Lässt man die Potentaten gewähren, versorgt sie mit ausreichend Milliarden etwa im Ölgeschäft und hofiert sie bei gelegentlichen Staatsbesuchen, ist es falsch. Marschiert man ein, befreit das Volk und hofft auf Demokratie, findet das die westliche Öffentlichkeit auch nicht richtig. Wie die Iraker es sehen, dass Saddam seit bereits 9 Jahren nicht mehr über sie herrscht, wissen wir nicht. Allerdings könnte unsere Weltsicht dadurch geprägt sein, dass gelegentliche Selbstmordattentate bei uns im Fernsehen zu besichtigen sind. Im Gegensatz zu den Morden, Massakern, Folterungen und Hinrichtungen des Regimes, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Würde auch nichts nützen, dass die Taliban das Stadion dazu nutzten, gleich mehrere Delinquenten gleichzeitig am Fußballtor aufzuknüpfen, hat ihrer Reputation hierzulande auch nicht nachhaltig geschadet.

Die Revolution auf dem Mahgreb stürzt uns in ein noch grösseres Dilemma. Denn nun endet unsere Symbiose mit den nordafrikanischen Potentaten. Die wurden durch das Geld, das wir ihnen für ihr Öl lieferten, immer reicher. Und hatten keine Schwierigkeiten, den Repressionsapparat für die eigene Bevölkerung zu finanzieren, von deren Wertschöpfung sie ja schließlich nicht abhingen. Die Lage war “stabil” und der ohnehin vorhandene Polizeiapparat konnte in den Mittelmeerländern gegen entsprechende Gebühr aus den EU-Schatullen gewinnbringend dazu eingesetzt werden, die Afrikaner daran zu hindern, mit Seelenverkäufern zu versuchen, die Küsten Europas zu erreichen, um hier mit ein wenig Schwarzarbeit ganze Landstriche zuhause zu ernähren.

Über die wirtschaftliche Lage im Irak hört man nichts, aber man kann sicher sein, dass wir alles darüber wüssten, wenn sie desaströs wäre. Trotzdem muß man George Bush vorhalten, dass er strategisch richtig gedacht hat, taktisch falsch handelte und operativ versagte. Hätte er Libyen oder Ägypten auch noch befreit, wäre Gerhard Schröder vielleicht immer noch Bundeskanzler.

Die gar nicht so friedlichen Revolutionen bedeuten für uns, dass der bequeme Status des Dilemmas vorbei ist. Die Orientalen kriegen Menschenrechte. Was sie damit anstellen können, ist ungewiss.

Das kann insbesondere für Israel unruhige Zeiten bedeuten. Je mehr Agypter, Libyer und all die anderen damit beschäftigt sind, ihren eigenen Wohlstand aufzubauen, desto weniger werden sie die Israelis für ihre Armut verantwortlich machen.

Als Nachkommen einer Nation, die in Europa vor nur sechzig Jahren ziemlich viel Unheil angerichtet haben, sollten wir uns in ein wenig mehr Demut üben. Auch gegenüber George Bush. Und uns fragen, ob der Friedensnobelpreisträger Obama bisher vielleicht irgend etwas besser gemacht hat.

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