Die Strategie des politischen Mainstreams ist ob beim Klimaschutz noch beim Rettungsschirm immer gleich: Statt die Argumente zu widerlegen, versucht man diejenigen, die sie äußern zu ignorieren oder wahlweise zu diffamieren. Nun pflegt der Berlin-Korrespondent der Rheinpfalz vermutlich seine exzellenten Beziehungen zum FDP-Bundesvorstand durch einen Schmähartikel übelster Sorte über den Befürworter des Mitgliederentscheides Frank Schäffler, nachdem er unlängst schon den Rettungsschirm Volker Wissing über den grünen Klee gelobt hatte.

Nationalsozialismus kommt immer gut. Und so sucht sich der Pulitzer-Preis Verdächtige erst einmal ein drastisches Beispiel: Eine Montage der von der Medienlandschaft stets respektvoll behandelten Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel

in der Uniform eines SS-Schergen. Die SS-Runen sind durch Euro-Zeichen ersetzt worden. Statt Hakenkreiz brangt ein Sternenkreis auf der Oberarmbinde. Eine schlimme Entgleisung von Merkelgegnern mag man denken. Doch die Fotomontage zeigt noch mehr: Hinter der uniformierten Kanzlerin ist das KZ Auschwitz zu sehen, über dem Eingang prangt die abgewandelte Parole “Euro macht frei”.

Die sei auf der Facebook-Seite des Finanzberaters Karl-Friedrich Buck zu sehen. Den Beweis muss der Autor jedoch schuldig bleiben, denn Euro-Gegner Buck teilt nicht alle Informationen mit jedem. Freunde, Pinnwand und Fotos sind zumindest heute früh für die Öffentlichkeit tabu.

Nach einem allgemein gehaltenen Absatz über “Netzakivisten” findet sich erst im zweiten von drei Absätzen überhaupt ein Hinweis auf Frank Schäffler, der

Geister gerufen habe, die er nicht mehr los wird. Schäffler lässt auf seiner eigenen Facebook Seite, die Tausende von Anhängern hat, vieles zu, wovon er sich im Grunde distanzieren müsste. So wird Schäffler als neuer Otto Wels gefeiert, eine hanebüchende Überhöhung. Schäffler lässt das unwidersprochen stehen. Wels ging als derjenige Reichstagsabgeordnete in die Geschichte ein, der im März 1933 in der letzten freien Reichstagsrede gegen das Ermächtigungsgesetz argumentierte und die Ablehnung durch die SPD begründete.

Der Erregungszustand des Schreibers hat spätestens zu diesem Zeitpunkt jegliche journalistische Distanz vermissen lassen. Nicht Schäffler hat schließlich diesen Vergleich gepostet. Und die Beweislage auf der Facebook-Seite scheint eher dünn zu sein, es hat sich irgendwie überhaupt kein EudSSR-Bild oder keine keine Karikatur der Kanzlerin mit Schaftstiefeln und Euro-Binde finden lassen.

Der Vergleich hinkt auch gar nicht so sehr, wie FDP-Experte Folz uns Glauben macht. So kauft die EZB munter Staatsanleihen und hat derweil über 180 Mrd. € in den Büchern. Dafür ist sie nicht einmal ermächtigt, im Gegenteil: Es gibt keine Legitimation. Und der Haushaltskommissar der Kommission oder die “Wirtschaftsregierung” sind mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar.  Und das sage ich nicht ich sondern der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, der in der ZDF-Sendung “was nun, Herr Vosskuhle” festgestellt hat, dass jede weitere Übertragung von Hoheiten über den vorläufigen Rettungsschirm hinaus einer durch Volksabstimmung legitimierten Änderung des Grundgesetz bedürfte.

Als nächster bekommt Jörg Behlen sein Fett weg, der sich auf Facebook pointiert zum FDP-Organversagen seit Übernahme der Regierungsverantwortung äußert und tatsächlich zu den Schäffler-Unterstützern gehört. Nur so zu Erinnerung: Der erste “verbriefte” furchtbare Schäffler-Befürworter taucht immerhin in der zweiten Spalte eines dreispaltigen Artikels auf, was dafür spricht wie facettenreich Folz´Recherche zunehmend von

“radikalen Aktivisten geprägt (wird), die in ihrer Agitation jedes Maß verloren haben.”

Und über den Aktivisten Behlen schreibt er:
“End the ECB – löst die Europäische Zentralbank auf. Hinter diesem Motto verbirgt sich eine Art geldpolitische Sekte, die das staatliche Währungsmonopol brechen will. An seine Stelle sollen goldgedeckte Privatwährungen treten, die sich einen Stabilitätswettbewerb leisten. Dafür greift FDP-Mann Behlen auch gerne brutal in die Tasten: “Der Unterschied zwischen Gaddafi und Merkel? Gaddafi hinterlässt 200 Milliarden Guthaben”.

Nun mag man darüber streiten, ob Behlens Äußerung geschmackvoll ist oder nicht. Als Beleg für seine vermeintliche Mitgliedschaft bei den geldpolitischen Sektierern taugt sie jedenfalls nicht.

Dabei übersieht unser Autor, dass diese “Sekte” auf die Theorie des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften von 1974, Friedrich August v. Hayek zurückging, dessen ausgezeichnetes Werk “Preise und Produktion” Grundlage seines Konzeptes der konkurrierenden Währungen ist, die übrigens nach Hayek nicht zwingend goldgedeckt sein müssen. Die Golddeckung sieht sein akademischer Lehrer Ludwig von Mises vor, der dafür aber auf den Wettbewerbsgedanken verzichtet. Ergänzend seid bemerkt, dass viele der Auffassung sind, dass sich im Wettbewerb konkurrierende Währungen automatisch der Golddeckung bedienen, um ihre Stabilität nachweisen zu können.

Das hätte den Mann zwar sicher eine Spalte seines Artikels gekostet.  Und plötzlich hätte sich ein wenig Substanz eingeschlichen, die allerdings seine angestrebte Lebensleistung als Biograph des Rettungsschirmbefürworters Volker Wissing schmälern hätte können, dessen Wahlkreis zufällig im Verbreitungsgebiet des in der Weltstadt Ludwigshafen erscheinendem Qualitätsblatt “Rheinpfalz” liegt.

Warum nun wieder der aus der Weltfinanzmetropole Bad Schussenried und wegen seines internationalen Einflusses  gefürchtete Karl Friedrich Buck (der “George Soros von Oberschwaben”) erwähnt wird, erschließt sich auf den zweiten Blick. Buck ist nämlich Finanzberater und empfiehlt Gold und andere Wertpapiere auf seiner “Internet-Seite”. Die ist allerdings durch eine einfache Google-Eingabe nicht zu finden. Fündig wird man lediglich auf seiner Xing-Seite, wo der Mann auch “EURO-sichere” Immobilien empfiehlt. Aber auch mit diesem Hinweis windet sich der Qualitätsjournalist aus dem Dilemma, die Hypothesen Bucks, der in keinem nachvollziehbaren Zusammenhang mit Schäffler steht, zu widerlegen.

Nun ist Aaron König als weiterer “Schäffler-Unterstützer dran (wo und wann Buck Schäffler unterstützt, hat der Hüter der Pressefreiheit immer noch nicht beschrieben), der glücklicherweise Mitglied der “auf der Sarrazinwelle reitenden”, “rechtspopulistischen Partei” Die FREIHEIT ist.  Sarrazin geht immer (“nicht hilfreich”, wie die vom Autor gewiss in besonderem Angedenken gehaltene Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel einst zum Buch Sarrazins bemerkte, ohne es je gelesen zu haben, schließlich sorgt sich der Rheinpfalz-Autor ja um den Respekt, den die Aktivisten den Organen der Regierung nicht ausreichend entgegen bringen). Nun hat König auch noch ein Video unter dem TItel “EUROSHIMA” bei Youtube untergebracht, dass die heldenhafte EURO-Rettung mit der Tragödie von Fukushima in einen Zusammenhang bringt. Der Titel muss auch hier zur Anklage reichen, auch hier bleibt, man denkt es sich die inhaltliche Auseinandersetzung aus.

Mittlerweile muss man davon ausgehen, dass die Erwähnung in Folz´inhaltleerer Schmähschrift adelt. Solche Ehre wird auch Daniel Fallenstein zuteil, der gemeinsam mit dem FUKUSHIMA-Verharmloser König die Zeitschrift Blink heraus gibt. In der durfte auch noch Hans-Olaf Henkel publizieren, der trotz seiner Karriere als IBM-Chef, Chef des Bundesverbandes des BDI und der Leibniz-Gesellschaft offensichtlich so krude Hypothesen vertritt, dass alleine die Veröffentlichung eines Namensartikels in der Erstausgabe einer weithin unbekannten Zeitschrift mehr als politisch inkorrekt gelten muss, vor der der Autor die weltläufigen Rheinpfalz-Leser richtigerweise warnt.

Dass Henkel auch noch öffentlich dazu auffordert, der FDP beizutreten,um am Mitgliederentscheid teilzunehmen, ist ein Skandal, über den sich auch manch etablierter Redner auf dem FDP-Bundesparteitag echauffiert hat, mit dem unser Mann in Berlín am Presseabend sicher nett plaudernd bei einem Schoppen beieinander sass. Dass er meinte, wenn der Entscheid nicht richtig ausginge, könne man ja wieder austreten,  ist dem gestrengen Tugendwächter schon einen Skandal wert.

Ganz perfide wird Forch am Ende seines Artikels, das ich im Original wiedergebe, weil jede indirekte Rede die Niederträchtigkeit des Vorsatzes zu sehr relativieren würde:

Fraglich ist überdies, inwieweit Frank Schäffler an dem von ihm initierten Mitgliederentscheid persönlich verdient. So tritt der FDP-Abgeordnete beispielsweise am 2. Dezember im Berlner Hotel Adlon im Kreise von Wissenschaftlern und Unternehmern bei einer Veranstaltung “Auslaufmodell Euro” auf. Wer ihn hören möchte, muss eine Teilnehmergebühr von 250 Euro zahlen

schließt der Hüter des Gemeinwohls in der Rheinpfalz und versucht den Eindruck zu erwecken, dass Schäffler “Al Gore Like” nur denjenigen seine Weisheit zu Teil werden lässt, die ordentlich dafür blechen (die Goldwährung ist ja noch nicht wieder eingeführt).   Ein Blick auf die diversen Seiten des dem Autor doch so vertrauten Internets hätte deutlich gemacht, dass Schäffler landauf landab in öffentlichen Veranstaltungen der Partei auftritt, um für die Sache zu werben und das wohl ganz kostenlos.

Unser Winfried lässt in seiner Schmähschrift jede journalistische Sorgfaltspflicht vermissen, zu der in etwa gehört, den genannten Personen vor Veröffentlichung Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben. Was an den Ansichten Bucks, Behlens, Königs, Fallensteins, Henkels oder gar Schäfflers wirklich aufsehenderregend falsch ist, bleibt auch nach Lektüre des Artikels im Dunkeln. Das ganze Pamphlet ist ohne jegliche Substanz und lebt nur von Unterstellungen und Vermutungen.

Das alles wäre nicht erwähnenswert. Wenn nicht zwei Dinge zu vermuten wären. Erstens, dass den Rettungsschirm-Befürwortern im Establishement in den Ledersesseln ihrer Dienstwagen langsam gehörig die Muffe geht im Angesicht der Möglichkeit, bald wieder nur auf die Fahrbereitschaft des Bundestages angewiesen zu sein – man fällt ja weich. Und zweitens, dass diese Ausprägung des kruden Kampagnenjournalismus in unserem Land die Prinzipien der Kantschen Aufklärung konsequent missachtet. Vermutlich haben solche Leute wie Folz nicht einmal den Journalismus richtig erlernt. Es fehlt an der Fähigkeit, zu denken. Aber die Folzschen dieser Welt sind bei der Erzeugung der veröffentlichten Meinung längst in der Mehrheit und ersetzen das Argument durch das Gerücht, die Darstellung durch die Unterstellung und die Wahrheit durch den Glauben. Zurück in´s Mittelalter.

Ganz ohne den Schäffler unterstellten Eigennutz ist die Sache für den Autor sicher auch nicht. Denn sein örtlicher FDP-Abgeordneter, über den er nur gute Worte fand, wird noch für manche exklusive Hintergrundinformation gut sein, ganz abseits von Schäffler. Und den roten Teppich hat Folz ihm ja in der Rheinpfalz schon durch angemessene Berichterstattung ausgerollt.

Für die Befürworter des Rettungsschirms sollte sich allerdings die Frage stellen, ob deren Lage so hoffnungslos und ihre Argumentationsbasis so dünn ist, dass sie solche Machwerke für zielführend halten.

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