Die Sozialstaatsindustrie hat ihre Propagandamaschine rund um Weihnachten wieder auf Höchstdrehzahl gebracht. Dabei werden althergebrachte Un- oder Halbwahrheiten hübsch aufbereitet und finden zum ungezählten Mal den Weg auf die Titelseiten, in die Rundfunk- und Fernsehnachrichten und an die Spitze der Online-Seiten. Nun also  der Vorwurf: Die Regierung schummelt bei der Statistik der Altersarbeitslosigkeit, weil die Alten immer früher in Rente gehen, droht ihnen Armut, Schuld sind natürlich die Hartz-Gesetze und die “Rente mit 67″.  Doch an dieser Propaganda ist nichts richtig. Das stellt sogar die gewerkschaftseigene Heinz-Böckler-Stiftung bereits 2008 fest.

Grundsätzlich gilt: Immer mehr ältere Menschen arbeiten immer länger und immer weniger beziehen Renten. Die Erwerbstätigenquote aller in Deutschland registrierten Einwohner über 50 Jahren ist seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen. Am höchsten war der Anstieg bei den über 60-Jährigen. Waren 2000 noch rund 20% der 60-64 Jährigen beschäftigt, so sind es 2009 bereits 38,4%. Das ist eine satte Verdoppelung. Im Europa-Vergleich erreicht die Quote der 55-65-Jährigen mit 56,2% einen laut Bundesagentur für Arbeit besonders ohen Wert. Lediglich die Schweden weisen mit 70% einen wesentlich höheren Wert.

Ein Grund dürfte allerdings nicht im Alter liegen. Sondern darin, dass in dieser Altersgruppe die stille Reserve noch ins Gewicht fällt: Das sind etwa Frauen, die sich nicht arbeitslos melden, weil sie nach der Kindererziehung keine Chance sehen, einen Job zu bekommen.

Nun wird der Eindruck erweckt, die rund 100.000 Hartz IV Empfänger, die nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt werden, würden von der Regierung quasi versteckt, um die Rente mit 67 nicht zu gefährden.

Nachdem nun fast 500.000 Menschen zwischen 60-65 mehr arbeiten als vor 10 Jahren, ist diese Behauptung mehr als verwegen. Tatsächlich wurden bis zum 1.1.2008 rund 400.000 Menschen nicht in der Statistik, geführt. Die bekamen aber auch nicht Hartz IV sondern mussten nur von sich aus erklären, das sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden und erhielten bis zum Genuss einer abschlagsfreien Rente Arbeitslosengeld II. Norbert Blüm seis gedankt, der auf diesem Wege die Arbeitsplätze der älteren Generation für die jüngere frei machen wollte. Natürlich unter kräftigem Beifall von Gewerkschaften und Sozialdemokratie, denen die Regelung allenfalls nicht weit genug ging, weil zwischen 55 – 58 die Abfindung für die Finanzierung des Lebensunterhalts herhalten musste. Auch die Arbeitgeber – insbesondere in der seit den Achtzigern schrumpfenden Schwerindustrie – kam das gelegen, weil es die Kosten für den mit dem Betriebsrat auszuhandelnden Sozialplans auf Kosten der Sozialversicherung senkte.

Die Regierung beschloss also genau genommen, 300.000 Erwerbsfähige mehr in die Statistik aufzunehmen als vor dem Beschluss Rechtslage war. Übrigens ist auch die Steigerung derjenigen, die früher gegen einen Abschlag in Rente gehen, eine Folge dieses rein statistischen Effekts. Statt ihren Lebensunterhalt von der Arbeitslosenversicherung zu bezuschussen, müssen sie nun verzichten.

Das alles ist schön übersichtlich in einer Broschüre der Bundesagentur für Arbeit “Ältere am Arbeitsmarkt” zusammengefasst und in Sekundenschnelle zu googlen. Daran ist aber eines bemerkenswert. Warum rührt sich kein Wissenschaftler und erklärt die Meldung für das was sie ist, reinen Humbug. Und wie qualifiziert sind die Copy and Paste Spezialisten in den Redaktionsstuben, dass sie so  eine Meldung überhaupt verarbeiten. Multiples Organversagen.

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