Zu den beliebtesten Vokabeln, die alltäglich in den vermeintlichen Diskurs eingeführt werden, gehört neuerdings der Begriff der Ansteckung. Italien, Spanien, Belgien und Frankreich müssten vor der Ansteckung bewahrt werden. Die einzig wirksamen Methoden zur Bewahrung der Gesundheit heißen Quarantäne und Impfung. Und die wirken nur, wenn eine Trennung von den Gesunden wirksam ist. Ist man infiziert, bleibt die Impfung wirkungslos. Wenn es um eine Metapher geht, dann hilft allenfalls eine Brandmauer oder die Schneise, die wirkungsvoll verhindert, dass der Flächenbrand sich nicht länger ausbreitet. Stattdessen gießen wir Öl ins Feuer. Die Politik ist kein Getriebener der Märkte. Sie hat einfach keine Ahnung, kein Konzept. Ihr fehlt der Mut, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Stattdessen lässt man sich bereitwillig auf das Spiel der “Kapitalismuskritiker” ein und unterminiert wie der Torwart vor dem Elfmeter aus der eigenen Angst die Prinzipien des althergebrachten Systems.

Symptomatisch ist die Diskussion um die Rating-Agenturen. Die messen die vermutete Zahlungsfähigkeit der “Marktteilnehmer”. Zugegeben, die Kriterien sind etwas undurchsichtig, aber solange Staat=Triple A war, hatte keiner was dagegen.

Nun haben einige Staaten sich derart übernommen, dass sie das Insolvenzkriterium für Gebietskörperschaften erfüllen: Weil die Zinslast zu hoch ist, bestehen Zweifel, dass der jeweilige Staat wenigstens die Zinsen zahlen kann. Deshalb steht zu befürchten, dass bei der nächsten, regelmäßig anfallenden Umschuldung nicht ausreichend Käufer für Staatsanleihen zur Verfügung stehen und deshalb die fälligen Anleihen nicht bedient werden können.

Das Risiko, dass dem so ist, ist aber nicht von Ratings abhängig. Längst haben auch Anleger und “Märkte” begriffen, dass die notleidenden Staaten eben nicht mal mehr die Zinslast tragen können. Das Schauspiel, dem wir seit bald zwei Jahren beiwohnen, heißt “Schwarzer Peter”. Wer den am Ende hat, zahlt. Das ist derzeit die EZB, die die ganzen problematischen Papiere aufgekauft hat.

Die diskutierte Versicherungslösung ist nur eine weitere Etappe. Zwar verzichten die Banken vermutlich auf rund 50% der verbliebenen Schulden. Davon liegt ein wesentlicher Teil bereits bei der europäischen Zentral-Bad-Bank, so dass die nationalen Zentralbanken gezwungen sein werden, deren Grundkapital aufgrund der hohen Verluste zu rekapitalisieren.

Die Geschäftsbanken, die ihre Papiere bereits verkauft haben, haben bereits einen erheblichen Teil ihres Engagements reduziert, so dass auf den ursprünglichen Wert nur noch ein geringer Anteil in den Büchern ist. Auf den sind dann die dramatischen 50% fällig.

Die Nummer soll staatlicherseits durch ein Linke-Tasche-Rechte-Tasche Spiel verschleiert werden. Denn sonst würde offensichtlich, dass die Staatsschuldenkrise mit mehr Schulden nicht zu lösen ist. Wir maximieren die Verluste und minimieren die Wohlfahrt:

Hätte, wie etwa im Fall Argentiniens, Griechenland im Frühjahr 2010 seine Zahlungsunfähigkeit erklärt, einen Schuldenschnitt mit den Gläubigern vereinbart und vom IWF einen vorrangigen Massekredit zur Zahlung der laufenden Kosten erhalten, wären 40 Mrd. € weniger verbraten worden.

Hätte man dann die Banken pleite gehen lassen, die sich nicht aus eigener Kraft refinanzieren können und gleichzeitig den Sparern ihre Sichteinlagen ausgezahlt, wäre man mit weitaus weniger als den 40 Mrd. ausgekommen.

Wer sagt, zu den Rettungsschirmen bestehe keine Alternative, kennt die Wahrheit nicht. Hierzu wären wohl vier Schritte nötig:

1. Eine Stundung von Schuld, Zins und Zinseszins für 10 Jahre in Griechenland, Italien und wahrscheinlich auch Frankreich, solange die Einnahmen der Staaten die Ausgaben nicht überschreiten.

2. Gewährung eines Massedarlehens des IWF um die gegenwärtige Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben zu überbrücken.

3. Zinserhöhung und Reduzierung der Geldmenge. Einschränkung des Geldmengenwachstums auf das jährliche Wachstum der Volkswirtschaft.

4. Abschaffung des Fair Value Prinzips in der Bilanzierung: Nur Gewinne dürfen bilanziert werden, die auch tatsächlich auf realen Geschäften und nicht auf Kurszuwächsen beruht.

Danach geht es aufwärts. Von selbst. Und schnell.

 

 

 

 

 

 

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