Wolfram Weimer lässt die Leser bei Facebook diskutieren, ob Guttenberg zurücktreten soll. Abgesehen von der Frage ob oder nicht erschließt er sich und dem Journalismus eine neue Form der Meinungsbildung abseits der Redaktionsstube. Guttenberg ist das erste Opfer, denn als er diverse Textbausteine zu einer Doktorarbeit zusammenstellen ließ, konnte derjenige, der es für ihn ziemlich nachlässig tat, nicht ahnen, dass der Mann mal zur Hoffnung des Konversativismus aufsteigen würde und deshalb die Aufmerksamkeit eines mit der Linkspartei symphatisierenden Jura-Professors aus Bremen (hätte man sich ja denken), der zu den Mitbegründern des Ypsilanti-Think-Tanks gehörte.

Auch im Iran und im Maghreb soll die Pinnwand-Kommunikation á la Facebook ja die Revolution befördert haben. Nun käme es darauf an, daraus eine veritable Demokratie zu machen. Hier wie dort.

Denn dass die repräsentative Demokratie daran leidet, dass der Repräsentant sich zuweit von demjenigen entfernt hat, den er repräsentiert hat, ist eine Seite der Medaille.

Andererseits ist es wohl Zeit für eine neue Evolutionsstufe des freiheitlichen Rechtsstaates, in dem die digitale Welt mehr Chancen zur Meinungsbildung und Mitwirkung der Bürger bei den Entscheidungsprozessen bietet.

Die Mechanismen des verfassten Parlamentarismus stammen aus dem Zeitalter der Dampflok und sind dem digitalen Zeitalter längst nicht mehr gewachsen. Das Haushaltsrecht plant Staatsausgaben für 23 Monate im Voraus, während in der realen Welt “Just in Time” produziert und im Nachtsprung geliefert wird.

Nach der Welt und der Gesellschaft muss auch die Demokratie digital werden.

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