Die Auguren sind wieder überall. Bei Plasberg oder im Tagesspiegel werden die Spekulanten gerügt, die in Lebensmittel investieren und die Preise hochtreiben. Der unvermeidliche Heiner Geißler spricht gleich wieder von den armen Armen in den Slums  von Brasilien. Doch genau das Gegenteil ist richtig: Nur wenn die Nahrungsmittelpreise hoch genug sind, wird es überhaupt genug Lebensmittel geben, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Und genau deshalb entwickelt Eleni Gabre-Madrin in Äthopien eine Warenterminbörse in Äthopien. Dann wird das Risiko nicht mehr von den Bauern sondern von den Spekulanten getragen.

Was allenthalben diffamiert wird, ist in einer arbeitsteiligen Weltwirtschaft nämlich dringend geboten: Die Verteilung des Risikos auf verschiedene Schultern. Der Spekulant braucht dabei natürlich Augenmaß, um nicht zum Hasardeur zu werden. Und kann nicht nur auf eine Karte setzen. Dafür braucht er mehr Finanzprodukte und Anlageklassen, um das Risiko abzufedern, das er anderen gerade abgenommen hatte. Ein klassisches Instrument dazu ist übrigens der “Hedge-Fonds”.

Für die Armen dieser Welt sind steigende Lebensmittelpreise eine Hoffnung. Die meisten von ihnen sind nämlich nicht nur Verbraucher sondern gleichzeitig Erzeuger. Für sie bedeuten höhere Preise mehr Ertrag. Und mehr Ertrag macht es lohnend, mehr zu produzieren. Dafür muss man die Produktivität steigern und Maschinen und Düngemittel einsetzen. Dadurch steigt das Angebot. Und wenn das Angebot steigt, bekommen mehr Menschen zu essen.

Und diejenigen, die nicht in der Landwirtschaft ihr Auskommen haben, profitieren auch von höheren Preisen. Wenn die Landwirte sich mehr leisten können, brauchen sie Dienstleister, Händler und Unternehmen, die ihnen die Waren anbieten können, die sie wünschen.

Sind die Preise zu tief, besteht nicht nur kein Anreiz, nichts herzustellen. Sondern die Gefahr, dass Nahrungsmittel vernichtet werden, weil der Bauer nicht erwarten kann, wenigstens die Transportkosten zu erlösen.

Bleiben die Preise niedrig, bleiben die Bauern arm.

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