Es ist völlig klar, das Wort “populistisch” bedeutet rein gar nichts mehr. Es ist zu einem reinen Kampfbegriff verkommen, der je nach Bedarf auf Personen und Meinungen angewendet wird, die nicht in den linken (oft auch als “linksliberal” bezeichneten) politischen Mainstream passen. Die Stimmen gegen den organisierten Rechtsbruch der Regierung in Sachen ESM, die in der FDP laut wurden, sind nach diesem Prinzip natürlich populistisch. Genauso wie Sarrazin vor einem Jahr. So wie Kritik an Religionen, nein eigentlich nur einer einzigen ganz bestimmten Religion, der Papst und Scientology dürfen mit gutem Gewissen verteufelt werden. Es ist populistisch, wenn jemand nicht an den esoterischen Mist einiger Weltuntergangsfreaks glaubt, die meinen, dass der Mensch in den letzten 40 Jahren die Erde zu stark aufgeheizt hat. Es ist populistisch zu glauben, dass Staaten kein naturgegebenes Recht haben, ihren Bürgern soviel Kohle wie nur möglich wegzunehmen. Es ist populistisch zu glauben, dass jemand, der einen festen Job hat, monatlich mehr Geld haben sollte als jemand, der nicht arbeitet. Es ist populistisch, dem Bürger zu viel Verantwortung aufzubürden.

Mit anderen Worten: Es ist populistisch, in keiner der linken Parteien Deutschlands zu sein oder sie nicht zu wählen.

Nicht populistisch ist es dagegen, die Wähler nach Strich und Faden zu belügen. Ihm eine kostenlose rundumglücklich-Versorgung zu versprechen, obwohl eine simple Excel-Tabelle ausreicht, um zu belegen, dass solche Versprechen finanziell einfach nicht drin sind. Mit der Piratenpartei ist ein besonders schamloses Grüppchen dieser Art in den Preußischen Landtag eingezogen, um das Geld aller anderen für die Lifestyle-Metropole an der Spree aus dem Fenster zu werfen.

Nie war der Begriff “Spree-Athen” so treffend wie nach dieser Wahl. Aber Vorsicht: Hetze gegen die Bundeshauptstadt ist populistisch!

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