Das Terror-Trio hatte Helfer. Von einer Volksbewegung ist es sicher weit entfernt. Und – wie bereits gesagt – sollten wir uns von denen nichts diktieren lassen und unsere Sicht der Dinge nicht diktieren lassen. Wir leben in einer Gesellschaft mit existentiellen Mängeln, aber doch der pluralistischsten, die es bisher auf “deutschem Boden” gegeben hat. Dass das perverse Gedankengut der Mörder und ihrer Helfershelfer und Nachahmer eine Brut ist, die auf dem Humus der DDR besonders prächtig wuchs, ist eine latente Befürchtung, die Freya Klier in der Welt in beeindruckende Worte fasst:

Heute denken viele Ex-DDR-Bürger immer noch so. Doch sind sie nicht mehr so blöd, das öffentlich zu äußern. Die Zungen haben sich in private Sphären zurückgezogen, dort erreichen sie die Jugendlichen an den Abendbrottischen. Mit dem Satz “Die Fremden nehmen uns die Arbeitsplätze weg” sind viele Kinder nach der Wende im Osten aufgewachsen. Und mit Verhaltensmustern, die keineswegs nur Ausländern gelten: Auch, wenn ein “Spasti geklatscht” oder ein Obdachloser zusammengetreten wird, geht nicht gerade ein Aufschrei durch die Häuserreihen zwischen Frankfurt an der Oder und Magdeburg, Rostock und Gera. 20 Jahre liegt der Umbruch nun schon zurück, und noch immer wählen in einigen Ortschaften fast 20 Prozent die NPD.

Die DDR-Bürgerrechtlerin steht nicht in dem Verdacht, eine Besser-Wessi zu sein, die die schöne “Es war doch nicht alles schlecht” Mentalität, die sich längst bräsig breit gemacht hat, mit der uns Westdeutschen eigenen “Überheblichkeit zu kritisieren. Und sie ist auch auf dem linken Auge kaum blind:

Vor wenigen Monaten, zum 50. Gedenktag des Mauerbaus, wartete die “Junge Welt” mit einer atemberaubenden Titelseite auf. Zu sehen waren die dumpfen Gesichter einer DDR-Kampfgruppe aus dem Jahr 1961: Vor der Brust die Waffe im Griff, blockierten die Genossen das Brandenburger Tor. Dann folgte der Dank für 28 Jahre Mauer! Die “Junge Welt” ist das Lieblingsblatt der Partei Die Linke und ihres Nachwuchses. Ich kann mich nicht entsinnen, dass einer ihrer Leser gegen diese Verhöhnung der Maueropfer protestiert oder gar das Blatt abbestellt hätte.

Diese Partei sollte endlich aufhören, zu heucheln, sondern sich dazu bekennen, dass sie den Boden für den Rechtsradikalismus im Osten stark mitbereitet hat. Ihren Mitgliedern sind Menschenleben nur dann wichtig, wenn sie sich politisch instrumentalisieren lassen. Und auch das schließt an eine alte DDR-Tradition an: Es war die “Junge Welt”, die 1987 den Nazi-Überfall auf die Zionskirche erst dann aufgriff, als er im Westen hochkochte. Bei der Gelegenheit wurden allerdings auch wir Bürgerrechtler gleich mit in den Nazi-Topf geworfen. Es wäre verhängnisvoll zu unterschlagen, dass es selbst unter DDR-Bedingungen immer Menschen gab, für die Toleranz und Zivilcourage keine Phrase war. Auch im Osten standen Bürger tapfer vor Asylbewerberheimen, sich vor faustgroßen Steinen duckend, wenn von den zuständigen Ordnungshütern weit und breit nichts zu sehen war.

“Links” und “Rechts” sind Begriffe aus der politischen Gesässdemokratie, die – wenn sie an die Macht gelassen werden – in ununterscheidbare Diktaturen münden, die sich allenfalls in den “Zielgruppen” die sie misshandeln oder morden, unterscheiden. Es sind faschistoide Theorien, die die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zugunsten eines “ehernen Ziels” über Bord werfen und die Menschen deformieren, in deren Sinne sie zu handeln vorgeben.

Heute gibt es wieder ein solches Ziel, das um seiner selbst willen gerettet werden soll: “Europa”. Ein Europa, das eben bisher nicht den Prinzipien eines Rechtsstaates genügt, in dem die Gewaltenteilung simuliert wird aber nicht funktioniert. Ein Europa, in dem eine unsichtbare Funktionärskaste unverhohlen nach der Macht greift und anders als die Sowjetunion gleich 20-Jahrespläne diesmal zur Rettung des “Klimas” entwirft. Das Verbot der Glühbirne sollte uns allen ein Licht aufgehen lassen. Es ist nur ein Vorbote der kommenden Diktatur.

Die Mörder aus Thüringen sind ein Signal mangelnder Integration. Nicht der Türken, Araber und anderen Zugereisten. Auch da gibt es Defizite. Sondern der mangelnden Integration von Ost- und Westdeutschland. Während die anderen Europäer, die Anfang der Neunziger ihre Freiheit gewannen, diese schätzen und leben und wirtschaftlich prosperieren, tut das der deutsche Osten nicht. Auch hier gilt: Wer meint, in der Transferunion wären diejenigen besonders beliebt, die die Transfers bezahlen, also etwa die türkischstämmigen Kleinunternehmer mit ihrer Gewerbesteuer, der irrt. Integration, Zusammenwachsen, wirtschaftliche Prosperität kann man nicht kaufen. Sie muss erlebt und erarbeitet werden.

Freya Klier hat den Deckel gehoben und uns einen Blick in die Befindlichkeit des Ostens gewährt, der weit in die Vergangenheit reicht. Aber auch offen legt, wie wenig stabil die deutsche Demokratie sein könnte.

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