Irgendwie schon länger nichts mehr von der “Armutsforschung” gehört. Das permanente Aufschwunggerede setzt die profitorientierte Sozialstaatsindustrie gehörig unter Druck. Doch die hat es trotz stetig steigendem Wohlstand und Dauerwachstum über Jahrzehnte immer noch geschafft, neuen Bedarf für ihre Dienstleistungen zu entdecken. Dass die Armen dabei immer reicher werden, interessiert kaum jemand. Jetzt gibt es eine neue Umfrage, nach der diesmal ein Drittel aller Singles arm sind.
Arm ist man als Single, wenn man weniger als rund 900 € Netto zur Verfügung hat. Keine Auskunft gibt die Statistik darüber, wieviele Studenten und Auszubildende darunter sind.
Wie die europaweite Statistik erhoben wurde, das teilt das Statistische Bundesamt nicht mit. So bleibt die Aussage empirisch nicht widerlegbar.
Aber selbst das ganze Herumgerechne kann nicht darüber hinweg treten, dass selbst nach dieser Berechnung, die keine ist, mindestens 85 % der Deutschen nicht von Armut bedroht sind. Und dass die “Armen” auch nicht mehr werden, sondern der Anteil der unteren Einkommen auch hier völlig stabil bleibt.






6 comments
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30. October 2010 at 12:22
Andreas Moser
Es gibt ne Menge Regionen in Deutschland, wo man für 900 € im Monat gut über die Runden kommt, und selbst in Universitätsstädten ist mir das jahrelang gelungen.
Diese relative Armutsgrenze ist ein Witz, weil sie immer bei 60 % dessen liegt, was der Durchschnittsverdient ist. Nur weil einige wenige Millionen € und viele ganz gut verdienen (und damit den Durchschnitt anheben), werden aber meine Miete und meine Pizza nicht teurer. Ander wäre es nur, wenn ich (übertrieben gesprochen) der einzig verbleibende Arme wäre, weil dann vielleicht kein Markt mehr für günstige Produkte besteht.
Die absolute Armutsgrenze beträgt 1 $/Tag. Und davon sind in Deutschland auch die Ärmsten der Armen meilenweit entfernt. Zum Glück. Also meines Erachtens kein Grund zum Jammern.
In Deutschland ist wirklich arm vielleicht nur der, der meint daß das Einkommen die wichtigste oder gar einzige Messlatte der Zufriedenheit ist.
30. October 2010 at 12:35
Adrian
Jippiiieh, ich bin arm!
30. October 2010 at 22:59
uniquolol
Es gibt in Deutschland – zum Glück – keine materielle Armut, die zunehmend grassierende „…Armut an Geist…“ wird hingegen nicht erkannt und deshalb auch nicht bekämpft…
30. October 2010 at 23:08
uniquolol
BTW: Gibt es eigentlich eine Theorie, wie man die Quote der Armen (und die der Armutsgefährdeten) auf Null drücken könnte? Wie sähe diese aus? Wie viele „hilflose Helfer“ würden dadurch arbeitslos werden?
31. October 2010 at 10:09
Schlens
uniquolol: Klar. Sozialismus. Jeder bekommt das gleiche. Mit viel Glueck schafft man es dann sogar, ueber den 1$/Tag zu bleiben.
31. October 2010 at 11:56
uniquolol
@schlens:
Ich vergaß…