm, wie jedem anderen Sieger des Formel 1 Grand – Prix von Monaco mit den Worten gratuliert: “Es freut mich, dass ausgerechnet Sie gewonnen haben. “

Derzeit befindet sich die spanische Monarchie in einer Krise. Der König ist alt und krank. Sein Sohn steif und farblos. Die Schwiegertochter magersüchtig und der Schwiegersohn ein Betrüger.

Aber das hat der alte Mann nicht verdient. Anders als die anderen gekrönten Häupter, die seit Jahrzehnten von ihrer Operetten-Apernage leben, hat der spanische König nicht nur einmal Rückrat bewiesen, das ich mir nicht notwendigerweise zutrauen würde. Er hat ein Land aus der Diktatur geführt und die junge Demokratie unter Einsatz des eigenen Lebens vor den Putschisten bewahrt. Als er in jener Nacht uniformiert vor die TV-Kameras trat, setzte er sein Leben aufs Spiel. Für die Freiheit seines Volkes. Wer kann das von sich behaupten. Für den Geschmack seiner Töchter kann er nichts.

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