Die Ökonomie träumte stets davon, eine Wissenschaft zu sein. Dazu erfand man den Homo Oeconomicus, der über das vollständige Wissen verfügt und immer rational handelt. Das macht ihn berechenbar und die Mathematik kann als Hilfswissenschaft in der Nationalökonomie den Eindruck befördern, man brauche nur an dem ein oder anderen Schräubchen zu drehen, und schon stellt sich ein oder zwei Prozent Wachstum ein. Doch das ist ein fataler Irrtum.

Natürlich trifft der Mensch seine ökonomischen Entscheidungen, in dem er sein Wissen einsetzt. Nur ist das nicht vollständig sondern unvollkommen. Deshalb behilft er sich mit einer Erwartung. So entscheidet der Hausbesitzer über die Menge des einzukaufenden Heizöls in Erwartung der globalen Erderwärmung anders als wenn er einen kalten Winter befürchtet. Und die von ihm erwartete Preisentwicklung hat ebenfalls einen Einfluss auf die Menge, die er bei seinem Lieferanten ordert.

Der Lieferant wiederum möchte möglichst viel Öl auf einmal verkaufen, um seine Liefer- und Transportkosten zu senken. Deshalb gewährt er dem Käufer, der besonders viel kauft, einen Rabatt. Dieser Rabatt stellt für den Käufer einen Anreiz dar, seine ursprüngliche Einschätzung zu verändern und eine größere Menge zu kaufen, als er eigentlich vorhatte.

Um das Verhalten von Bürgern und Unternehmen zu beeinflussen, versucht der Staat und auch die Zentralbanken, Anreize zu setzen, etwa durch Subventionen (siehe Solardächer), Steuern oder die Höhe der Zinsen.

Chancen und Risiken sind aber auch Anreize. Neben der Chance, einen Gewinn zu machen, muss auch immer das Risiko bestehen, bis hin zur Insolvenz einen Verlust zu erzielen. Das macht vorsichtig. Zins und Gewinn sind auch eine Risikoprämie.

Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die ökonomische Lage, so wird deutlich, dass eingedenk der “grössten anzunehmenden Wirtschafts- und Finanzkrise” (GRÖWIFI) einiges durcheinander geraten ist.

Da ist zuvorderst das Anreizsystem der Finanzwirtschaft, das völlig aus den Fugen geraten ist. Zunächst einmal erhält die zu Null Kosten so viel Geld, wie sie haben will. Das, was v. Hayek die “perverse Elastizität der Kreditnachfrage” nennt, wird durch die Null-Zins-Politik noch konterkariert.

Für die Finanzwelt ist jedes Geschäft profitabel, das einen höheren Gewinn als 0% abwirft. Bleibt das Verlustrisiko. Doch das besteht mittlerweile auch nicht mehr. Denn die Banken werden im Zweifelsfall ja gerettet und für die Staatsanleihen übernehmen andere Staaten die Garantie. So entsteht kein Anreiz, mit Geld sorgsam umzugehen und es nur an den zu verleihen, von dem man e r w a r t e t, dass er es zurück zahlen kann.

Der schöne Effekt an der Angelegenheit ist, dass die Staaten sich das vorher selbst gedruckte Geld auf diesem Wege bequem selber leihen können.

Je länger der Zustand anhält, kann man hoffen, dass das Ganze ohne Big Bang abgeht. Aber diese Hoffnung ist eine trügerische Erwartung, die vermutlich nicht eintritt.

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