Meine Meinung zur Kernkraft? Ich habe mich am 29. April 1986 auf einem südbayrischen Spielplatz aufgehalten, mein vorzeitiger Krebstod war laut den Experten von IPPNW und Greenpeace so sicher wie der Sarkophag von Tschernobyl. Das prägt. Mit den mit hysterisierten Panikdeutschen, für die Fukushima überall, aber vor allem zwischen Neckarwestheim und Gundremmingen liegt, möchte ich mich trotzdem nicht gemein machen.

Während die Menschen in Japan noch um das nackte Überleben kämpfen posieren deutsche AKW-Gegner grinsend für die Kameras. Die „Mahnwachen“, die im ganzen Bundesgebiet wie Shitakepilze aus dem Boden schießen, nehmen sich oft genug wie verspäteten Karnevalsumzüge aus. Um das Leid der Japaner geht es dabei kein Stück, sondern um politische Agenden und selbstbezogener „German Angst“. Ansonsten dominiert der Eventcharakter. Vor ein paar Monaten rannte man mit Deutschlandfähnchen durch die Gegend, heute lässt man es auf der Anti-AKW-Demo krachen und morgen legt man eine „Earth Hour“ gegen den Klimawandel ein. Apropos: Die Steinkohlelobbyisten haben bereits einen Tag nach dem Unglück beweisen, dass sei nicht nur Dreckschleudern sondern auch Charakterschweine sind und auf jeden Leichenzug aufspringen, wenn es ihrem schmutzigen Geschäft nutzt. Die fossilen Luftverpester und Subventionsschmarotzer haben sich schon mal großzügig bereit erklärt, den Ausfall der deutschen Alt-Meiler zu kompensieren.

Klimawandel ist out, Atomhysterie ist in. Das gilt auch für unsere Medien. Die Qualitätsjournalisten schwanken zwischen aufgeregt-ahnungslos und arrogant-unempathisch. Wer sich wirklich informieren will schaut NHK, CNN und BBC. Die deutschen Reporter und die von ihnen zu Rate gezogenen “Experten” ignorieren die schrecklichen Folgen von Erdbeben und Tsunami gekonnt und belehren unterdessen lieber die ganze Welt über die Gefahren der Kernenergie. Chinesen und Inder sind natürlich verantwortungslos, wenn sie jetzt noch neue AKWs bauen wollen. Was nicht erwähnt wird ist, dass jährlich 6000 chinesische Kumpel in Steinkohleminen verrecken. 1979 starben 2000 Inder weil ein Staudamm brach. So viel zur sicheren Wasserkraft.

Kann man eigentlich noch für einen Ausstieg aus der Atomkraft sein wenn man sich damit in die Gesellschaft von Leuten begibt die Jodtabletten und Geigerzähler kaufen, weil am anderen Ende der Welt ein AKW havariert? Gestern wollte der politisch korrekte Ökomob den „Klimawandelleugnern“ an den Kragen, heute will er Atomkraftbefürworter nach Fukushima deportieren. Obwohl es die Japaner eigentlich auch nicht anders verdient haben, das ist die Rache der Wale. Wo der Überlegenheitsdünkel der Ökogutmenschen seine hässlichen Blüten treibt, da ist die Sprache der Unmenschen nicht weit.

Spaß macht die Pose des moralischen Siegers allerdings nur, wenn man sich nicht in die Niederungen der ganz realen Energiepolitik begeben muss. Kernkraft ist unberechenbar und gefährlich? Der Ansicht kann man wahrlich sein. Also Back to the Future und ran an die fossilen Brennstoffe? Erderwärmung und Luftverschmutzung sollten doch eigentlich jedem aufrechten Naturfreund ein Begriff sein. Wasserkraft? Wenn man bereit ist ganze Ökosystem zu zerstören, warum nicht. Dann eben nur Wind und Sonne! Klar, wenn sich Deutschland vorher deindustrialisiert könnte das klappen.

Schwierig das ganze. Deswegen ist man auch lieber dagegen als dafür. Sogar der Ökostrom kann es unseren Umweltaktivisten nicht Recht machen. Grüne Energie? Ja bitte! Aber nicht wenn vor der eigenen Haustür ein paar Baustellen drohen. Die Klimaretter von gestern sind die AKW-Gegner von heute und die Speicherkraftwerkverhinderer von morgen. Hauptsache man hat was für die Umwelt getan.

Letztlich ist das ganze Theater um den deutschen Ausstieg aus dem Ausstieg ohnehin völlig überzogen. Unsere Nachbarn setzen auf Atomstrom und globale Schwergewichte wie die USA, China und Indien auch. Da kann die teutonische „Nein Danke“-Front so viele Menschenketten bilden wie sie lustig ist. Die Kernkraft wird uns noch sehr lange erhalten bleiben, ob uns das passt oder nicht. Niemand muss die AKWs lieben lernen, aber leben werden wir mit ihnen müssen. Nur der deutsche Öko-Michel hat das noch nicht kapiert und ist davon überzeugt, dass die Welt an seinem Wesen genesen werde. Also geht er mutig voran: Atomstrom nimmer, Wind und Sonne immer. Und wenn das nicht reichen sollte um, sagen wir mal den Bundestag mit Elektrizität zu versorgen und Jürgen Trittin sich wieder ganz doll aufregt, dann kaufen wir ein bisschen was dazu, zum Beispiel aus garantiert nicht TÜV-geprüften osteuropäischen Meilern. Aber keine Angst, nicht aus dem AKW Tschernobyl, das ist seit 2000 endgültig vom Netz.