O.K.: Das ist stark verkürzt. Im Deutschlandfunk gab es heute ein Interview mit Hans Gstrein, der offensichtlich erhebliche Expertise über die Struktur der Religionen im Nahen Osten, die unterschiedlichen christlichen Kirchen, von denen ich auch noch nie gehört haben. In einem hat er recht: der Aufstand in Syrien ist nicht von den Christen getragen.
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2 comments
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30. August 2011 at 18:09
Rika
Ich habe schon vor ein paar Tagen in meinem blog auf den (oder einen ähnlichen?) Bericht reagiert.
Daraus zitiert:
“”Während seiner Gespräche hätten syrische Christen deutlich gemacht, dass sie aus Gründen der eigenen Sicherheit hinter dem Regime von Präsident al-Assad stünden, so der Pfarrer weiter. „Der Wunsch ist schlicht zu überleben“, sagte er. Bei aller Kritik am Regime gebe es den Wunsch, dass sich nicht so viel ändern möge. Viele Gläubigen sorgten sich, dass in Syrien Zustände wie im Irak nach dem Sturz von Ex-Staatschef Saddam Hussein oder wie im Libanon während des Bürgerkriegs herrschen könnten.”
Die Angst, dass Christen nach dem möglichen Sturz Assads unter gewaltigen Druck geraten könnten, ist nicht unbegründet. Schließlich liefert der benachbarte Irak bis heute den unwiderlegbaren Beweis, dass es Christen in der Minderheit, unter einer instabilen Regierung / Verwaltung und in unmittelbarer Nachbarschaft muslimischer Aufrührer nicht gerade gut ergeht. Tausende Christen sind seither aus dem Irak geflohen.
Und auch die Entwickelung in Ägypten bietet wenig Anlass zu Hoffnung, dass demokratische Strukturen einkehren und sich damit auch ein größeres Maß an Religionsfreiheit für die Minderheiten ergeben wird. Vielmehr muss man doch befürchten, dass radikale Kräfte die Oberhand gewinnen werden und damit die Rechte der Christen noch weiter eingeschränkt werden.
…
Ist es daher nicht verständlich, dass die Christen in Syrien lieber an einem Despoten festhalten, als die Revolution zu unterstützen und damit unwägbare neue Machtverhältnisse in Kauf nehmen zu müssen, die für sie, nach allem, was sie in den Nachbarstaaten beobachten, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gut sein werden?
Um hier gar kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich teile diese Haltung ausdrücklich nicht, aber ich kann sie verstehen. Ich verurteile die grausamen Übergriffe gegen die eigene Bevölkerung und den erbarmungslosen Kampf um die Macht, den Assad führt.
Ich bin unbedingt dafür, dass die Staatengemeinschaft Assad und sein Regime ächtet und Maßnahmen berät, dem blutigen Treiben Einhalt zu gebieten und Reformen in Syrien zu ermöglichen.
Doch angesichts der berechtigten Angst der Christen in Syrien vor einer ungewissen Zukunft denke ich genauso entschieden, dass die Christen in den demokratischen Gesellschaften dieser Welt sich hinter die Christen in Syrien (und natürlich auch in Irak, Ägypten und all den anderen Ländern) stellen müssen und den Weltkirchenrat und die UN auffordern sollten dafür zu sorgen, dass Christen in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung und mit Regierungen, die sich am Islam orientieren, stärker geschützt werden, dass ihr Recht auf freie Religionsausübung gewährt wird und sie nicht länger dem Druck staatlicher Repression und religiöser Willkür durch die Mehrheitsreligion ausgesetzt sind.”
Hier kann der vollständige Beitrag gelesen werden: http://himmelunderde.wordpress.com/2011/08/18/angst-fressen-seele-auf/
4. September 2011 at 17:33
Karsten
Die gleiche Problematik wie im Irak. Das Demokratiebeglückungsexperiment dort hat zum Auszug der Christenheit aus dem Land geführt. Vertständlich, dass die syrischen Christen Angst vor einem Bürgerkriegschaos haben, indem sie das schwächste Glied darstellen. Zumal wahrscheinlich fast eine halbe Million von ihnen in den letzten Jahren aus dem Irak geflohen sind.