Christoph Schult vom Spiegel hat die drei wichtigsten Karrierevorraussetzungen eines Qualitätsjournalisten erfüllt: Taz, Zeit und Henri-Nannen-Schule. Die herausragenden Journalisten unserer Zeit weisen immer wieder diese Kombination auf und die Tatsache, dass sie früher oder später bei der jener Hamburger Illustrierten oder ihrem Online-Pendant arbeiten. Die ideologische Festigkeit zählt viel mehr als die Kenntnisse oder bestimmte Fähigkeiten und so darf es nicht verwundern, wenn Qualitäts-Schult einen solchen Text (“Wie die EU ihren Einfluss in Nahost verspielt“) abliefert.

Zunächst einmal ist die Überschrift ein Trojanisches Pferd, denn natürlich geht es in Schults kurzem Text nicht um den Einfluss der EU im Nahen Osten, denn den hatte sie nie. Er hat genauso wenig existiert wie außenpolitischer Einfluss der EU an irgendeinem anderen Fleck der Welt. Viel wichtiger ist aber der Bericht darüber, wie es ein dahergelaufener Jude geschafft hat, die niederländische Regierung aus dem europäischen Konzept der politischen Äquidistanz herauszureißen. Außenminister Uri Rosenthal hat nicht nur den passenden Namen für so eine Geschichte, er ist auch noch mit einer waschechten Israelin verheiratet – das geht nicht:

“Rosenthal ist für seine pro-israelische Haltung bekannt. Er gehört der konservativen Volkspartei für Freiheit und Demokratie an, ist selbst Jude, wenn auch nicht religiös, und mit einer Israelin verheiratet.”

Schult ist natürlich besorgt, dass die nicht vorhandene gemeinsame Außenpolitik der EU-Staaten jetzt von einem dahergelaufenen Judenbengel durchkreuzt wird. Schließlich ist der EU-Menschenrechtsrat sonst für seine ausgewogenen Entscheidungen in Sachen Israel bekannt.

Ganz besonders empört Schult, dass die israelische Regierung in ihrer eigenen Hauptstadt Baumaßnahmen durchführt. Schließlich wird Jerusalem doch von den Palästinensern beansprucht und jeder dort lebende Jude als “Siedler” bezeichnet. Schult sollte aber wissen, dass die Palästinenser auch Tel Aviv und Eilat für sich beanspruchen, wenn das also die Grundlage völkerrechtlicher Ansprüche darstellt, kann die EU sich zukünftig auch von Scharia-Gerichten ihre völkerrechtlichen Expertisen erstellen lassen.

Dass die EU nun nicht schön gleichförmig abstimmt, macht Schult sehr traurig:

“Es ist der vorerst letzte Beweis, dass die Geschlossenheit der EU zugunsten nationaler Interessen geopfert wird.”

Und warum nicht? Was hätte es geändert, wenn die EU-Staaten alle nur einem Text zugestimmt hätten? Politisch hätte es nichts geändert, aber das Personal in Brüssel hätte einen Siegestanz aufgeführt und mehr Kompetenzen verlangt. Das ist alles und für dieses Theater soll Israel über die Klinge springen. Herr Schult ist ein ganz Großer, Taz, Zeit, Henri-Nannen-Schule – mehr geht einfach nicht.

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