Wenn das Programm einer politischen Partei dem Establishment nicht geheuer ist, nennt es sie populistisch. Das ist schön anrüchig und rückt einen gleich in die Nähe von Haider und LePen. Ausserdem braucht man sich mit den Inhalten nicht auseinanderzusetzen. Ein einfaches Igitt reicht. Das ist fast so gut wie die Immunisierungsstrategien im Fall Sarrazin. Sarrazin geht gar nicht.
Die Deutschen wechseln stattdessen in´s Lager der Nichtwähler. Und grummeln vor sich hin, weil sie die zunehmende Kluft zwischen Politik und Realität nicht mehr begreifen. Und vor allen Dingen nicht mehr tolerieren wollen.
Die “Euroskeptiker” sind auch keine Feinde Europas. Sondern in ihrer Mehrheit bloße Anhänger des Subsidaritätsprinzips. Nicht jede politische Entscheidung ist gut, nur weil sie in Brüssel gefällt wurde.
In der repräsentativen Demokratie haben die Repräsentanten die Demokratie aus den Augen verloren und flüchten sich in die Illusion der Demoskopie, die nichts mehr wiederspiegelt als ihre eigene Erwartung. Denn man bekommt nur Antworten auf die Frage, die man gestellt hat.
Das Nullsummenspiel der Demoskopen wird dabei geflissentlich übersehen. Was die eine Partei verliert, muss eine andere gewinnen. Nichtwähler und Verdrossene werden nicht zur Kenntnis genommen.
So sind die Populisten von Blocher über Wilders bis hin zu den wahren Finnen wahrscheinlich die einzige Möglichkeit der Rettung der repräsentativen Demokratie. Weil sie den gesunden Menschenverstand wieder hoffähig machen und die Raumschiffe Berlin und Brüssel zwingen, wieder auf der Erde zu landen.






3 comments
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22. April 2011 at 12:27
Marcus
Die Frage ist nur, ob diese Euroskeptiker jenseits ihrer Ressentiments auch so was wie einen politischen Plan haben.
Was hätte ein Wilders denn gemacht, wenn er in Holland 50%+X bekommen hätte? Er hätte die Kopftuchsteuer eingeführt, die ohnehin kaum mehr vorhandene Immigration aus Nordafrika vollends gestoppt. Und dann? Dann wäre er mit seinem Latein am Ende gewesen. Für das danach hat er nämlich keine Idee.
Darum werden diese Leute ja mit einigem Recht Populisten genannt. Die etablierten Parteien bauen sicherlich auch Scheisse. Aber dort gibt’s eben auch ein paar Leute, die sich tatsächlich über grundlegendes Gedanken machen. Reform des Sozialstaats, eine nachhaltige Energiepolitik, eine vernünftige Wirtschaftspolitik, die Modernisierung der Einwanderungspolitik – darüber sind diese Populisten doch erhaben. Deshalb dienen sie nur als Schreckgespenst für die anderen, nicht aber als wirkliche Alternative.
22. April 2011 at 15:11
Milfweed
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Dann wäre er mit seinem Latein am Ende gewesen. Für das danach hat er nämlich keine Idee.
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Also Wilders, im Gegensatz zu anderen Rechtspopulisten, hat ein stark ausgeprägtes philosophisches Fundament. Auf dieses können sich seine Wähler verlassen, im Gegensatz zu allen anderen Politikern, auch den “moderaten Mitte” Politikern.
Was sind denn die Ideen (im Sinne von Grundidealen) der Merkels, Westerwelle und Gabriels? Sie hatten nie welche gehabt, werden nie welche haben und würden sie letztlich eh nur verletzen. Auf Schnapsideen kann ich getrost verzichten! Du?
Dann lieber die Wagenknecht. Da weiß man wo man ist.
Wilders ist kein üblicher Politiker. Er ist vor allem ein Denker und jemand, der von seinen Ansichten überzeugt ist. Seine Reden sind großartig und wegweisend für die offene Gesellschaft. Auf youtube kann sich jeder, abseits von Spon und Co., davon überzeugen.
Er hätte immer “Ideen” gehabt. Die politische Gestaltung ist dann Detailsache und nur noch Flicken. Das Problem heutiger Poltiker ist, dass sie sich nur noch um die Ausführungen und die Details beschäftigen und ersteres, das Fundament, auslassen.
Wo sind die tollen Reden, die einst Reagan und andere hielten, nur geblieben? Heut wird in Auseinandersetzungen mit Zahlen und Steuersätzen jongliert. Mit so einen Scheiß beschäftigt sich Wilders nun einmal nicht. Jeder Vollidiot kann anhand seiner Reden erkennen, dass er sicherlich kein Freund einer 70 % Staatsquote ist und dies auch, wenn in der Mehrheit, abschaffen wird.
Bei der FDP kann man das nicht erkennen! Sie haben niemals, never, ever, eine Rede gehalten in der sie das Individuum vor den Staat gesetzt haben und das jeder ein Recht auf sein eigenes Leben hat.
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Reform des Sozialstaats, eine nachhaltige Energiepolitik, eine vernünftige Wirtschaftspolitik, die Modernisierung der Einwanderungspolitik
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Mal in’s Parteipogramm von Partij voor de Vrijheid schauen. Dürfte nicht schaden!
23. April 2011 at 18:55
Marcus
Die Kopflumpensteuer ist also wegweisend für die offene Gesellschaft? Das Polemisieren gegen Einwanderer ist wegweisend für den vergreisenden Kontinent? Und Wilders ist gegen eine hohe Staatsquote? Er war es doch, der sich gegen die Erhöhung des Rentenalters und für möglichst viele Sozialleistungen (natürlich nur für Antje und Henk) ausgesprochen hat, und damit die ganzen ehemaligen Wähler der PvdA eingefangen hat. Nachhaltig – um dieses abgeluschte Wort zu benutzen – ist all das nicht. Darum ist Gerdiboy ja jetzt auch sehr froh, dass er die Regierung zwar unterstützt, aber nicht selbst mitregieren muss.
“Was sind denn die Ideen (im Sinne von Grundidealen) der Merkels, Westerwelle und Gabriels?”
Dieser Politiker-Bashing ist billig. Ich gestehe allen dreien zu, dass sie Grundideale haben. Wobei man Abstufungen vornehmen kann. Westerwelle halte ich für intellektuell nicht satisfaktionsfähig. Einen Hayek wird der nie gelesen haben. Die philosophische Grundhaltung hinter “Steuern runter” ist bei ihm wohl tatsächlich nicht vorhanden. Merkel dagegen ist schlauer, aber eben ein Fähnchen im Wind. Machterhalt pur, kein Projekt, kein Nichts. Die Fleisch gewordene Demoskopie. Wenn sie 2013 weg sein sollte, was bleibt dann von ihr? Ich meine, im Vergleich zu Schröder, dessen Kanzlerschaft ja auch kein Feuerwerk war, aber Kosovo, Afghanistan, Irak-Nein, Hartz, Staatsbürgerschaftsgesetz, Zuwanderung, Gleichstellung etc.. – da war doch was. Bei Merkel: Leere. Und der Dicke von den Sozis? Naja, intellektuell ist er auf der Höhe, aber eben ein impulsiver Haudrauf vor dem Herrn. Wenn künftig die Grünen die Fortschrittsfeindlichkeit auf der Linken vollends durchsetzen werden, ist für gabriel sowieso nichts mehr zu holen. Wobei er, siehe FAZ-Interview, im hyserischen Atomklima dieser Tage tatsächlich wie das letzte Fünkchen Vernunft erscheint. Das scheint die Zukunft: Die Grünen als Konservative auf Links, die CDU in der wabernden Mitte, die FDP tot, die Linken scheintot und die SPD als 20%-Pseudolinkspartei, die die rechte Mitte abdeckt.