Die Hayek-Gesellschaft hatte in die feine Schweizer Botschaft geladen, die schon architektonisch im Band des Bundes dem architektonischen Größenwahn des “Band des Bundes” trotzt. Zu Ehren von Gerhard Schwarz, langjähriger Chef des Wirtschaftsressorts der NZZ hatte man eine 450seitige Festschrift begeben, in der der liberale Kosmos alter Schule sich die Ehre gaben. Selbst ein Beitrag von Otto Graf Lambsdorff ist noch dabei.

Eingedenk des Stils des Hauses und der Eleganz der Räume und der unwirklichen Tristesse vor der Tür kam dem Autor der Gedanken, gleich Asyl zu beantragen und das Haus gar nicht mehr zu verlassen. Wein und Buffet mögen diese Idee befördert haben.

Marc Studer, einer der beiden Herausgeber und Präsident der Schweizer Progress Stiftung empfahl uns Deutschen die Vorzüge der direkten Demokratie. Das Resultat spricht für sich. Zwischen 2003 und 2008 haben die Eidgenossen immerhin 20 Mrd. Franken ihrer Staatsverschuldung reduziert. Und auch 2010 (das konnte man soeben in der Online-Ausgabe der NZZ lesen) schlossen die Schweizer, die nach der kaufmännischen Buchhaltung bilanzieren, mit einem Gewinn von 4 Mrd. Franken ab.

Karen Horn, ehemals FAZ-Redakteurin und heute Leiterin des Berliner Büros des Instituts der deutschen Wirtschaft kam die Aufgabe zu, warme Worte für Schwarz zu finden, was sie mit Eleganz und warmen Herzen und viel Humor erledigte.

Gerd Habermann, der Motor der Hayek-Gesellschaft stellte schließlich Buch und Autoren vor. Besonders erwähnt sei der verehrte Vaclav Claus, der die interessante Hypothese vertrat, mit dem Rettungsschirm versuchten die Deutschen den Sieg der verlorenen Weltkriege nachzuholen. Deutschland kauft Europa. Ich fürchte, dieser Versuch endet im Desaster und Vermögensverlust, wenn der auch nicht mit den Tragödien der Weltkriege zu.

Auch der Berliner Professor Charles B. Blanckart ließ es sich nicht nehmen, das Wort zu ergreifen. Er wies auf das Schweizer und das Deutsche Wirtschaftswunder hin und darauf, dass wir von deren Ergebnissen heute noch profitieren. Nicht empfehlen konnte er der Schweiz den Beitritt zur EU, den er allenfalls als Ergebnis politischen Drucks sah, dem ja auch das Bankgeheimnis zum Opfer gefallen war.

Schwarz selbst ließ es sich nicht nehmen, seine Sicht des Liberalismus als zeitlose Idee zu sehen, die sich überall und jederzeit anwenden ließe. Mit Privateigentum, Wettbewerb als Machtvernichter und einem schlanken aber athletischen Staat wie er sagte.

Die Vorträge gibt es demnächst auf Video. Sie anzuschauen ist ein lohnendes Ergebnis. Nicht einfangen können sie die Atmosphäre liberaler Heiterkeit, die die Veranstaltung prägte. Und die mir in meiner grünen Hölle beim Blättern im kaufenswerten Buch (OLZOG Verlag) die Gewissheit gibt, dass ich doch nicht ganz alleine bin mit meinem liberalen Gedankengut. Im Gegenteil. Es gibt eine Vielzahl von Leuten, die der liberalen Sache anhängen und sogar offensichtlich noch ein wenig schlauer sind als man selbst.

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