Auf Deutschlands Strassen sind noch nie so wenige Menschen zu Tode gekommen oder verletzt worden wie 2010.  Trotzdem sind 90% aller Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. Dem will eine “Expertenkommission” jetzt zu Leibe rücken: Mit 0-Promille-Grenze, Tempo 30 innerorts und 130 auf Autobahnen und generellem Telefon-Verbot. Absurd. Denn das eine hat mit dem anderen wohl kaum etwas zu tun.

Denn wenn jemand alkoholisiert auf der Landstrasse mit überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum prallt, hat er schon gegen die 0,5 Promille Grenze und das geltende Tempolimit verstoßen. Und wenn ein Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen einen Fahrrad-Fahrer übersieht und der unter dem Laster zerquetscht wird, nützt auch kein Tempo 30 in der Stadt. Das “menschliche Versagen” äußert sich eben auch darin, dass man beim Linksabbiegen den Gegenverkehr übersieht, bei einer roten Ampel nicht rechtzeitig bremst und auf den Vordermann auffährt oder eine Vorfahrtsregel missachtet. Wer den Fahrer nicht ablenken will, muss ihm nicht nur das Telefonieren verboten. In jedem Fahrzeug wäre ein Schild anzubringen: “Während der Fahrt ist das Sprechen mit dem Fahrer verboten”. Und die Bedienung des Navigationssystems dürfte wohl auch nur im Stand bei abgestellten Motor erlaubt sein.

Die sichersten Strassen die es gibt, sind die, auf denen nicht immer ein Tempolimit gilt: Die Autobahnen. Und bei den meisten schweren Unfällen dort sind LKWs involviert. Wenn aber ein übermüdeter LKW-Fahrer das Ende eines Staus übersieht, nützt auch Tempo 130 nichts.

Hilfe versprechen allerdings zahlreiche elektrronische Helferlein, die dem Fahrer dann virtuell in´s Lenkrad greifen, wenn er selbst überfordert ist. ABS bewahrt die Lenkbarkeit auch bei einer Vollbremsung, ESP verhindert das Ausbrechen des Hecks, Airbags und moderne Knautschzonen verringern die Unfallfolgen. Mittlerweile gibt es Abstandswahrer, Bremsassistenten, die beim Auftauchen eines Hindernisses automatisch bremsen und Frühwarnsysteme, die das Lenkrad vibrieren lassen, wenn der Fahrer einnickt.

Ich finde all diese Systeme furchtbar, weil sie den Fahrer entmündigen. Ich kann noch auf glatter Fahrbahn mit dem Gaspedal bremsen oder die Handbremse zur Hilfe nehmen. In meinem 21 Jahre alten BMW – Cabrio finde ich das ABS gerade noch vertretbar. Aber ich schalte auch mit der Hand.

Aber die meisten Menschen halten sich – wie ich – für gute Autofahrer und sind wahrscheinlich keine, wenn sie von einer gefährlichen Situation überrascht werden. Sie überreissen das Lenkrad, starren auf den Baum, auf den sie dann zielstrebig zusteuern und trauen sich nicht, das Bremspedal bis zum Bodenblech durchzutreten. Da sind elektronische Helferein in modernen Autos hilfreich. Sie helfen dem überraschten Fahrer auf die Sprünge.

Das sicherste Auto ist das, das steht. Mit der Fahrt ist ein Restrisiko verbunden. Die Vorschläge der Experten sind symptomatisch für deren Unwesen in unserer Republik. Mit überzogenen Regeln und kleinteiliger Regulierung nehmen sie den Menschen die Luft zum Atmen, die Lebensqualität und hier die Freude am Fahren. Das sollte ihnen nicht gelingen.

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