Im Düsseldorfer ZDF-Studio wird alltäglich leicht Verdauliches in der Verlängerung des Morgenmagazins geboten. Alltäglich sitzen dort B- und C-Promis am Frühstückstisch mit mässig begabten Moderatoren und plaudern wahlweise über die neue CD, das neue Buch, den neuen Film oder die neue Fernsehsendung. Dazwischen gibt es Garten-Tipps und ein Rezept, das von fränkischen Koch unter Angabe von Broteinheiten zubereitet wird. Heute ist Ulrich Wickert zu Gast und bewirbt sein neuestes Oevre, das auch unter dem Titel “Kapital Light” erscheinen könnte. 

Die Redaktion, gewöhnt die Produktpromotion z.B. von Gaby Köster mit rührseligen Einspielfilmen zu unterstützen, macht deshalb in Klassenkampf. So darf ein gutmenschender “Reicher” erzählen, dass er die Rendite seines Erbes spendet, während er sich adrett fürs Objektiv auf Inline-Skates durch den Wald bewegt, vermutlich zu einer Zeit, zu der Andere noch arbeiten. Der Mann würde aber gerne nicht spenden sondern lieber mehr Steuern bezahlen. Als nächstes gibt es einen Einspieler mit einer Strassenbefragung: Wer hat die Macht: “Die Wirtschaft, denn die hat das Geld”. Dazwischen darf Wickert davon fabulieren, dass das Einkommen falsch verteilt sei, dass es eines Mindestlohns bedürfe und natürlich, dass man die Finanzmärkte regeln müsse. Nichts neues auf allen Kanälen. Aber eindringlich genug, dass Muttern, die ihr erstes Piccolöchen am Vormittag leert, glaubt, was der nette Herr Wickert da so behauptet.  Der Mann kommt seriös daher, ist charmant und plaudert so nett über sein Ferienhäuschen in Südfrankreich.

Es gibt keine einzige kritische Gegenfrage des netten Moderators. Zwar mag man argumentieren, die Boulevard-Redaktion sei mit einem solchen Thema überfordert. Dann soll sie es aber nicht bearbeiten und Wickert soll sein Buch lieber bei Drei Nach Neun in die Kamera halten. Hier hat er wahrscheinlich ohnehin die falsche Zielgruppe.

Unterwandert wurden diese Redaktionen von der Generation Wickert, deren politische Ansicht eins vom Sozialistischen Studentenbund geprägt wurde. Die Herren, die sich in den Neunzigern in der Defeensive wähnten, feiern gegen Ende ihres publikumswirksamen Lebens fröhliche Urstände und rächen sich einträglich gegen Marktradikalismus und Neo-Liberale.

Für Wickert selbst ist auch dieses Buch ein Geschäft.  Dank der ausreichenden Promotion kommt es auf die Bestseller-Listen, wird bei Hugendubel prominent platziert und wer nicht weiß, was er am nächsten Abend dem Geburtstagskind schenkt, greift zum neuesten Erguss des Ex-Anchorman. Denn Scholl-Latour schreibt ja noch.

 

 

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