Vor einigen Tagen war den Qualitätsmedien Unerhörtes zu entnehmen: In der CDU hat sich unter dem Namen „Berliner Kreis“ eine Gruppe zusammengefunden, die in der Partei konservative Werte hochhalten will. Das Entsetzen unter Muttis Besten war groß: Konservative in der CDU? Ja wo kommen wir denn da hin! Umgehend hagelte es Kritik von den Geschlossenheitsfetischisten und bei der roten Schwesterpartei  ging vor lauter Schreck sogar der Fascho-Alarm an. Dass auch Eurorettungsverweigerer Bosbach beim Berliner Kreis mitmischt macht die Sache noch verdächtiger. Vorsichtshalber distanzieren sich viele CDUler umgehend vom Dissidenten-Grüppchen – man will ja noch Karriere machen.

Was den wackeren Konservativen widerfahren ist, dass kennen andere „Abweichler“ schon zu genüge. In der FDP wurden Frank Schäffler und seine Unterstützer als „Europafeinde“ und „Nationalisten“ verunglimpft weil sie sich erdreisteten, erzliberale und libertäre Standpunkte zu vertreten. Und solche schließen nun mal die Mitwirkung an einem rechtswidrigen Rettungsschirm für hoffnungslos verschuldete Kleptokratien ebenso aus wie innige Begeisterung für die undemokratische EU-Kratur im bürgerfernen Brüssel.

Libertäre und kritische Konservative haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, außer dass sie bei der totalen Sozialdemokratisierung und nachhaltigen Begrünung sämtlicher Politikbereiche nicht mitziehen wollen. Vor allem dem Marschbefehl in einen europäischen Superstaat, einer Herzensangelegenheit größenwahnsinniger Etatisten jeglicher Couleur, verweigern sich beide Seiten standhaft. Und so kommt es, dass echte Konservative in der CDU in etwa so gerne gesehen sind wie wahrhaft liberale Politiker in der FDP. Da bleibt mir nur noch mich selbst zu zitieren: Erst wenn der letzte Konservative mundtot gemacht und der letzte Liberale ausgewandert ist werdet ihre feststellen, dass Demokratie so nicht funktionieren kann.

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