Wer wissen will wohin die Reise in Sachen erneuerbare Energien geht, der sollte sich diesen Text von der Homepage des Ministeriums für Bildung und Forschung zu Gemüte führen. Darin erläutert Dr. Jens Kube im Technokratensprech des Social-Engineers den Weg in die atomkraftfreie Zone über den Umweg der „Smart grids“, der intelligenten Stromnetze. Diese werden nötig, weil zwar Fukushima überall ist, Wind und Sonne aber nicht selten durch Abwesenheit glänzen. Und wie jeder Planwirtschaftler weiß,  wenn es mit dem Angebot partout nicht klappen will, dann muss eben „an der Bedarfsseite geregelt werden“:

 Und damit sind wir auch schon bei der meiner Einschätzung nach größten Herausforderung eines konsequenten “Smart Grid”: Die “smarte” Komponente “Mensch”!

Unumwunden macht uns Dr. Kube klar, dass der „Komponente Mensch“ in der schönen neuen Ökostromwelt ein paar Veränderungen ins Haus stehen:

Heute sind wir es gewohnt, dass der Strom einfach so und rund um die Uhr gleichwertig aus der Steckdose kommt. Es gibt keinen offensichtlichen Grund und erst recht keinen Anreiz, die Geschirrspülmaschine, den Wäschetrockner oder die Waschmaschine genau dann laufen zu lassen, wenn gerade mehr Strom produziert als nachgefragt wird. Doch diese Anreize werden kommen müssen, damit Smart Grids funktionieren.

In einem ersten Ansatz wird konsequente smarte Stromnutzung sich im Preis niederschlagen: Wenn der Strompreis mit der Differenz aus Angebot und Nachfrage zumindest teilweise zum Endkunden durchgereicht wird, dann lohnt sich, die vollbeladene Waschmaschine in Wartestellung auf einen günstigen Tarif vielleicht 2-3 Stunden lauern zu lassen oder den Geschirrspüler nachts laufen zu lassen (was übrigens auch eine praktische Zeit ist, denn dann nervt er nicht mit seiner Lautstärke).

Da freut sich der werktätige Bürger des Deutschen Ökosozialistischen Republik, wenn zu nachtschlafender Zeit sämtliche Waschmaschinen und Geschirrspüler in seinem Mietshaus loswummern. Noch viel spannender ist allerdings die Frage, was so eine Energieplanwirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet:

Ausgeblendet habe ich in dieser Betrachtung bisher Industrie und Gewerbe. Es gibt sicher einige Bereiche (wie die genannten Kühlhäuser), die gut als regelbare Komponenten in intelligente Netze eingebunden werden können. Doch auch die nicht regelbaren Komponenten wie Öfen jeglicher Größe, Förderbänder usw. sind auch im intelligenten Netz kein Hindernis, denn sie sind planbar und können bei Prognosen und Bedarfsanmeldungen gut berücksichtigt werden.

Ja, mach einen Plan, das empfahl schon Bert Brecht. Immerhin wohnt dem ganzen eine gewisse Logik inne: Wer arbeitslos ist, weil sein Betrieb die Stromrationierung und die als ökologisch korrekten „Anreiz“ getarnte Energiekostenexplosion nicht überlebt hat, der kann sich auch keine Waschmaschinen und Geschirrspüler mehr leisen. Und schon stimmt die Energiebilanz wieder.

Der Weg zum neuen Menschen, der seine Bedürfnisse ganz an die Verfügbarkeit des Ökostroms anpasst, mag uns weit erscheinen, doch viele Deutsche haben in der DDR bereits einschlägige Erfahrungen mit einer Energiemangelwirtschaft machen dürfen. Vielleicht erteilen die Behörden bald wieder Stromsparbefehle über Funk und Fernsehen und das Überschreiten zugeteilter Energiekontingente wird ein Straftatbestand. Brüder zur Sonne, zum Windrad!

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