Am Berliner Schiller Gymnasium nahm heute der Schulleiter seinen Abschied. Jürgen Panteleit hat die Schule 16 1/2 Jahre geführt und mit seinem kollegialen Stil geprägt. Das einzige gelungene Experiment der jüngeren Reformgeschichte, die staatliche Europaschule, in der die Hälfte der Schüler und Lehrer die “Partnersprache”als Muttersprache spricht, hat er hier möglich gemacht. Als Elternvertreter sind mir aber auch die Klagen des Mannes in Erinnerung, mit dem ständigen Reformismus zurecht zu kommen: Aktionismus ersetzte das nicht vorhandene Konzept. In seiner Abschiedsrede äußerte er eine Bitte. Und der soll wenigstens hier entsprochen werden.
Letztes Jahr war die Schulinspektion zu Besuch. Fachleute und Ehrenamtler überprüfen dabei die Qualität von Kollegium und Unterricht anhand von festgelegten Kriterien. Die Schiller-Oberschule schnitt dabei hervorragend ab. Beim alljährlichen mittleren Schulabschluss der 10. Klassen ist das Gymnasium immer vorne mit dabei. Und auch die Abschlüsse können sich sehen lassen: 2,3 ist über dem Abischnitt des Landes Berlin.
Mit den vermeintlichen Eliteschulen, die in der einschlägigen Presse ihren Niederschlag finden, deren Schüler aus den migrantenfreien Zonen Zehlendorfs stammen oder die sich ihr Personal als meist konfessionelle Privatschule selbst aussuchen können, vergleichen Tagesspiegel und Morgenpost Schulen wie das Schiller-Gymnasium erst gar nicht. Denn hier sind 38,7 % der Abiturienten junge Menschen mit Migrationshintergrund, in Berlin liegt der Anteil sonst bei 15%. Noch mal zum mitschreiben: 38,7% aus der angeblich bildungsfreien Welt der Migranten, die in Deutsch, Englisch, Mathe und Latein teilweise bessere Noten schreiben, als der “deutsche” Durchschnittsschüler.
Das Erfolgsgeheimnis der Schule ist schlicht und einfach: Panteleit ist ein guter Schulleiter und in seinem Kollegium gibt es sehr viele gute und motivierte Lehrer, die mit den vielen Nationalitäten und Hintergründen selbstbewusst und engagiert umgehen, ohne ihre Ansprüche an das zu Erlernende herunter zu schrauben. Hier wird keinem was geschenkt.
Für uns Eltern ist das auch von Vorteil. Im Jahrgang der Tochter sind die Kinder des Lieblings-Inders und eines der besseren chinesischen Restaurants. Da kriegt man immer einen Tisch.
Leute wie dieser Mann machen die Bildungsreformerei völlig überflüssig. Mehr Autonomie, mehr Verantwortung für die Schulen und die Lehrer würden die ganze Diskussion um den Bildungszentralismus überflüssig machen. Weniger Verwaltungsvorschriften und weniger Schulverwaltung wären für solche Lehrer und Schulen hilfreich.
Panteleit hat hoffentlich nicht die Schnauze voll aber genug. Für unsere Tochter, die noch zwei Jahre bis zum Abitur hat, hätte ich mir gewünscht, dass er noch ein bisschen weiter macht. Solche Menschen sind schließlich geeignet, die Vorurteile über deutsche Lehrer gründlich zu wiederlegen. Und das ist dringend nötig. Denn in Zukunft fehlen in Deutschland rund 70.000 Lehrer hat er unlängst auf einer Sitzung der Elternvertretung verkündet.
Seine Botschaft sei den Integrationsbeauftragten und Multi-Kultibesserwissern unter die Nase gerieben. Statt Bildungspaketen und Migrationsbeauftragten, Gipfeln und Müttern der Nation braucht es die selbstbestimmte Schule. Und einfach mehr gute Lehrer. Gute Schulleiter natürlich auch.






4 comments
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27. June 2011 at 23:01
Rayson
Klar, die “Kundschaft” einer Europa-Schule besteht aus Migranten. Inder, Chinesen… In Karlsruhe gibt es auch eine, die hat sogar einen ehemaligen dänischen Minister (und heutigen FDP-Stadtrat) als Schulleiter.
Nichts gegen einen engagierten Schulleiter und ein fähiges Kollegium. Sowas sorgt schon für einen gewaltigen Unterschied. Aber man darf doch etwas zweifeln, ob der Erfolg so schlagend wäre, wenn es sich um die Klientel handeln würde, die meist gemeint ist, wenn man verallgemeinernd von “Migranten” spricht…
28. June 2011 at 09:58
euckenserbe
Irrtum: Panteleits Statement bezog sich nicht auf den Europa-Zweig, der lediglich zweizügig ist, sondern auf den vier- oder fünfzügigen Regelkreis, bei dem es sich um ein ganz normales Berliner Gymnasium handelt. Und hier sind sicher über 30 Prozent vorwiegend türkischer Herkunft, was an der Nähe zu Moabit liegt, wo sehr viele Türken leben. Moabit ist vom Ernst Reuter Platz nur knapp 2 km entfernt. Und auch der Norden Charlottenburgs jenseits des Kaiserdamms, der zum Einzugsbereich der Regelschule gehört, ist eher einfacher strukturiert.
1. July 2011 at 00:10
unfrisiertes
Interessant.
Ich bezweifle aber, dass das alles nur auf die Lehrer des Gymnasiums zurückzuführen ist. Da müssen schon die Voraussetzungen in der Grundschule (und/oder der Familie) andere gewesen sein, denn ein Problem bei den Kindern mit türkischem Migrationshintergrund ist ja, dass sie es viel zu oft gar nicht erst ins Gymnasium schaffen.
6. July 2011 at 02:01
Juergen
Ihr Schilderung deckt sich beinahe eins zu eins mit den Erfahrungen, die in einer schwedischen Schule gemacht wurden:
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/respekt/artikel/die-welt-schule.html