In den Fünfzigern war der Opel Kapitän ein Status-Symbol. Seither befindet sich die Marke im Sinkflug. Selbst der Stammkunde Handelsvertreter düst heute lieber mit dem Dreier Kombi von BMW über die Autobahn. Auch die CDU stirbt den langsamen Tod des Handlungsreisenden. Sie unterscheidet nichts mehr von der Konkurrenz und der eigene Anspruch an die Qualität ist verloren gegangen. Das konservative Bürgertum in Deutschland ist ohne Heimat. 

Als die Kanzlerin zu den Gründen des Bremen Desasters gefragt wurde (immerhin blieb die CDU gemessen an den Wahlberechtigten deutlich zweistellig), bemerkte sie, man sei in einem Klärungsprozess wegen der Energiefragen. Wenn die entsprechenden Entscheidungen gefallen wären, dann würde man auch wieder Wahlen gewinnen. Das wird sich in Berlin zeigen, wo unter der Führung des Schultheiss-Berliners Frank Henkel der nächste Absturz in die Bedeutungslosigkeit droht.

Merkels Ägide begann mit dem berühmten Leipziger Reform-Parteitag, mit dem man Sozialstaat und das Steuersystem endlich auf Vordermann brachte. Der Kanzlerkandidat Stoiber verlor knapp die Wahl und fuhr ein Ergebnis ein, von dem Merkel im Anschluss nur noch träumen könnte. Stoiber scheiterte an zwei Faktoren. Ströbele war nicht mehr auf der Landesliste nominiert und holte ein Direktmandat, dass die Linkspartei zahlreiche Mandate holte (bei drei direkt gewählten Abgeordneten werden die restlichen Stimmen berücksichtigt) und Schröder hatte gerade bei Mobilcom 6.000 Arbeitsplätze gerettet (und Rot-Grün hatte exakt 6.000 Stimmen mehr).

2005 hatte die CDU ihr desaströses Ergebnis bereits der eigenen Unfähigkeit zuzuschreiben. Stoiber wurde nicht vergattert, sich zu entscheiden und als Merkel Kirchhoff aus dem Hut gezaubert hatte, fehlte ihr der Mut, sich mit Macht hinter ihn zu stellen.

Seither richtet die Frau sich nach der Demoskopie. Nur werden die Wahlergebnisse davon nicht besser. Die Meinungsumfragen versagen als Optimierungskriterium.

Auf diesem Weg hat die Frau ihre Partei systematisch inhaltlich entleert. Was bitte unterscheidet die CDU denn noch von SPD oder den Grünen? Fühlen wir uns anders regiert, als 2001 oder 2007?

Hat es eine “schwarz-gelbe” Aufbruchstimmung gegeben? Das Fukushima-Desaster ist vor allem ein CDU-Desaster. Denn wer die Atomkraft abschaffen will, wählt doch lieber gleich Grün.

Merkel taumelt orientierungslos durch ihre Krise und gibt alle Prinzipien und Grundsätze, die sie wohl stets nur vorgeschoben und nie geteilt hat, im Angesicht des nächsten “Deutschlandtrends” auf. Hilfsweise treten ein paar Banker oder EU-Politiker auf den Plan und lassen die arme Frau in einen Abgrund blicken, den nur sie selbst sieht. Sie kann es einfach nicht.

Merkel und ihre Partei sind nur noch beliebig, nicht unterscheidbar vom Wettbewerb. Wie Opel, eine Automarke, die sich nicht wie ehedem mit VW um den Platz 1 in der Zulassungsstatistik streitet, sondern heute in der alltäglichen Rabattschlacht mit den Hinterhofhändlern von Kia und Konsorten steckt. Dabei haben beide, Opel und Merkel, schon lange nichts mehr zu verschenken.

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