Die “umstrittene Grundschullehrerin” Ursula Sarrazin hat schon im November ihre Beurlaubung beantragt, um kurz vor Erreichen des sechzigsten Geburtstags mit ihrem sechs Jahre älteren Mann einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Da erscheint die Kampagne, die die Frau über sich ergehen lassen musste, in einem ganz anderen Licht. Denn nun ist klar, dass die Familie Sarrazin die Blöd-Zeitung und die BZ bestimmt nicht auf den Plan gerufen hat. Auch die aufgeklärten Journalisten vom Berliner “Tagesspiegel”, die vom Chefredakteur angefangen, die Hatz auf die “umstrittene Lehrerin eröffnet hatten, müssen sich fragen lassen, ob sie nicht einfach völlig daneben lagen.

Gegenstand der Berichterstattung war bisher kein formales, rechtsstaatlich begründetes Verfahren, in dem die Frau die Chance gehabt hätte, sich gegen mögliche Vorwürfe ordentlich zur Wehr zu setzen.

Stattdessen trat der Vorsitzende des Landeselternausschusses auf den Plan. der früher einmal Elternvertreter an der fraglichen Schule gewesen sei. Er war der Kronzeuge, ohne den die Boulevard-Presse kein Kanonenfutter gehabt hätte. Dass weder Thilo Sarrazin noch seine Frau die Boulevard-Presse angefixt haben, kann nun als gesichert gelten. Wer denn sonst, wenn nicht der alerte Landeselternausschußvorsitzende, der dafür gar kein Mandat hatte.

Bei einem Elternabend zur besorgniserregenden Rolle der strengsten Lehrerin aller Zeiten tauchten wohl allenfalls 15 Eltern auf, während die Dame entsprechend der Berichterstattung 100 Schüler unterrichtet.

Ein Beschluss der Gesamtelternvertretung der Schule, möglichen Vorwürfen gegen die Pädagogen nachzugehen, liegt nicht vor. Es gibt bisher kein ordentliches Dienstaufsichtsbeschwerdeverfahren gegen Frau Sarrazin, dass zum Erfolg geführt hätte oder aber auch nur laufen würde.

Alleine in Berlin gibt es einige tausend Lehrer. Von meiner Tochter, die hier im 11. Jahr eine öffentliche Schule besucht, weiß ich von vielen, die der Aufgabe nicht gewachsen sind. Teils versuchen sie ihre Unsicherheit mit überzogener Autorität zu überspielen, manchmal sind sie schlich unfähig, gerade in der Grundschule selbst scheinbar einfache Inhalte zu vermitteln, die für die Schüler natürlich eine Herausforderung bedeuten. Sehr viele sind nach meiner Erfahrung ungerecht und nicht in der Lage, die Leistung der Schüler fair zu benoten.

Es ist dringend geboten, endlich darüber zu diskutieren, wie man schlechte Lehrer aus dem Schuldienst entfernt und gute belohnt. Aber darum geht es den versammelten Feulletionisten und auch den selbsternannten Elternvertretern nicht. Sie haben ein Feindbild und das heißt Sarrazin. Das ist mir zu dürftig.

About these ads