Dass ein Minister a.D. zu seinem früheren Fachgebiet spricht, verstößt gegen die parlamentarischen Gepflogenheiten. Wenn der Mann Steinbrück heißt, dann hebt sich das rethorische Niveau des Hauses um ein vielfaches und es ist ein Vergnügen ihm zuzuhören, selbst wenn er das Richtige aus falschen Gründen fordert. So gesehen heute bei der Diskussion um den Genickbruch Europas, des sogenannten Stabilisierungsmechanismus. Denn gerettet werden müssen nicht Griechenland, Irland, Portugal, Belgien, Italien oder Spanien. Sondern die Banken, die ihnen zu leichtfertig zu viel Geld geliehen haben. Und die sitzen in London, Frankfurt und Paris.

Das Dilemma der europäischen Staatenlenker ist dabei vergleichbar mit dem des Freiherrn von Guttenberg, der erst bei der Lektüre der eigenen Doktorarbeit erkennen musste, dass sie falsch und abgekupfert war. Der Mann konnte nicht mehr zurück.

Steinbrücks Korrekturwunsch, die Gläubiger an der Umschuldung der Euro-Staaten zu beteiligen, würde den Rettungsschirm nämlich überflüssig machen, weil im Einzelfall wie im Pariser oder Londoner Club Laufzeitverlängerung, Zins- oder Forderungsverzicht verhandelt würden. Damit könnte man in den jeweiligen Ländern den Druck aus dem Kessel nehmen und deren Anpassungsmaßnahmen wären moderat.

Gleichzeitig hätten die internationalen Großbanken, die während der Finanzkrise Staatspapiere gebunkert haben, ein Problem. Denn die müssten die Wertpapiere der Problemstaaten abwerten und schon wieder entstünde ein Verlust, den der Steuerzahler tragen müsste.

So hofft man mit diesem Taschenspielertrick eine solche Abwertung zu verhindern und nicht wieder bei den Banken in Haftung genommen zu werden. Weil die aufgezwungenen Sparmaßnahmen aber von den Griechen nicht zu schultern sind und die Iren ihren einzigen Wettbewerbsvorteil, ein leistungsfähiges Steuerrecht, nicht drangeben wollen, erkaufen wir uns mit Steuergeld einfach Zeit. Zuviel Steuergeld, zu wenig Zeit. Daran ändert auch Steinbrücks geschliffene Rethorik nichts.

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