Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Spanien (wie Irland) in den deutschen Medien als echter europäischer Vorzeigestaat präsentiert. Nach der Amtsübernahme von Zapatero wurden die spanischen Soldaten aus dem Irak abgezogen und das Land fühlte sich super. Der Konsum boomte und kaum eine Ausgabe des “Weltspiegels” verzichtete auf einen Bericht über spanische Hipster, die mit Unsummen geborgten Geldes durch die Einkaufspassagen der von einem unerhörten Bauboom erfassten Metropolen eilten. Worauf dieser Wohlstand basierte, war nebensächlich und heute ist endgültig klar, dass er in Wirklichkeit nie existierte. Billige Kredite machten es Privatpersonen und Firmen möglich, eine gewaltige Wohlstandsblase zu erzeugen, die im Laufe der Finanzkrise mit einem lauten Knall zerbarst. Jetzt stehen die Spanier doof da und natürlich will keiner zugeben, dass er sich mit der Hilfe von Banken und Regierungen gehörig selbst verarscht hat. Aber einigen ist offensichtlich immer noch nicht klar, dass das Problem kein Problem des “Systems” ist, sondern etwas mit dem eigenen Verhalten und den Ausgaben der Regierung zu tun hat. Diejenigen, die das noch immer nicht begriffen haben, spielen jetzt Revolution und besetzen öffentliche Plätze.

Die deutschen Medien finden das natürlich toll, denn Revolution ist immer gut. “Spiegel Online”, das nicht zu blöd war, die Revoluzzer als Lehrlinge des “arabischen Frühlings” zu bezeichnen, veröffentlichte heute einen Text der spanischen Schriftstellerin Eugenia Rico, die sich den Protesten angeschlossen hat. Und die Frau hat erstaunliches zu berichten:

“Es gibt einen Rechtshilfe-Service, eine Gemeinschaftskasse, um eventuelle Kautionen für Verhaftete zahlen zu können, sowie ein Fundbüro und zwei Krankenstationen, die von arbeitslosen Pflegern und Ärzten betreut und mit Solarenergie versorgt werden. Eine Kinder-Bibliothek und einen kostenlosen Kindergarten gibt es auch. Überall auf dem Platz hängen Gedichte und überall sieht man Laptops und Tablet Computer. Putzbrigaden sorgen dafür, dass alles sauber bleibt.”

Das ist in Kurzform schon die Vision dieser “neuen Gesellschaft”, die von dieser APO gewünscht wird und sie entspricht in erstaunlicher Weise jenem Zustand, in dem sich Spanien vor dem Ende des lockeren Schuldenlebens befand: Alles ist kostenlos und auf Luxusartikel wie Ipads muss trotzdem keiner Verzichten. Die flotte Hippieatmosphäre mit Gratisumarmungen und Wandzeitungen voller Gedichte tragen natürlich nichts zur Überwindung der Krise bei und selbstverständlich werden diese Gratisdienstleistungen auch von irgendjemandem finanziert – der bleibt aber unsichtbar und nach ihm fragt wieder keiner.

“Die Revolutionäre sind junge Leute und nicht ganz so junge Leute, viele von ihnen mit Universitätsbildung, zwar nicht alle arbeitslos, aber viele mit so schlecht bezahlten Jobs, dass es für sie schlimmer ist, als arbeitslos zu sein.

Sie sind die am besten ausgebildete Generation, die es in Spanien je gegeben hat, und die erste, die schlechter leben wird als ihre Eltern. Aber sie sind schön.”

Diese angeblich so hoch gebildeten Leute können so hoch gebildet gar nicht sein, denn sonst hätten sie vielleicht schon etwas davon gehört, dass es in Teilen der Welt so etwas wie einen Bedarf nach Fachkräften gibt. Arbeitslose Ärzte bieten einen kostenloses Gesundheitsdienst auf dem Platz an? In der Schweiz und England lecken sich Kliniken alle zehn Finger nach Ärzten und bieten dafür hochbezahlte Stellen in echten Krankenhäusern an. Ingenieure und Biologen organisieren “Umweltworkshops”? Von Bombay bis Boston suchen Unternehmen nach Fachpersonal. Laut Rico sind auf dem Platz namens “Puerta del Sol” die freundlichsten, cleversten und am besten gebildeten Einwohner Spaniens versammelt und denen fällt nicht mehr ein, als Gedichte an die Wand zu heften und auf Trommeln zu hauen?

David Harnasch war vor Ort und hat die Lage dieser verschwindend kleinen Minderheit entsprechend kommentiert. Auf seinen Fotos sind auch Hinweise zu sehen, welche Idee wirklich hinter diesem bunt-fröhlichen Spektakel steckt. Die antiisraelischen Elemente auf den Wandzeitungen weisen auf eine Gesinnung hin, die in Wirklichkeit grau, kalt und stumpf ist: Der altbekannte Sozialismus. Und so ist zumindest völlig klar, dass diese Figuren Spanien kein bisschen dabei helfen werden, wieder auf die Beine zu kommen. Diese Leute haben vor kurzem noch auf großen Fuß gelebt und sich mit Hilfe der plötzlich verteufelten Banken einen Lebensstil geleistet, der schlicht und einfach zu hoch war. Auch haben sie ihrer Regierung vor einiger Zeit noch zugejubelt, als sie soziale Wohltaten über das Land regnen ließ, die aber ebenfalls nur durch Kredite finanziert werden konnten. Und während die meisten Spanier heute das einzige tun, was ihnen hilft, nämlich arbeiten und Geld verdienen, glauben diese APO-Hippies, das nicht nötig zu haben. Schlecht bezahlte Jobs sind ihnen nicht gut genug und so machen sie sich lieber eine schöne Zeit auf der Puerta del Sol und bekommen nicht mit, dass die Mehrheit der Spanier längst wieder die Konservativen wählt. Wenn ihr sozialistischer Traum von Ökoworkshops und kostenloser Kinderbetreuung dann einmal zu Ende ist, werden sie sich wundern. Aber wenigstens sind sie auch dann noch die Schönsten.

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