Ein neues Steuersystem ist gefragt. Herr Rösler, bitte liefern. Das wäre weitgehend aufkommensneutral und sozial gerechter, weil insbesondere die hohen Einkommen mehr Steuern zahlen müssten als bisher. Nur 20% aller Deutschen haben ein zu versteuerndes Einkommen von über 36.000 €, hat das statistische Bundesamt für die FAZ heraus gefunden. Nur 1% haben ein zu versteuerndes Einkommen von über 125.000 €. Das Zauberwort heißt: “ZU VERSTEUERND”

Die Sache wird natürlich schon etwas anders, wenn man das Ehegattensplitting hinzurechnet. Dann hat der Haushalt glatt das doppelte Einkommen. Bei zwei Kindern können noch mal 16.000 Freibetrag geltend gemacht werden. Hinzu kommen Werbungskosten jedweder Art, wegen derer Anerkennung der Steuerbürger seinen alltäglichen Kleinkrieg mit dem Finanzamt führt.

Und dann kommt der Termin beim Steuerberater. Dort wird das Einkommen des Steuerbürgers steuerlich optimiert. Hier ein Immobilienfonds, dort eine Eigentumswohnung oder gleich ein ganzes Mietshaus, ein Leasing-Fonds. Hier reicht der Platz nicht, um die Vielzahl der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die das “zu versteuernde Einkommen” nicht erheblich reduzieren und volkswirtschaftlichen Unsinn deutlich minimieren.

Mit anderen Worten: Das Brutto-Einkommen des Steuerpflichtigen wird vom Finanzamt nicht erfasst. Und das ist die Black Box bei jeder Steuerreform. Wie hoch die Ausfälle durch die Senkungen der Steuersätze und die Zugewinne durch die Streichung der Ausnahmen sind, kann keiner mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich ist der tatsächliche Steuersatz auf das gesamte Einkommen der Familie mit 250.000 € deutlich niedriger als die 47,5%, die inklusive Soli als Spitzensteuersatz aufgerufen werden.

Die Streichung der Ausnahmen hätte einen weiteren Wohlfahrt fördernden Effekt: Die Leute würden ihr Geld nicht länger in verlustreiche Anlagen investieren, sondern hätten keine Wahl. Nur was einen ordentlichen Gewinn verspricht, lohnt sich auch.

Ein einfaches gerechtes Steuersystem ohne Ausnahmen ist deshalb viel gerechter als der steuerliche Flickenteppich von Einzelfallregelungen, die die Mehrheit der Bürger vernachlässigt.

Nur in einer Übergangsphase wäre mit “Ausfällen” zu rechnen. Wenn nämlich die Verluste aus dem alten System noch nicht aufgebraucht sind und auf die niedrigeren Sätze angerechnet werden. Doch selbst die lassen sich durch ein Optionsmodell reduzieren. Wer auf die alten Verluste verzichtet, wird nach den neuen Sätzen veranlagt, wer sie geltend machen will, muss solange die alten höheren Steuersätze zahlen. Ganz einfach.

Mit einem Pseudogeschenk wie dem Abtragen des “Mittelstandsbauchs” ist dagegen niemand geholfen. Das Paket ist zu klein für Ihren Laster, Herr Rösler.

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