Ohne Männer wie Jorgo Chatzimakakis und Jean-Claude Juncker sähe Europa anders aus: Mit Pickelhauben bewehrte Deutsche säßen in flandrischen Schützengräben und würden regelmäßig mit dem Bajonett auf ihre französischen Gegenspieler zustürmen. Außerdem gäbe es keinen freien Markt, die Menschen wären alle zu dick, ein ewiger Klassenkampf zerrüttete den Kontinent und vor allem brennten überall Glühbirnen.

Juncker und der deutsch-griechische FDP-Abgeordnete Chatzimakakis sehen sich selbst als unverzichtbare Vertreter der euro-föderalistischen Idee und sind damit die Lieblinge des Spiegels, eines der Meinungsverbreitungsinstrumente, das konsequent die Werbetrommel für den Brüssler Filz rührt. Zum Dank gibt es dann Statements und Interviews, der Luxemburger Premierminister ließ sich jetzt mal wieder zu einem ausführlichen Gespräch mit den Freunden aus der Brandstwiete herab und erörterte seine Vorstellungen zum Thema Europa. Der Mann mit dem lustigen Akzent und den vollendeten Umgangsformen, den das luxemburgische Satiremagazin “Den neie Feierkrop” liebevoll “Bokassa” nennt, teilt den europäischen Steuerzahlern mit, dass sie weitere Milliarden für Regierungen aufbringen sollen, die jahrelang auf Pump lebten und einen Wohlstand vorspielten, der in Wirklichkeit nie erarbeitet worden war. “Tabuzonen” dürfe es nicht geben, weitere Bailouts seien dringend nötig. Und wer dieser Idee nicht zustimmt, der ist eben ein Populist, im aktuellen Neusprech also eine Art Nazi.

Etwas bewegt Juncker aber noch mehr: Seine Befürchtung seine Fähigkeiten könnten unterschätzt werden:

Weiter beklagte sich Juncker, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Kanzlerin Angela Merkel ihn vor gut einem Jahr bei der Besetzung des Postens des EU-Ratspräsidenten übergangen haben. “Mit wurde nie erklärt, warum ich dieses Amt nicht antreten durfte, obwohl die meisten Regierungen in Europa dies wünschten”, sagte Juncker. “Ich hätte diese Aufgabe gern übernommen.”

Der Mann hat ja sonst nichts zu tun. Premierminister, Chef der Eurogruppe, Mitherausgeber des Rheinischen Merkur, bis 2009 auch noch Finanzminister – das kann einen Riesenstaatsmann wie Juncker doch nicht ausfüllen. Zugegeben, von einer erbärmlichen Figur wie Herman van Rompuy überflügelt zu werden, dürfte schon schmerzen.

Ins gleiche Horn bläst der FDP-Mann Chatzimakakis, der sich -flankiert von den Politrentnern Genscher und Baum- über einen “deutschen Währungspopulismus” erregt und Genschers Devise “Was gut für Europa [gemeint ist die EU] ist, ist gut für Deutschland” zur Leitlinie seiner Partei erheben lassen möchte. Unerwähnt bleibt, dass Chatzimakakis eine der größten Knallchargen seiner Partei ist, dessen Loyalität eher der lockeren Ausgabenpolitik des griechischen Staates als seinen eigenen Wählern gilt. Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise fantasierte Chatzimakakis bei “Hart aber Fair” von einer angelsächsischen Verschwörung, die die Zerstörung der EU und die Vernichtung des Euros zum Ziel habe.

Spiegel Online hält nicht viel von der Trennung zwischen Meldung und Kommentar. In diesen beiden Fällen war es aber unnötig, einen Redakteur mit dem Verfassen von weiteren Belehrungen an die Leserschaft zu beauftragen, denn Juncker und Chatzimakakis verbreiten genau das, was die Leute des Online-Magazins sonst auch so fleißig verbreiten.

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