Aus Tragödien kann nie etwas Gutes entstehen, auch wenn das manchmal behauptet wird um Trost zu spenden. Die Angehörigen der Toten von Oslo und Utoya kann ohnehin niemand trösten, niemand kann diesen grauenvollen Morden einen Sinn verleihen. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Zukunft besseres bringt. Ich für meinen Teil hoffe inständig darauf, dass die Verharmlosung des Terrorismus, die in weiten Teilen der europäischen Gesellschaften und vor allem in Deutschland Gang und Gäbe ist, am 22. Juli 2011 ihr Ende gefunden hat. Terrorismus, das ist das erbarmungslose Hinschlachten wehrloser Menschen im Namen menschenverachtender Ideologien und kein romantischer Freiheitskampf unterdrückter Idealisten, dem man am besten mit Verständnis und Empathie begegnet.

Dass es für diese Erkentniss eines blonden und blauäugigen Attentäters bedurfte, der auf europäischem Boden Landsleute tötete, spricht im übrigen nicht für uns.

Auch dem letzten dürfte nun klar sein: Wer ausgerechnet einen mordenden Fanatiker als besonders authentischen Vertreter einer bestimmten Kultur oder Religion versteht, der beleidigt alle unschuldigen Menschen, die diese Herkunft und diesen Glauben teilen. Es sind auch nicht die Opfer von Terrorattacken, die sich fragen müssen, was sie falsch gemacht haben, sondern die Gruppierungen, die diese kaltblütigen Verbrecher hervorbringen. Terrorismus, egal welcher Provenienz, steht gegen die Werte der Aufklärung. Er verherrlicht völkische, religiöse oder anderweitig herbei imaginierte Kollektive und stellt sie über das Individuum. Der einzelne Mensch ist im geschlossenen Weltbild der Terroristen entweder Kanonenfutter, das im Namen des großen Ganzen verheizt werden kann, oder „Feind“ und damit zum Abschuss freigegeben. Terroristen sind Antihumanisten und Antidemokraten, ihre Ideologien sind fast immer totalitär und faschistisch.

Im Licht der entsetzlichen Ereignisse in Norwegen erscheinen die teilweise hysterischen Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf den Tod Osama bin Ladens vor einigen Wochen fast surreal. Doch die Verharmlosung des Terrorismus hat bei uns eine lange Tradition. Man denke nur an die arroganten Einlassungen vieler Intellektueller zu 9/11 oder zur zweiten Intifada. Man denke an die Legendenbildung um die RAF, an die vielen Bücher und Filme die uns weismachen wollen, es handle sich bei Baader und Konsorten um Idealisten, die irgendwann auf dem Weg zu Weltverbesserung falsch abgebogen sind. Man denke an die „Experten“ in den Talkshows, die uns die Massenmörder, die im Irak und in Afghanistan Märkte und Moscheen in die Luft sprengen, als „Freiheitskämpfer“ und „Dialogpartner“ präsentieren – und das noch mit moralisch erhobenem Zeigefinger!

Es sind bei weitem nicht nur Linke, die solche Verhaltensweisen zeigen. Gerade in der FDP gab es lange viel Verständnis für den sozialistisch, nationalistisch und islamistisch inspirierten palästinensischen Terrorismus. Was für eine Schande für eine „liberale“ Partei. Konservative haben sich oft genug bei der Verharmlosung rechtsextremer Terrorakte hervorgetan – so nach dem Oktoberfestattentat 1983 und anlässlich der Anschläge auf Asylheime in den 1990ern. Man wollte keine potentiellen Wähler vergraulen, auch solche nicht, die Ausländern das Recht auf Leben absprechen. Das „C“ im Namen tat dieser widerlichen Strategie offenbar keinen Abbruch. Ganz zu schweigen von den rechten Islamkritikern. Jeder Moscheebau ist für diese Fanatiker ein feindlicher Akt, selbst harmlose Grillfeste gelten ihnen als Provokation. Jetzt, angesichts des Massakers in Norwegen, winden sie sich in Selbstmitleid ob angeblich drohender „Verfolgung“, erfinden Rechtfertigungen für den Täter oder verbreiten Verschwörungstheorien. Auf solche „Beschützer“ kann die zivilisierte Welt gut und gerne verzichten.

Terrorismus ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln und Terroristen sind keine missverstandenen Opfer oder mutige Helden. Mit Verbrechern wie Anders Breivik führt man keine Dialoge und man betet weder mit ihnen noch für sie. Und was das wichtigste ist: Nichts kann die Taten solcher Mördermenschen rechtfertigen. Es muss endlich Schluss sein mit dem Umlügen von Fanatikern zu “Friedenspartnern”. Es muss Schluss sein mit dem David-gegen-Goliath-Bonus, der Terroristen in den Medien immer wieder zugestanden wird, dieser Aura von Abenteuer und Robin Hood, der auch manche Wissenschaftler und Menschenrechtsaktivisten erliegen. Es muss Schluss sein mit der Sozialpädagogenattitüde, die hinterhältige Attentate für Hilfeschreie hält und mit der Abwiegelei, die sofort Stichworte wie „bedauerlicher Einzelfall“ oder „Verzweiflungstat“ über die Leichen breitet, um jede Diskussion um die Rolle menschenverachtender Ideologien im Keim zu ersticken.

Keinen Frieden für die Feinde des Friedens, keine Toleranz für die Gegner der Toleranz! Das sind die Lehren jedes Terroranschlags. Hoffentlich werden sie diesmal verstanden.

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