Jetzt rumort es also auch in Oman. Seltsam eigentlich, denn das Wüstensultanat war erst vor wenigen Tagen in führenden deutschen Qualitätsmedien (hierhier und hier*) als “sehr sicheres”  Urlaubsland für westliche Touristen empfohlen worden. “Die Kriminalität ist niedrig, die politische Lage stabil” hieß es da unisono, denn alle hatten denselben Text der dpa samt hübscher Bilderstrecke abgedruckt. Nun wäre das nichts weiter als ein dummer Zufall, wenn es besagter Artikel bei dieser Aussagen belassen und sich im folgenden darauf beschränkt hätte, die übliche Klischeeparade mit gastfreundlichen Beduinen, majestätischen Dünen und lebendigen Soukhs abzufeiern. Unglücklicherweise fühlten sich die Redakteure der Nachrichtenagentur aber dazu berufen, die Ursache für die vermeintliche Stabilität näher zu erläutern:

Grund dafür ist auch die Politik des Alleinherrschers Sultan Kabus. Er hat den Spagat zwischen arabischer und westlicher Kultur geschafft und sich weitgehend aus internationalen Konflikten herausgehalten. Zudem hat er sein Land von innen umgekrempelt. Als er seinen Vater vor 40 Jahren aus dem Amt jagte und die Herrschaft übernahm, gab es in Oman zehn Kilometer geteerte Straßen, zwölf Krankenhausbetten, keine öffentlichen Schulen, und die meisten Menschen waren Analphabeten. Heute sind sämtliche Städte Omans mit Asphaltstraßen verbunden, Schulen gibt es auch in kleinsten Bergdörfern, und selbst in abgelegenen Regionen stehen Krankenhäuser. Erdöl hat vielen Bewohnern Wohlstand beschert.

Ein Alleinherrscher der Autobahnen baut, das muss ja ein toller Kerl sein, dieser Sultan Kabus.

Und genauso sehen das laut dpa auch seine Untertanen:

So wie die Omanis von “ihrem Sultan” sprechen, möchte man an das Märchen vom guten König glauben.

Vielleicht sollte mal jemand den deutschen Journalisten erklären, dass es sich in autokratischen Staaten schlicht nicht empfiehlt, lauthals Kritik am Herrscher herumzutrompeten, schon gar nicht gegenüber Fremden. Hinzukommt, dass offene Kritik an der eigenen Gesellschaft in der arabischen Welt immer noch als Nestbeschmutzung gilt und vor Ausländern eher nicht praktiziert wird, auch wenn sich letzteres zum Glück langsam zu ändern scheint. Das ist übrigens auch der Grund, warum unsere Medienschaffenden so selten böse Worte über Hamas oder Fatah von den Menschen in Gaza-Stadt und Ramallah zu hören bekommen. Nach mehreren Dekaden Erfahrung mit den Diktaturen des Orients könnte das doch eigentlich mal jemandem auffallen.

Ein kurzer Blick auf die Website von Amnesty International hätte genügt um zu merken, dass in Oman trotz Wüstenklima nicht alles eitel Sonnenschein ist. Anstatt die Reisekatalogprosa von dpa unverändert zu übernehmen, hätte man in den Redaktionsstuben unserer Qualitätsmedien die Lobhudelei auf den geliebten Sultan einfach streichen, oder gar ein paar kritische Worte zur politischen Situation anfügen können. Kaum ein Artikel über das Reiseland Israel, der einzigen Demokratie der Region, kommt ohne langatmige Erörterungen zum Nahost-Konflikt  aus. Da wäre es umso angebrachter gewesen bei einer arabischen Monarchie in der Sharia-Recht gilt etwas kritischer hinzuschauen.

*Die SZ hat den Artikel mittlerweile entfernt und bringt nur noch die Bilderstrecke.

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