Der Plan des streitbaren Gesundheitspolitikers, mit rabiaten Vorsorgemaßnahmen der Gefahr einer Gesundheitskatastrophe zu begegnen, deren furchtbare Folgen die der Aids-Seuche übertreffen könnten, ist zunächst vertagt. Dabei hatte der CSU-Minister laut gedräut, er werde zurücktreten, falls er seinen Plan nicht durchsetzen könne. Er habe “lange genug verhandelt, lange genug geredet”, erklärte er, jetzt werde er “national handeln”.

Die Seuche “Creutzfeld-Jakob”-Krankheit drohte schon 1994, der Gesundheitsminister hieß Seehofer und die auf neun Seiten bei Spiegel Online abrufbaren Horror-Szenarien der vergangenen 20 Jahre zeigen nur eins: Die meisten Katastrophen spülen den Propheten Milliarden in die Kassen ohne je einzutreten.

Ganze sechs Jahre später, genau vor 10 Jahren wurde bei der ersten Kuh in Deutschland die verwandte Rinderseuche BSE gefunden. Bisher ist in ganz Deutschland kein Mensch nachweislich an der neuen Form der Kreutzfeldt-Jakob Krankheit gestorben oder überhaupt erkrankt, obwohl man back in the ninetees ganz anderes vermutete:

Erst plagten die Hausfrau aus Traben-Trarbach Sehstörungen, dann stellten sich Muskelzuckungen ein. Schließlich lag die 54jährige starr und sprechunfähig im Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Als die Patientin Anfang April verstarb, begann hektische Betriebsamkeit.

Den Angehörigen der Toten wurde ein 20seitiger Fragebogen vorgelegt. Welchen Beruf hatte sie ausgeübt? Erhielt sie Transplantate? Hatte sie Vorlieben für bestimmte Speisen: Rinderleber, Sülze, Pfötchen, Lammfleisch?

Der Leichnam wurde derweil in die 100 Kilometer entfernte Universitätsklinik in Homburg überführt. Dort machte sich der Neuropathologe Wolfgang Feiden an ein gefährliches Werk.

Vermummt mit Mund- und Augenschutz, die Hände mit eisernen Kettenhandschuhen umpanzert, sägte der Spezialist der Toten die Schädelkalotte auf. Unter Hochsicherheitsbedingungen wurde das Gehirn entnommen, in Ameisensäure getaucht und dann in Streifen geschnitten.

Vorletzten Dienstag gab Feiden das Resultat der Gehirnsektion bekannt. Die Frau habe “ohne Zweifel” an der – schwer diagnostizierbaren – Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gelitten, dem menschlichen Pendant zum Rinderwahnsinn BSE, der bovinen spongiformen Enzephalopathie.

so vermeldete ebenfalls SPON vierzehn Tage früher und behauptete, rund 80 Menschen seien vermutlich am BSE-Derivat verstorben. Die Diagnose erwies sich als falsch. Wenn Seehofer schon damals zurück getreten wäre, wäre uns allerdings einiges erspart gewesen.

Während in Großbritannien offensichtlich einige Hunderttausend Rinder an BSE verendeten, weil sie mit Tiermehl gefüttert wurden, also den geschredderten Überresten von Schafen und ihren Artgenossen,  gab es in Deutschland keine Epidimie.

200 Briten sollen an der “menschlichen Variante” der neuen Form der “Creutzfeldt-Jakob” – Krankheit verstorben.Schlimm genug

1997 hatten Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature laut Spiegel die Zahl der Todesopfer auf 80.000 geschätzt – allein im Vereinigten Königreich!

. In Deutschland gab es kein einziges Opfer. Und trotz allem kann nicht von einer mit Aids vergleichbaren Seuche die Rede sein. Vergleicht man diese Opfer mit denen, die im Straßenverkehr, an Nikotin und Alkohol gestorben sind, so schrumpft die Zahl zu einer Marginalie.

Erschreckend aber ist, dass der vergleichbare Alarmismus nach wie vor um sich greift. Von Ebola über die Schweine- oder Vogelgrippe, keine der potentiellen Volkskrankheiten hat Hunderttausende oder Abermillionen zu Tode gebracht.

Es wäre also mal Zeit, dieses Jubiläum zum Anlass zu nehmen, die Art und Weise der Berichterstattung zu hinterfragen.

Geld verdient wird mit BSE übrigens noch heute, obwohl kein einziger Fall mehr aufgetreten ist.

Dr. Manfred Stolz leitet das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe in Detmold, das sich auf BSE-Tests spezialisiert hat.

“Wir haben die Vorgabe, dass jedes Rind, das älter ist als 48 Monate untersucht werden muss, darüber hinaus auch Tiere, die schwer erkranken, und dann getötet werden, und die Tiere, die verenden, müssen untersucht werden, wenn sie das Alterslimit überschritten haben. Hierzu werden dann Gewebeproben aus dem Gehirn genommen, aus einem Areal, das nennen wir Obex, das ist ein Bereich, von dem wir wissen, dass hier der Erreger sich anreichert. Und genau diesen Bereich untersuchen wir dann.”

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