Meinungsumfragen werden in der politischen Diskussion für bare Münze genommen, obwohl sie nichts weiter reflektieren als die Erwartung der Befrager. Vergleicht man die Umfrageergebnisse in Hamburg mit den realen Ergebnissen, so kann man mit Sicherheit nur eines feststellen: Dass das prognostizierte Ergebnis nie eintrifft und die Grünen in der Umfrage fast doppelt so gut abschneiden wie in der Realität. Je näher der Wahltermin wird, desto geringer das Umfrageplus.

Das ZDF-Politbarometer taxierte die Grün-Alternative Liste am 01. Dezember 2010 bei 21%. Sie bekamen 9.8% weniger. Bezogen auf das eigentliche Ergebnis hat sich das ZDF um satte 87.5% verschätzt. Eine Woche vor der Wahl vermuteten die Forscher 30% mehr Wähler für die Grünen. Insgesamt wies das reale Wahlergbnis eine andere Verteilung auf: Summiert man die Differenzen zwischen Prognose und Wahlausgang so beträgt die Differenz zum Politbarometer 22.7%, um die sich die Befrager verschätzt haben. Nimmt man die Wahlumfrage vom 11.02. zum Maßstab (also eine Woche vorher), dann sind es immer noch 8.8%-Punkte Differenz.

Die Verteilung der Abweichungen ist allerdings tendenziös. Während die Grünen notorisch überschätzt werden, trifft für die Liberalen das Gegenteil zu. Das Wahlergebnis der FDP wurde im Dezember 2010 um fast 40% zu niedrig eingestellt und auch eine Woche vor der Wahl traute das Politbarometer der FDP fast 25 % weniger Wähler zu als sie tatsächlich bekam.

Da stellt sich schon die Frage, ob die staatsgläubigen Demoskopen mit der Umfrage nicht gezielte Politik machen und Wahlen mit Stimmungsmache beeinflussen wollen, ganz neben der Frage, ob die Umfrageergebnisse irgendeine Realität abseits der erwarteten Stimmung abbildet.

Wie bereits früher dargestellt, ist einer der konstruktiven Mängel der Demoskopie, dass die Nicht-Wähler nicht ausgewiesen werden: Das System verkommt zum Nullsummenspiel, bei dem die eine Partei das gewinnt, was die andere verliert. Dabei verlieren alle Parteien dauerhaft und ständig an die Nichtwähler, die längst die grösste Partei für sich darstellen. Bei allen Wahlen.

Da zählt auch das Argument von der zunehmenden Volatilität nicht viel. Denn bei der CDU lagen die Forscher bereits am 1.12. fast richtig: 22% wurden damals vermutet, 21.9% lautet das Ergebnis. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. (Vor einer Woche sah die Sache schlechter aus: Da sah man die Partei bei 23%).

So entpuppen sich auch die Schwankung in den Umfragen nicht als ständiger Wechsel des Wählerwillens sondern als bloße Willkür.

P.S.: Leser dieses Blogs konnten ahnen, dass der geplante grüne Seitenwechsel schief gehen könnte.

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