Wer wird Schuld daran sein, wenn sich auch in Zukunft an der Bildungsmisere in den Ghettos deutscher Großstädte nichts ändert? Heribert Prantl findet in seinem Leitartikel in der SZ eine wirklich originelle Antwort auf diese Frage. Aber der Reihe nach.

Erstmal knöpft er sich Innenminister Friedrich vor, der nach Prantls Geschmack zu viel mit „Polizeipräsidenten und Verfassungsschützern“ und zu wenig mit „Bildungsexperten“ spricht. Das erstaunt, da die innere Sicherheit gemeinhin als vornehmster Aufgabenbereich des Innenministers gilt, wohingegen das Thema Bildung in erster Linie bei den Ländern und in zweiter Linie bei Frau Schavan angesiedelt ist. Aber wie dem auch sein mag, die Feinheiten des deutschen politischen Systems müssen Prantl nicht interessieren,  er schreibt schließlich über das große Ganze. Radikalisierung muslimischer Jugendlicher? Intergrationsprobleme von Türken und Arabern? Da kann Prantl nur müde lächeln, denn er kennt die Lösung, die er freundlicherweise mit uns teilt:

Bildung ist der Schlüssel für Integration; und Integration ist das Rezept gegen Radikalisierung.

Dieser Satz ist auf so beeindruckende Weise nichtssagend, dass er glatt von Margot Käßmann stammen könnte. Hoffentlich liegt hier kein Plagiat vor.

Tatsächlich gibt es viele Länder auf der Welt, in denen Bildung Mangelware ist. Die meisten muslimischen Staaten gehören dazu. Deutschland allerdings hat dieses Problem nun wirklich nicht. Es gibt genügend Schulen und diese sind sogar kostenlos. An Bildungschancen mangelt es also kaum.

Offenbar aber an dem Willen diese Chancen wahrzunehmen, und zwar auf Seiten einer signifikanten Minderheit in der muslimischen community. Und das ist noch nicht alles, denn die Kinder dieser oft streng gläubigen Familien terrorisieren auch andere Schüler, seien es Deutsche, Aleviten, Juden oder liberalere Muslime, machen ihnen den Schulalltag zur Hölle und das Lernen so gut wie unmöglich. Besorgte Eltern aus der unteren Mittelschicht, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, müssen ohnmächtig mit ansehen, wie die Bildungs- und Aufstiegschancen ihrer Kinder in den Ghetto-Schulen der Großstädte zu Nichte gemacht werden.

Im Gegensatz zu den linksgrünen Biodeutschen in Kreuzberg und anderen Alternativ-Vierteln fehlt ihnen das Geld, um schnell in die Vorstädte umzuziehen, wenn die lieben Kleinen schulpflichtig werden. Diesen Menschen und ihren Kindern, die die eigentlich Opfer des verfehlten Multi-Kulti-Kuschelkurses vieler Schulämter und Kultusministerien sind, fehlt es nicht an „Bildung“, sondern es fehlt an einer Staatsmacht, die mit allen Mitteln die ihr zu Gebote stehen für einen gewaltfreien Umgang und ein respektvolles Miteinander in den Schulen sorgt. Denn anders als Prantl vermutet sind es nicht die radikalisierten Muslime, denen der Respekt vorenthalten wird, sondern sie sind es, die jeden mit Missachtung strafen, der auch nur ein Jota von ihrer Vorstellung eines vollwertigen Menschen abweicht. Ihr Hass trifft Muslime (und vor allem Muslimas) die in ihren Augen nicht gläubig genug sind ebenso wie Nicht-Muslime.

Deswegen ist es umso trauriger, dass die Mehrheit der deutschen Linken heute nicht mehr auf der Seite der Menschen steht, die versuchen mit Hilfe der Schule den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Einst waren es Sozialisten, die Arbeiterbildungsvereine gründeten und die ihren Genossen klar machten, wie wichtig Schulbesuch und Erwachsenenbildung sind, auch und gerade für Mädchen und Frauen. Heute gilt es geradezu als Beleg einer linken Gesinnung, wenn man im Namen einer falsch verstandenen Toleranz die unhaltbaren Zustände an deutschen Großstadtschulen herunterspielt. Der wohlfeile Ruf nach „mehr Bildung“ und „mehr Respekt“ wird zu einer hohlen Phrase, weil er an die Falschen adressiert ist.

Wer wird denn nun Schuld sein, wenn sich diese Zustände auch in Zukunft nicht ändern und die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher weiter voranschreitet? Gerd Wilders, denn sein Freispruch „macht (…) wahrscheinlich mehr kaputt, als ein gut gemeinter Präventionsgipfel reparieren kann“. Das steht da wirklich so. Gut, dass wir wiedermal erfolgreich daran vorbeigeredet haben.

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