Ein publizistischer Skandal ist das, was wir auf der Titelseite der Welt am Sonntag zu lesen bekommen. Ein greiser schweizerischer Gutachter hat sich erneut an den pharmakologischen Daten des verstorbenen Uwe Barschel vergangen, just nachdem der per Medium in RTL verkündet hatte, dass er ermordet worden sei  (FdoG berichtete). Nun rührt die WamS die Verschwörungstheorien zusammen und nimmt das Untersuchungsergebnis für bare Münze: Es war der Mossad.  Dabei hätte es genausogut der seinerzeitige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sein können, dem Barschel die Wahlergebnisse verhagelten. Ob das Gutachten überhaupt stimmt, sei dahin gestellt. In jedem Fall stellt es nur fest, dass der Mann sich nicht selbst zu Tode gebracht habe. Auch attestiert es den Tätern einige Professionalität. Wenn man aber unterstellt, die einzigen professionellen Killer seien in den Reihen des israelischen Geheimdienst zu finden, dann ist das angewandter Antisemitismus. Denn die Hypothese, der Schleswig-Holsteinische Provinzpolitiker hätte tiefe Kenntnis von auf dem vom Meer umschlungenen Boden praktizierten Waffenhandel zwischen dem Iran (!) und Israel gehabt, ist absurd. David Harnasch hat bei der Achse dazu einiges bemerkt. Schließlich vergnügte sich Barschel auch noch mit leichten Stasi-Mädchen im ordentlich verwanzten  DDR-Renommierhotel in Warnemünde. Was der Mossad kann, können Stasi und KGB doch wohl schon lange.

Natürlich sind wir dererlei vom Muslimmarkt gewonnt. Dass die Welt aber eine solche Räuberpistole auf die Titelseite hebt, lässt nicht nur Axel Springer im Grabe schneller rotieren als die Tiefseebohrer im Golf von Mexiko.

Die angerührte Soße, die an eine ostdeutsche Jäger-Mehlschwitz-Pampe erinnert, ist ein Indiz für den schleichenden Antisemitismus, der sich in der gesamten Gesellschaft breit macht. Auch im Springer-Haus. Das ist der Skandal.

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